14. Februar 2017, 18:32 Uhr

Heavy Metal für Celli

14. Februar 2017, 18:32 Uhr
Dynamik, Virtuosität, Spielfreude und viel Interaktion mit dem Publikum: Paavo Lötjönen, Eicca Toppinen und Pertun Kivilaakso (v. l.) von Apocalyptica. (Foto: sag)

An diesem Abend war etwas anders als sonst in der Alten Oper in Frankfurt, die gemeinhin als Spielort der ernsten Musik bekannt ist. Geboten wurde ein Metal-Konzert erster Güte: Die Finnen von Apocalyptica machten mit ihrem Cello-Metal Station und feierten gemeinsam mit den Fans den 20. Geburtstag ihres 1996 erschienenen und 2016 in einer digital überarbeiteten Fassung neu aufgelegten Erstlingswerks »Apocalyptica plays Metallica by four Cellos«.

Ein Blick zurück: 1993 kommen vier junge Musiker an der Sibelius-Akademie in Helsinki (heute: Universität der Künste) auf die Idee, Songs ihrer Lieblings-Band Metallica auf dem Cello zu spielen. Aus der Idee wird schließlich eine Prüfungsaufgabe, 1996 erscheint das Debütalbum. Die ungewöhnliche Darbietung – Thrash Metal gespielt auf klassischen Instrumenten – löst durchweg positive Kritiken aus und ebnet den Finnen den Weg zu einer weltweiten Karriere. Acht Studioalben, zahlreiche Coverversionen und Eigenkompositionen sowie knapp 2000 Konzerte weltweit später sind Apocalyptica vor allem eins: aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Von Metal- und Klassikanhängern gleichermaßen verehrt, zelebrieren sie seit über 20 Jahren feinsten Crossover.

Das Konzert am Montag steht ganz unter dem Motto »zurück zu den Wurzeln«. Ausschließlich Coverversionen von Metallica kommen zu Gehör. Live, zu viert, mit Antero Manninen aus der Gründungsbesetzung vereint, spielen Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen und Pertun Kivilaakso die Songs ihres Debüts – mit viel Dynamik, düster anmutender Lichtshow und natürlich jeder Menge Headbanging. Bei »Harvester of Sorrow« wird es erstmals wild auf der Bühne. Dann folgt mit »The Unforgiven« der erste Gänsehautmoment, der beweist: Metal und klassische Musik liegen dichter beieinander, als man zunächst meinen mag. Nicht umsonst haben Metallica sich selbst auf dem 99er Album »S & M« zusammen mit einem symphonischen Orchester in Szene gesetzt.

Mit Virtuosität und Energie bearbeiten die vier Finnen ihre Instrumente. Da wird gestrichen, dort wird gezupft, gezerrt, gepoltert, und natürlich bewegen sich die Musiker mit ihren Celli auch über die Bühne, machen sich wie Gitarristen in einer Rockshow damit an, schütteln ihre Haare in bester Metaller-Manier. Einzig Manninen, in Jackett und mit Sonnenbrille, wirkt in seiner ruhigen Spielweise wie einem Orchester entlehnt.

Geklopft, gedonnert, gewummert

Nach der Pause stößt mit Schlagzeuger Mikko Sirén das mittlerweile offizielle fünfte Bandmitglied zur Truppe. Was Sirén zu bieten hat, ist alles andere als ein gewöhnliches Drumset. Die Becken lösen sich nach unten in einer Art Schlange auf, da sind Röhren, Tuben, sogar eine Milchkanne gehört zum Schlagwerk. Entsprechend viel Power steckt der blonde Musiker hinein: Da wird geklopft, gedonnert, gewummert, Doublebass lässt grüßen. Neben Klassikern wie »For whom the bell tolls« gibt es auch Raritäten wie »Escape« vom »Ride the lightening«-Album zu hören – einen Song, den Metallica aufgrund seiner Komplexität selber nur selten live spielen, wie Toppinen verkündet. Mit den Zugaben wird es noch einmal ruhig im Saal, denn schlussendlich darf die Metallica-Ballade »Nothing else matters« genauso wenig fehlen wie die fast acht Minuten lange Anti-Kriegs-Hymne »One«. Sabine Glinke

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