11. August 2017, 18:13 Uhr

Keine klaren Favoriten

11. August 2017, 18:13 Uhr
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Von DPA
Hat Chancen auf einen Preis: Hollywood-Alt-Star Harry Dean Stanton als 90-jähriger Kauz in der Komödie »Lucky«. (Foto: dpa)

Ob in den Cafés unter den Palmen am Schweizer Ufer des Lago Maggiore oder in den stets langen Schlangen vor den Kinos: in Locarno wird derzeit überall spekuliert, wer heute Abend den Goldenen Leopard des 70. internationalen Filmfestivals bekommt. Zwei Namen fallen dabei besonders häufig, die der Schauspielerin Johanna Wokalek aus Deutschland und ihres US-amerikanischen Kollegen Harry Dean Stanton.

Johanna Wokalek gilt unangefochten als Favoritin für die Auszeichnung als beste Schauspielerin. Ihr feinnerviges Porträt einer 40-Jährigen auf der Flucht vor sich selbst im Familiendrama »Freiheit« von Regisseur Jan Speckenbach bekam einhelligen Beifall. Hollywood-Alt-Star Harry Dean Stanton hat als 90-jähriger philosophischer Kauz in der melancholischen Komödie »Lucky« (Regie John Carroll Lynch) begeistert. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass er nicht als bester Schauspieler geehrt wird.

Begehrter Publikumspreis

Weit auseinander gehen hingegen die Meinungen, welcher Film den Hauptpreis gewinnt. Die Jury unter Vorsitz des französischen Regisseurs Olivier Assayas (»Carlos – Der Schakal«), prominent besetzt auch mit der österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr, hat die Qual der Wahl.

Soll gutes Erzählkino ausgezeichnet werden, haben »Freiheit« und »Lucky« gute Chancen. Wollen die Juroren stilistischen Wagemut prämieren, dürften die französisch-portugiesische Gesellschaftsparabel »9 Finger« (Regie F. J. Ossang) oder die chinesische Lovestory »Libellenaugen« von Xu Bing weit vorn in der Jury-Gunst liegen.

Bevorzugen die Juroren jedoch politisch ambitioniertes Kino, könnte der filmische Anti-Rassismus-Essay »Hast du drüber nachgedacht, wer geschossen hat?« vom US-Amerikaner Travis Wilkerson den Hauptreis erhalten. Dann hat aber ebenso die palästinensische Vater-Sohn-Geschichte »Pflicht« gute Chancen.

Gleich mehrere Filme kommen für die Auszeichnung mit dem begehrten Publikumspreis infrage. Deutschland darf hoffen: Das Historienepos »Iceman« (»Der Mann aus dem Eis«) mit Jürgen Vogel als Ötzi und das Familiendrama »Drei Zinnen« mit Alexander Fehling liegen gut im Rennen.

Doch auch die Piazza-Konkurrenz ist stark. Kandidaten für den Publikumspreis sind zudem das französische Drama »Lola Pater« mit Fanny Ardant, das US-amerikanische Action-Spektakel »Atomic Blonde« mit Charlize Theron, die italienische Tragikomödie »Liebesgeschichten, die nicht von dieser Welt sind« mit der in ihrer Heimat durch das Fernsehen sehr populären Schauspielerin Lucia Mascino und die US-amerikanische Romanze »The Big Sick«.



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