20. November 2018, 18:31 Uhr

Ein zweites Tschüss

20. November 2018, 18:31 Uhr
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Von DPA
Nun soll endgültig Schluss sein: Heino legt sein letztes Album vor. (Foto: dpa)

Nur sehr selten ist es Musikern mit Mitte 70 vergönnt, einen solchen Hype um die Person auszulösen wie Heino im Jahr 2013 mit dem Album »Mit freundlichen Grüßen«. Der als Schlagerbarde und Volksliedersänger bekannte Künstler erfand sich seinerzeit neu, in dem er Coverversionen bekannter Pop-, Hip-Hop- und Rock-Lieder von Musikern wie den Ärzten, Sportfreunde Stiller und den Beginnern im Rockgewand interpretierte. Nicht immer geschah dies zur Freude der Original-Hitlieferanten.

»Natürlich bin ich dankbar, so etwas noch mal erlebt zu haben«, sagt Heino im Interview. »Mit dem Album sind wir von null auf eins gegangen, und innerhalb kürzester Zeit hatte ich mein Publikum um vierzig Jahre verjüngt, was wiederum auch mich verjüngt hat.« Bis auf die Bühne mit Rammstein beim Wacken Open Air hat es Heino so geschafft. »Seitdem bin ich Rocker, und seitdem duzen mich die Leute«, sagt der mit schwarzer Lederjacke dekorierte 79-Jährige grinsend. Der jetzt angekündigte Rücktritt ist übrigens nicht der erste – 2005 hatte sich Heino schon mal verabschiedet.

Das neue Abschiedsalbum »...und Tschüss«, mit dem sich der in Düsseldorf als Heinz Georg Kramm geborene Interpret erneut vom Showbusiness verabschieden will, ist zwar weniger rockig, funktioniert ansonsten aber nach gleichem Muster. Was die mediale Präsenz angeht, ist er auf »Nummer sicher« gegangen: Zwei Titel der Platte widmet er den berühmtesten Frauen Deutschlands. »Das Model« von der Elektropop-Legende Kraftwerk ist Heinos Hommage an Heidi Klum. »Heidi war in den Neunzigerjahren in meiner Fernsehsendung ›Herzlich Willkommen bei Heino und Hannelore‹. Sie war damals 17 – seitdem hat sie eine Weltkarriere gemacht, deshalb habe ich ihr den Titel gewidmet«, sagt der Künstler.

Abgesehen von dem rollendem R hat Heino seiner Version allerdings nicht viel Kreatives hinzuzufügen. Die zweite Dame, die er mit einem Lied bedacht hat, ist niemand Geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das mit Dance-Beat unterlegte »Bilder im Kopf (Angie)« ist nicht etwa eine Coverversion des Rolling-Stones-Klassikers, wie man vermuten könnte. Es ist eine der wenigen Originalkompositionen der Platte. »Du gehst mir nicht mehr aus dem Sinn«, säuselt Heino darin, während der Chor das »Angie« beisteuert. »Ich finde, sie ist eine gute Kanzlerin, aber irgendwann ist es ja immer aus«, resümiert Heino.

Hannelore lässt rote Rosen regnen

Zu seinem eigenen Abschied zieht der ehemalige Bäckerlehrling auch musikalisch noch mal alle Register: Er swingt zu »Mackie Messer« aus der »Dreigroschenoper«, was ihm unerwartet gut steht. Und wiegt sich in Sentimentalität bei der Abschiedsode »La Paloma«, die er sich von seinem Idol Freddy Quinn ausgeborgt hat.

Der Titelsong entpuppt sich indes als vergnügter Schlager, in dem es heißt: »Ich sage nicht auf Wiedersehen, ich sage nicht Goodbye. Ich mach’s mir nur gemütlicher, hab jetzt mal öfter frei.« Als wäre das nicht genug an letzten Worten, bemüht Heino auch noch den Familienclan. Als erstes darf sein musikbegabter Enkel Sebastian Kramm (21) ihm die Ballade »Der Junge mit der Gitarre« widmen, was symbolisch als Staffelstabübergabe zu verstehen ist.

Zum Schluss gibt Heinos Frau Hannelore (76), die sich früher selbst als Schlagersängerin verdingte, mit »Für dich soll’s rote Rosen regnen« die Knef. Mit abgeändertem Text fungiert das Stück als Ständchen zu Heinos 80. Geburtstag am 13. Dezember.



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