29. Dezember 2017, 19:42 Uhr

Kannibale und Gott in einem

Er spielte Götter, Diener, Staatsmänner und den Kannibalen Hannibal Lecter: Anthony Hopkins zählt zu den besten Verwandlungskünstlern im Film. Auch mit 80 Jahren macht der britische Star weiter.
29. Dezember 2017, 19:42 Uhr
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Von DPA
Ein echter Verwandlungskünstler: Der britische Schauspieler Anthony Hopkins feiert am Silvesterabend seinen 80. Geburtstag. (Foto: dpa)

Mit grauem Rauschebart und einem Zöpfchen im Haar verwandelte sich Anthony Hopkins zuletzt in den einäugigen Göttervater Odin. Wie ein lässiger Alt-Hippie kam der britische Star in der nordischen Götter-Saga »Thor: Tag der Entscheidung« daher. Nur wenige Monate zuvor ließ es der Schauspieler in Michael Bays Roboterspektakel »Transformers: The Last Knight« krachen. An der Seite von Mark Wahlberg und angsteinflößenden Kampfmaschinen behielt Sir Anthony Hopkins als distinguierter englischer Landadliger die Ruhe.

Hopkins, der an diesem Sonntag (31. Dezember) 80 Jahre alt wird, hat die Messlatte als genialer Verwandlungskünstler hoch gehängt. Im Bibel-Epos »Noah« ergraute er zu Methusalem, in »Hitchcock« nahm er die Gestalt seines legendären Landsmannes an. Die Ähnlichkeit mit Halbglatze, Doppelkinn und Extrapfunden war verblüffend.

Mit Gruselstoff kennt sich Hopkins bestens aus. Als psychopathischer Hannibal Lecter in »Das Schweigen der Lämmer« holte er 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Gerade einmal 16 Minuten ist er in dem Psychothriller zu sehen, doch das reichte. Das Duell zwischen dem Kannibalen und der standfesten FBI-Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) schrieb Filmgeschichte.

Er wird als Schauspiellegende verehrt, doch seinen großen Erfolg spielt er bescheiden als »Glück im Leben« herunter. Er habe keinen derartigen Ehrgeiz gehabt, sagte Hopkins im vorigen Juni dem US-Magazin »Men’s Health«. »Manchmal kommt man an eine Tür, hat Glück, und sie öffnet sich.« Man könne nur wenige Dinge steuern.

Für den Sohn einer Bäckerfamilie in Wales war es ein schwieriger Weg in die Topriege der Schauspieler. In der Schule galt er mit seiner Vorliebe fürs Malen und Klavierspielen eher als Eigenbrötler. Nach dem Militärdienst schaffte er 1961 die Aufnahme an die Royal Academy of Dramatic Art in London. Am Theater konnte er sich den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers erwerben – allein als »King Lear« stand er zahllose Male auf der Bühne.

Doch er galt auch als schwierig und unberechenbar, häufig legte er sich mit seinen Regisseuren an. Zerbrochene Ehen, Flucht in den Alkohol – in Interviews spricht er offen über zurückliegende Dramen in seinem Leben. Seit 2003 ist er in dritter Ehe mit der gebürtigen kolumbianischen Schauspielerin Stella Arroyave verheiratet.

Über 100 Film- und Fernsehauftritte hat Hopkins in seiner 50-jährigen Karriere absolviert. Er war Adolf Hitler in »Der Bunker« (1981), Quasimodo in »Der Glöckner von Notre Dame« (1982), der gefallene US-Präsident Richard Nixon in Oliver Stones »Nixon« (1995). Für ihn selbst gehört die Rolle des sich aufopfernden Butlers in dem Drama »Was vom Tage übrig blieb« (1993) zu seinen wichtigsten Filmen. Damals drehte er zum ersten Mal mit Emma Thompson. Fast 25 Jahre danach stehen die gefeierten Briten nun wieder gemeinsam vor der Kamera – für eine neue Verfilmung von Shakespeares »King Lear«, mit Hopkins in der Rolle des titelgebenden Monarchen. Der Kinostart ist für 2018 geplant.



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