03. Februar 2017, 20:47 Uhr

»Irgendwann werde ich erwachsen«

03. Februar 2017, 20:47 Uhr
Schlagersänger Frank Zander im Jahr 2011 bei einem Auftritt im Berliner Olympiastadion. (Foto: dpa)

Im »Tatort« hat er vor ein paar Jahren mal einen Zuhälter gespielt. Das hat Frank Zander gefallen. Auf welche Rolle er noch Lust hätte? »Kein Liebhaber, das liegt mir nicht. Lieber so einen ganz Bösen oder einen witzigen Typen.« Zander hat viel vor: ein neues Album, Malen, eine Ausstellung, Filmen, Fotografieren, nach Ibiza reisen und mit der Eisenbahn spielen. Und es gibt ein großes Fest mit 150 Leuten. Heute wird der Entertainer, Sänger und Schauspieler 75 Jahre alt.

Wenn sich jemand »Berliner Urgestein« auf die Visitenkarte drucken könnte, dann er. Von Zander stammt die Stadion-Hymne von Hertha BSC, »Nur nach Hause geh’n wir nicht« nach Rod Stewarts »I sm sailing«. Jedes Jahr lädt er vor Weihnachten Tausende Obdachlose zum Gänsebraten in ein Berliner Hotel ein, wo Prominente kellnern. Seinen Show-Kollegen sagt Zander: »Ein bisschen was von eurer vielen Kohle könnt ihr schon mal anderen geben.« Gerade hat er den Brandenburger Verdienstorden für sein soziales Engagement bekommen, das Bundesverdienstkreuz hat er schon. Zander war mal der Spaßvogel der Nation. Zum Fernsehstar wurde der (immer noch) blonde Schnauzbart-Träger in einer Zeit, als es nur drei Programme gab. Mit Helga Feddersen stand er in der legendären »Plattenküche«. Einer seiner großen Hits heißt »Hier kommt Kurt«. Auch den Ententanz hat er mal parodiert. Zander ist, wie er selbst sagt, »einer der erfolgreichsten Comedy-Sänger aller Zeiten«. Geboren in Berlin-Neukölln, machte er in den 60er Jahren eine Ausbildung als Grafiker, seine Anfänge als Musiker waren rockig.

»Plattenküche« und »Bananas«

Berühmt wurde er in den 70er und 80er Jahren. An die Zeiten der WDR-«Plattenküche« und ihren Nachfolger »Bananas«, beides Musik- und Sketch-Shows, denkt er gerne. Wobei er damals auch um die Häuser gezogen ist, wie er erzählt. Was nicht viele wissen: Für 600 Mark hat Zander mal »Adolf« als einen seiner Vornamen streichen lassen.

Am Telefon ist Zander locker. Er hat noch die markante rauchige Stimme von früher. Ein Rentner zu sein, das ist nichts für ihn. Da denkt er an alte Männer, die am Ofen sitzen und den Keks in den Kaffee stippen. »Ich möchte weiter machen, ich habe einfach noch Lust.« Im Kopf sei er noch 49. »Und irgendwann werde ich erwachsen.«

Morgens hat Zander seine Rituale: erst den harten Schwamm mit kaltem Wasser, dann bei einem Apfel-Bananen-Frühstück die Nachrichtensender gucken. Die »Arschlöcher« auf der Welt, der Klimawandel, die Börse, das macht Zander nachdenklich: »Sind wir denn nur noch auf Wachstum aus?« Aber er sei Optimist. »Irgendwie kriegen wir das schon hin.«

Zander ist ein Familienmensch. »Wichtig ist das Zuhause, das ist wie ein Fundament.« Seit Jahrzehnten wohnt er im selben Haus in Charlottenburg und ist mit seiner Evy glücklich verheiratet. Die passt laut Zander bei Begegnungen mit jungen Frauen auf: »Da kriegt meine Frau ganz enge Augen, wenn Mädels um mich rum sind und sagen, mach‹ mal ein Foto.«

Vor seinem Geburtstag ist Zander nachdenklich. Der Zenit sei erreicht. »Es kommt jetzt die Zeit des Abräumens.« Große Geschenke will er nicht, aber Trubel wird es geben. Sein Sohn Marcus (48) hat ihm vor der Feier bei einem Freund in Berlin-Lübars gesagt: »Vater, du wirst dich wundern.«

Und die Hertha? Dem Berliner Bundesligisten wünscht Zander den Spitzenplatz. Wie wäre es, wenn Hertha ein neues Stadion nach ihm benennen würde? Zander lacht. In Sachen Namensehre wäre er bescheidener: »Vielleicht mal eine kleine Straße in Neukölln.«

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