05. April 2017, 18:30 Uhr

Ein Blues zum Abschied

05. April 2017, 18:30 Uhr
Legen zur Abschiedstournee ein neues Album vor: Ian Paice (l.) und Roger Glover von Deep Purple. (Foto: dpa)

Die Farbe der Unendlichkeit ist tief-purpurn, oder einfach: Deep Purple. Ihr neues Album »Infinite« (Verkaufsstart 7. April) lädt zum Rätseln über die Bedeutung ein – unendlich oder am Ende? »Aber ehrlich, jeder darf in den Titel hineininterpretieren, was er will«, sagt Drummer Ian Paice im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Möglich sei auch, nur den Begriff »finite« auszukoppeln, einfach »das Ende«, zumal es vermutlich das allerletzte Album der Hard-Rock-Band sein dürfte.

Mit ihren Klängen knüpft die Platte an die Purple-Tradition an, verspielte Gitarren-Riffs, Spielereien auf dem Keyboard, solides Handwerk der Rhythmusabteilung und die unverkennbare Stimme von Ian Gillan. Gibt es etwas Hitverdächtiges? »Keine Ahnung, aber wir haben ein gutes Gefühl dabei«, sagt Bassist Roger Glover.

»Time for Bedlam« (Zeit für das Durcheinander) – eine Anspielung auf das Leben nach Deep Purple, die mit ihrer diesjährigen »Long Goodbye Tour« Abschied nehmen wollen nach fast 50 Jahren unermüdlicher Kreativität? »Nein, keine Anspielung, nur ein Titel«, erläutern Paice und Glover. Der Song ist hitverdächtig, ein typisches Purple-Produkt mit klassischen Elementen und einem Kotau vor dem Neuen: Gillan nutzt erstmals Voice-Tuning, ein Novum für die Band.

»Hip Boots« klingt eher wie Deep Purple aus den 70er Jahren, als noch David Coverdale oder Glenn Hughes dabei waren. »All I Got Is You« dürfte ein Werk von Steve Morse sein, der seine Lead-Gitarre gern singen lässt, begleitet vom Keyboarder Don Airey. Und »Get Me Outta Here« ist für Kenner ein echter Paice-Song.

Als Krönung des Albums gilt ein absolutes Novum in fast 50 Jahren Band-Geschichte – ein Blues. Ob »Roadhouse Blues« einfach nur ein Gruß mit »Wir können das auch« an die Rolling Stones ist, die erst vor wenigen Monaten mit »Blue&Lonesome« überraschten, mag offen bleiben. Zumindest aber war es für Gillan kein Neuland, da er erst 2009 mit seinem Solo-Album »One Eye to Morocco« mit dem ungewohnten Genre geliebäugelt hatte. Auf jeden Fall – ein Blues zum Abschied, mit dem die Band ihr Lebenswerk wohl abrunden will.

Der Stolz auf ihr neues Album ist bei Paice und Glover nicht zu überhören. »Wir sind schließlich eine Album-Band, die Fans erwarten das von uns«, sagt Glover. Dabei hatte er selbst noch vor Jahren am Sinn von Musikalben gezweifelt, in einer Zeit, als das Internet ein neuer Schauplatz für Musik wurde. »Nach unserem Album ›Rapture of the Deep‹ verkauften sich die Alben nicht so gut.« Wie lange dauerte die Entstehung dieses Albums? »Das kann man so genau nicht sagen«, sagt Paice. »Wir kommen zusammen, jeder mit seinen Ideen, dann jammen wir eine Weile und nehmen am Schluss das heraus, das am meisten verspricht.« Wichtig sei, dass man es als Band immer zusammen machen müsse. »Denn wenn dann etwas Magisches passiert, dann machen wir es zusammen, als Band.«

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