Vom Tarzanschrei, über Fußballerweisheiten und seltsame Geschäftshybridwörter wie »Kartoffelpuff« oder »Hairgott« bis hin zu lustigen Wortspielen mit Zuschauerkandidaten – Komiker Jürgen von Lippe servierte am Donnerstagabend in der ausverkauften Wetzlarer Stadthalle einen heiteren Rundumschlag zum Thema Sprache. Zwar galoppiert der TV-bekannte 68-jährige Ostwestfale in seinem aktuellen Programm »Wie soll ich sagen...?« gefühlt von einer Pointe zur nächsten amüsant sezierten Beobachtung.

Doch wäre der alte Hase in Sachen Humor nicht er selbst, wenn er seine Entertainerqualitäten außen vor lassen würde – inklusive seine so typischen Hawaiihemden. Da bespaßt er seine rund 1000 Zuhörer ganz locker und treffsicher aus der Hüfte, sodass jüngere Comedy-Kollegen wie mechanische Quasselstrippen wirken. Da witzelt und frotzelt er auf gewohnt pikant-erotischem Terrain, trällert sarkastische Liedchen, greift zu Gitarre oder Saxofon, parodiert singend Lindenberg, Grönemeyer und Maffay oder mokiert sich ganz deutschlehrerhaft über Heidi Klums grammatikalisch fehlerhaften Satzbau: »Ich mag ihren rheinischen Singsang, aber sie verwendet das Plusquamperfekt, wo das Präteritum hingehört... Sie fragen sich bestimmt, warum wühlt das den dicken Mann so auf?« Aber von der Lippe hat einst Deutsch auf Lehramt studiert, und Berufe wirken eben nach.

Und selbst wenn aus dem Lehrerberuf nichts geworden ist, für einen neuen Job zeigte von der Lippe in seiner Show Ambitionen: als neuer Wahlkampfleiter für den »Supersozi« und »Mister 100 Prozent« Martin Schulz. Gerne würde er dann Wahlslogans im Stile alter Chuck-Norris-Sprüche generieren wie: »Warum sind 99 Prozent der deutschen Frauen unbefriedigt? Weil Martin Schulz nicht überall sein kann!« oder »Martin Schulz trinkt seinen Kaffee schwarz, ohne Wasser«. Neben Aufregern über gedoppelte Wortkonstrukte (ABS-System hieße dann Anti-Blockier-System-System), Alltagsvielredner an der Wursttheke oder verschwurbelte Biernamen (Biernamen müssen einsilbig sein!), schlüpft von der Lippe auch in die Rolle des Kummerkasten-Kalle, der dem jünger wirken wollenden Herren eine Intimrasur empfiehlt, aber zu bedenken gibt: »’Ne Woche später sieht’s aus, als wäre Wolfgang Thierse im Schlüpper.«

Ein Hauch von Pärchen-Spielshow à la »Geld oder Liebe« schwang mit, als sich der Komiker »freie Mitarbeiter« auf die Bühne holte: So mussten etwa Patricia und Rainer aus Dietzhölztal sowie Nicole und Stephan aus Herborn in Sprachspielen gegeneinander antreten oder zum Aufwärmen einen anzüglichen Zungenbrecher wiederholen.

Andere, jüngere Kandidaten traten zu einem Oldie-Liederraten oder dem Nachspielen auf Nasenflöte und Triola (Melodica) von vorgegebenen Volksliedtiteln an. Die Zuschauer hatten dabei viel zu lachen, waren aber wohl auch froh, nicht selbst Kandidat zu sein. (chl/Foto: chl)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutsche Frauen
  • Humoristen und Komiker
  • Jürgen von der Lippe
  • Lehramt
  • Lehrerberuf
  • Martin Schulz
  • Stadthallen
  • Wolfgang Thierse
  • Christian Lademann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos