12. November 2017, 21:21 Uhr

Ein Ferrari, ein Da Vinci und Klassiker

12. November 2017, 21:21 Uhr

Der Posten mit der Nummer 9B beherrschte schon im Vorfeld die Schlagzeilen. »Salvator Mundi« soll nach Angaben des Auktionshauses Christie’s das letzte bekannte Werk des italienischen Künstlers Leonardo Da Vinci (1452-1519) in Privatbesitz sein. Das um 1500 entstandene Porträt von Jesus Christus in Öl hatte zuletzt dem russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew gehört, nun soll es – wenn es nach Christie’s geht – das Herzstück der alljährlichen New Yorker Herbstauktionen werden. Die Versteigerungen starten am heutigen Montag vor allem bei Christie’s und der Konkurrenz von Sotheby’s und sollen vier Tage lang laufen.

Um die 100 Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro) erwartet das Auktionshaus von der Versteigerung des Da Vinci-Werks, und ein anonymer Käufer hat diesen Preis für die Auktion am 15. November auch schon fest zugesagt. »Die Frage ist jetzt, ob es andere Bieter geben wird, die diesen Preis als Schnäppchen ansehen«, sagt die Kunstexpertin Marion Maneker.

Aber auch abseits des Da Vinci mit der Nummer 9B gibt es für viel Geld einiges zu kaufen bei den diesjährigen Herbstauktionen. »Der Markt hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren weg von der Jagd nach den spektakulären Trophäen in zwei- oder dreistelligen Millionenbeträgen entwickelt und hin zu aggressivem Bieten auf hochqualitative Werke von bisher übersehenen modernen oder zeitgenössischen Künstlern«, sagt Maneker. Der Kunstmarkt sei also »ungewöhnlich aktiv«, aber die Gesamtverkaufszahlen seien niedriger. Die politische Situation in den USA unter Präsident Donald Trump habe bislang keinen nennenswerten Einfluss auf den Kunstmarkt gezeigt.

Es sei eine »sehr aufregende Saison« mit einer »guten Balance«, sagt auch Kunstexperte Simon Shaw vom Auktionshaus Sotheby’s, das unter anderem einen Ferrari anbietet, mit dem Michael Schumacher 2001 den Großen Preis von Monaco gewann. Rund vier Millionen Dollar erwartet Sotheby’s dafür. Daneben bietet das Auktionshaus unter anderem Werke von Claude Monet (1840-1926) und Pablo Picasso (1881-1973) an. »Wir haben zahlreiche Werke, die genau zum heutigen Geschmack passen, und ich glaube, dass wir deswegen großartige Ergebnisse sehen werden.« Shaws persönliches Highlight: »Les Amoureux«, ein Gemälde von Marc Chagall (1887-1985), das bei der Auktion am 14. November bis zu 18 Millionen Dollar einbringen könnte. »Les Amoureux« befand sich fast 90 Jahre lang in derselben Privatsammlung, nachdem es im Entstehungsjahr 1928 gleich von einer Pariser Galerie verkauft worden war. »Die Möglichkeit, dem Publikum ein Bild zu zeigen, das seit 1928 nicht mehr öffentlich zu sehen war, und zu sehen, wie den Menschen die Kinnladen herunterfallen – das ist für mich der ultimative Nervenkitzel«, betont Shaw.

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