12. Mai 2019, 20:39 Uhr

Frau Müller behauptet sich

Elternabende sind für viele eine lästige Pflicht. Und schuld ist am Ende ja doch der Lehrer oder die Lehrerin. Oder? Doch was ist, wenn die Pädagogin plötzlich den Spieß umdreht und erzieherische Defizite offenlegt? Der Keller der Bad Vilbeler Wasserburg erwies sich als geeigneter Schauplatz für die amüsante Kurzkomödie »Frau Müller muss weg!«
12. Mai 2019, 20:39 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein Abend, der aus dem Ruder läuft: Einig sind sich alle Eltern, dass die Lehrerin, Frau Müller, weg muss. Doch Klischees, bitterböse Vorurteile und manche Wahrheit treffen aufeinander. (Foto: Eugen Sommer)

Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste - selbst wenn diese es gar nicht verdient haben. In der Klasse von Frau Müller führt das dazu, dass die Erziehungsberechtigten die Lehrerin absägen möchten, da sich die meisten Schülerinnen und Schüler im aktuellen Halbjahr offenbar deutlich verschlechtert haben. Und das ausgerechnet vor dem Zeugnis, mit dem die Entscheidung für oder gegen den Gang aufs Gymnasium fällt. Dass der Nachwuchs daran selbst Schuld tragen könnte, wird nicht in Betracht gezogen. Stattdessen macht sich eine Abordnung auf den Weg mit der Absicht, die Pädagogin dazu zu bringen, selbst ihre Aufgabe ad acta zu legen.

Vermeintliche Einigkeit

»Frau Müller muss weg!« von Lutz Hübner und Sarah Nemitz kam 2010 zur Uraufführung. Bekannter wurde die Komödie durch Sönke Wortmanns Verfilmung fünf Jahre später. Das aus dem Leben gegriffene Kammerspiel eignet sich bestens für den Bad Vilbeler Burgkeller. Hierhin hat es Regisseur Ulrich Cyran für die traditionellen Festspiele entführt.

Sechs Darsteller sind dafür nur vonnöten, eine knappe Stunde nimmt sich der Routinier für die nachdenklich machende Handlung Zeit. Das genügt, um die Masken von den Gesichtern zu ziehen und nicht nur die Väter und Mütter bloßzustellen, sondern auch ihre Söhne und Töchter. Eine Ansammlung verzogener Gören - oder doch nur ganz normaler Kleine? Unter denen aber selbst Musterschüler Fritz seine Mutter Katja (Barbara Dussler) nicht sorgenfrei lässt. In vermeintlicher Einigkeit gekommen, dividiert sich der Elternausschuss schnell auseinander. Spätestens als einige von ihnen Hinweise darauf haben, dass ihre Sprösslinge vielleicht doch nicht so hoffnungslos dastehen, gibt es Rückzieher.

Frau Müller, von Kristine Walther überzeugend dargestellt, ist kurzzeitig verschwunden. Bei ihrer Rückkehr voller Selbstkritik will die Mehrheit sie plötzlich zum Bleiben bewegen.

Das von Dorothea Mines entworfene Bühnenbild unterhalb des Gewölbes beschränkt sich auf ein paar Bänke in unterschiedlichen Höhen, auf denen hoch und runter geklettert wird, die aber wie in der Politik die Parteien auch örtlich voneinander separieren.

Zudem gibt es eine große zweigeteilte Tafel, auf der der mit Kreide aufgemalte Stücktitel kurz vor dem ersten Auftritt der Verteufelten noch schnell in »Müll muss weg!« verkürzt wird.

Irritierende Einlagen am Rande

Die sehr realitätsnahe Geschichte würde pur vorgetragen für einen netten Abend genügen. Eingebaute Tanzeinlagen zu »Staying Alive« oder auch ein Affe, der im Hintergrund herumwerkelt, irritieren eher und unterbrechen den turbulenten Schlagabtausch. Gleiches gilt für eine eingebaute Liebesgeschichte. Doch ohne die geht es im Theater meist nicht.



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