18. September 2017, 19:07 Uhr

Hochgehandelter Geheimtipp

18. September 2017, 19:07 Uhr
Das Zeitz MOCAA zeigt zeitgenössische afrikanische Kunst in 80 Galerien auf neun Stockwerke verteilt. (Foto: dpa)

Vorbei sind die Zeiten, in denen afrikanische Kunst mit Holzschnitten, Masken und ethnischen Malereien gleichgesetzt wurde. Eine neue Generation zeitgenössischer Künstler des Kontinents ist inzwischen zum festen Bestandteil der globalen Kunstszene geworden.

»Der Markt für moderne und zeitgenössische Kunst aus Afrika hat sich in den vergangenen zehn Jahren dramatisch entwickelt«, sagt Hannah O’Leary, Kunstexpertin des berühmten Londoner Auktionshauses Sotheby’s. Kunst aus Afrika gelte mittlerweile als »spannend, innovativ und relevant«, sagt O’Leary und bezeichnet das relativ neue Interesse als »längst überfällig«.

Institutionelle Unterstützung fehlt

Der Lackmustest für O’Learys These war eine Auktion im Mai, bei der Sotheby’s erstmals ausschließlich zeitgenössische und moderne Kunst aus Afrika versteigerte. 100 Werke von 60 Künstlern aus 14 afrikanischen Ländern standen zum Verkauf. Bieter ersteigerten den Großteil der Werke für insgesamt 30,5 Millionen Euro – und setzten damit auf dem globalen Kunstmarkt ein wichtiges Signal. Auktionshäuser wie Sotheby’s leisten einen wichtigen Beitrag dazu, das Rampenlicht auf afrikanische Künstler zu werfen. Auch auf der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel wurden in vergangenen Jahren verstärkt afrikanische Künstler repräsentiert.

Natürlich sei nicht alles rosig, sagen die Experten. Zeitgenössische afrikanische Kunst bleibe weltweit noch immer unterrepräsentiert. Auch dürfe man nicht vergessen, dass »zeitgenössische afrikanische Kunst« ein eindimensionaler Sammelbegriff für mehr als 50 Länder, mehr als eine Milliarde Menschen, zehntausende Ethnien, mehr als 2000 Sprachen und Dutzende von Religionen sei. Vielen jungen afrikanischen Künstlern fehle es noch immer an institutioneller Unterstützung. Der am stärksten etablierte Kunstmarkt des Kontinents befindet sich zweifelsohne am Südzipfel, im wirtschaftsstarken Südafrika. In Johannesburg und Kapstadt reihen sich Dutzende von Galerien und Museen aneinander; der frisch sanierte Maboneng Distrikt in Johannesburg ist ein Schmelztiegel für Kunst und Kultur.

Nun will der ehemalige Puma-Chef Jochen Zeitz noch eins drauf setzen. Am 22. September wird das von ihm gegründete Zeitz Museum of Contemporary African Art, kurz Zeitz MOCAA, in Kapstadt seine Türen öffnen. Zeitz hofft, dass das Mega-Museum in dem vom Stararchitekten Thomas Heatherwick sanierten historischen Getreidesilo auf der berühmten Einkaufsmeile V&A Waterfront jährlich hunderttausende Besucher anzieht. Das Zeitz MOCAA werde einen »gewaltigen Beitrag zur Wertschätzung afrikanischer Kunst« leisten, glaubt Paul Harris, ein südafrikanischer Kunstsammler. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um in diese Kunst zu investieren, meint er.

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