06. Oktober 2017, 18:25 Uhr

Im Familienalbum geblättert

Seit rund einem halben Jahrhundert steht die legendäre Superband Jackson Five – später die Jacksons genannt – auf der Bühne. Gerade haben die Brüder ihre EuropaTour mit einem ausverkauften Konzert in Rotterdam beendet. Nun liegt ein Buch über die Boygroup vor.
06. Oktober 2017, 18:25 Uhr
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Von DPA
Michael Jackson (Mitte) mit seinen Brüdern Tito, Randy, Jackie, Jermaine und Marlon (v. l.). in den 80er Jahren. (Foto: dpa)

Es ist neun Uhr morgens, und die drei Weltstars Jackie (66), Marlon (60) und Tito (63) – Jermaine ist nicht dabei – sitzen überpünktlich auf dem Hotelsofa und warten auf Fragen. Morgen werden sie in London auftreten – vor vollem Haus natürlich. Disziplin sei sehr wichtig, darin stimmen die Brüder überein.

Nach einem Konzert gehe es ins Bett, vielleicht noch ein Buch, etwas Fernsehen oder ein Anruf bei der Familie. »Das stammt noch aus unseren Jackson-Five-Tagen«, erklärt Marlon. »Als Kinder hatten wir Ausgangssperre, wir mussten ins Bett, selbst wenn wir unterwegs waren«, und Jackie fällt ihm ins Wort: »Wir feiern auf der Bühne!«

Gestern ist der Bildband »The Jacksons« erschienen, für den sie alte Familienfotos aus Speicher und Keller gekramt haben. Er zeichnet ein übermäßig harmonisches Bild einer der berühmtesten Musikerfamilien der Welt. Die neun Geschwister wachsen in den 50er Jahren in einem kleines Drei-Zimmer-Holzhaus in Gary, Indiana, auf. Die Eltern bewohnen ein Zimmer, die sechs Jungs teilen sich das zweite, und die drei Töchter schlafen auf Klappsofas im Wohnzimmer. »Die Peitsche schwang mein Vater«, gesteht Jackie im Buch. »Meine Mutter war lässiger.«

Tito spielt heimlich auf der Gitarre seines Vaters, bis eine Saite reißt. Im Buch erinnerte er sich an dessen Reaktion: »Wer hat meine Gitarre gespielt?«, war das Erste, was er sagte. Ich begann zu weinen, und er verabreichte mir eine ordentliche Tracht Prügel. Dann sagte er: »Zeig mir, was du kannst.« So beginnt der legendäre Erfolg der Brüder.

1969 schließen sie einen Plattenvertrag mit dem Soul-Label Motown, das Stars wie The Supremes, Stevie Wonder und The Temptations unter Vertrag hat. Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten werden die Jacksons eine der erfolgreichsten Bands der Popgeschichte. Zu Beginn nimmt Motown-Star Diana Ross die Jugendlichen unter die Fittiche. »In einem Tonstudio sein, Songs schreiben, vor der Presse stehen«, erklärt Jackie – sie habe ihnen das Geschäft beigebracht.

Schon die erste Single für Motown, »I Want You Back« (1969) wird ein Hit – der Erste von vielen Ohrwürmern wie »Never Can Say Goodbye« (1970) und »Can You Feel It« (1980). Im Bildband »The Jacksons« erinnert sich Jackie, wie sich ihr Alltag durch den Erfolg veränderte. »Wir gingen immer noch zur Schule, und viele Kids in der Klasse wussten nicht, wer ich war. Mädchen kamen an die Tür des Klassenzimmers und kreischten einfach los.«

Sie treten vor der englischen Königin auf, Bob Marley spielt bei ihrem Konzert in Jamaika. Ihre Fans sind alt und jung, schwarz und weiß – damals sehr ungewöhnlich. Doch wenn sie touren, müssen sie immer noch mit Vorurteilen kämpfen. In einem Interview mit der »Times« erinnerte sich Tito an ihre ersten Auftritte in den Südstaaten: »Unser Zimmer war immer hinten raus, nicht nur einmal oder zweimal – jedes Mal.« »Mit Blick auf den Müll«, ergänzte Marlon.

1975 lassen sie die Motown-Jahre hinter sich, wechseln zum Label Epic Records, das ihnen mehr Tantiemen bietet. Michael Jackson verfolgt ab 1971 seine Solokarriere mit Hits wie »Thriller« und überholt seine Geschwister bald an Berühmtheit wie an Skandalen. Doch Rivalitäten, gar Konkurrenzkampf zwischen den Geschwistern? Gab es nicht, behaupten die Jackson-Brüder. Marlon erklärt: »Wir alle teilen den gleichen Nachnamen. Wer auch immer einen Hit hat, der Name Jackson bleibt im Rampenlicht.«

»The Jacksons« zeigt das Aufwachsen der fünf Brüder in einer heilen Familienwelt mit Afro-Frisuren, knallbunten Fransenhemden, und vielen Posen für die Fotografen – bis heute. Michael Jackson sticht mit seinem Moonwalk heraus – er tanzt ihn zum ersten Mal bei einem Auftritt zum 25. Geburtstag ihrer früheren Plattenfirma Motown. Er stirbt 2009 an Herzversagen nach einer Überdosis an Betäubungsmitteln.

Trotz eines halben Jahrhunderts auf der Bühne, vieler Höhen und Tiefen, haben die Jacksons immer noch Träume. Tito wünscht sich mit seiner tiefen Stimme »die größte Platte der Welt«. Jackie meint: »Solange Mick Jagger das macht, will ich auch weitermachen« und Marlon stimmt zu: »Es ist ein toller Job, er gibt dir Energie, Leben und gute Laune.« »Harte Arbeit«, sagt Jackie, »aber sobald man auf die Bühne kommt, ist es unglaublich.«



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