12. Mai 2019, 21:00 Uhr

Dresdner Kunstpreis für Schriftsteller Marcel Beyer

Elternabende sind für viele eine lästige Pflicht. Und schuld ist am Ende ja doch der Lehrer oder die Lehrerin. Oder? Doch was ist, wenn die Pädagogin plötzlich den Spieß umdreht und erzieherische Defizite offenlegt? Der Keller der Bad Vilbeler Wasserburg erwies sich als geeigneter Schauplatz für die amüsante Kurzkomödie »Frau Müller muss weg!«
12. Mai 2019, 21:00 Uhr
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Von DPA
Beyer

Der Schriftsteller Marcel Beyer (53) ist mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden ausgezeichnet worden. In seinem Roman »Kaltenburg« erfasse er den Charakter Dresdens in »außergewöhnlicher Weise«, teilte die Stadtverwaltung zur Entscheidung der Jury mit. Beyer bringe sich in den öffentlichen Diskurs ein, sei mit seiner Arbeit sehr präsent, wirke am aktuellen Geschehen mit und engagiere sich für die Stadt, hieß es zur Begründung weiter. Der Kunstpreis ist mit 7000 Euro dotiert und wurde am Samstag verliehen. Marcel Beyer wurde Baden-Württemberg geboren und lebt seit 1996 in Dresden. Er ist Lyriker, Erzähler und Romancier, Hörspiel-Autor und Opern-Librettist, Essayist und Herausgeber. 2016 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis verliehen, der als höchste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum gilt. Im Januar wurde er mit dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen ausgezeichnet. (Foto: dpa)

Auch mit fast 80 Jahren bleibt Harvey Keitel seiner Parade-Rolle als Mafioso treu. In dem Mafia-Thriller »The Irishman« schlägt er an der Seite von Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci in der Rolle des Italo-Gangsters Angelo Bruno zu, als Boss eines Mafia-Clans in Philadelphia. Die Netflix-Produktion ist im Kasten, in diesem Herbst soll sie in die Kinos kommen. Es ist der sechste gemeinsame Spielfilm mit Altmeister Martin Scorsese, nach Klassikern wie »Hexenkessel«, »Taxi Driver« und »Die letzte Versuchung Christi«.

Keitel, der am heutigen Montag 80 Jahre alt wird, ist seit mehr als 50 Jahren im Geschäft. Und das hat er auch Scorsese mit zu verdanken. Eine Zeitungsanzeige brachte sie zusammen. Als junger Schauspieler habe er 1967 auf eine Annonce des damals unbekannten Regie-Studenten Scorsese geantwortet. Der suchte Darsteller für seinen ersten Spielfilm »Wer klopft denn da an meine Tür?«, erzählte Keitel 2016 auf dem Filmfest in Locarno, wo er mit dem »Lifetime Achievement Award« für sein Lebenswerk geehrt wurde. »Nach einigen Vorsprechproben habe ich die Rolle bekommen«.

Keitel hatte anscheinend einen guten Riecher für angehende Regietalente. Er spielte auch die Hauptrolle in Ridley Scotts Erstlingsfilm »Die Duellisten« (1977) und in Quentin Tarantinos Debüt »Reservoir Dogs - Wilde Hunde«, da gab er den kaltblütigen Gangster Mr. White. Tarantino holte ihn auch für seine Blutorgie »Pulp Fiction« vor die Kamera. Über Jahrzehnte war er in Hollywood abonniert auf Rollen von bestechlichen Polizisten, fiesen Verbrechern und gewalttätigen Männern. Keitels Gesicht schien perfekt: knorrig, verwittert, breite Nase, der Blick oft grimmig.

Er kann auch anders: In der Romanze »Das Piano« trat Keitel in einer seltenen Liebhaberrolle auf und zeigte, wie wandlungsfähig er ist. Melancholisch gab Keitel sich an der Seite von Michael Caine in dem Film »Ewige Jugend« des italienischen Oscar-Preisträgers Paolo Sorrentino.

Keitel kam 1939 in New York zur Welt. Sein Vater stammte aus Polen, seine Mutter aus Rumänien. Nachdem er den Militärdienst absolviert und die unterschiedlichsten Jobs übernommen hatte, studierte er am Actors Studio von Lee Strasberg in New York. In Dutzenden Rollen stand er auf Bühnen, dann spielte er am Broadway in Stücken von Arthur Miller und Sam Shepard, und schließlich bei Martin Scorsese.

Einen Oscar hat er nie gewonnen. Nur einmal war Keitel für Hollywoods höchsten Preis nominiert - 1992 in der Rolle des Gangsters Mickey Cohen in dem Mafia-Film »Bugsy«. (Foto: dpa)

Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste - selbst wenn diese es gar nicht verdient haben. In der Klasse von Frau Müller führt das dazu, dass die Erziehungsberechtigten die Lehrerin absägen möchten, da sich die meisten Schülerinnen und Schüler im aktuellen Halbjahr offenbar deutlich verschlechtert haben. Und das ausgerechnet vor dem Zeugnis, mit dem die Entscheidung für oder gegen den Gang aufs Gymnasium fällt. Dass der Nachwuchs daran selbst Schuld tragen könnte, wird nicht in Betracht gezogen. Stattdessen macht sich eine Abordnung auf den Weg mit der Absicht, die Pädagogin dazu zu bringen, selbst ihre Aufgabe ad acta zu legen.

Vermeintliche Einigkeit

»Frau Müller muss weg!« von Lutz Hübner und Sarah Nemitz kam 2010 zur Uraufführung. Bekannter wurde die Komödie durch Sönke Wortmanns Verfilmung fünf Jahre später. Das aus dem Leben gegriffene Kammerspiel eignet sich bestens für den Bad Vilbeler Burgkeller. Hierhin hat es Regisseur Ulrich Cyran für die traditionellen Festspiele entführt.

Sechs Darsteller sind dafür nur vonnöten, eine knappe Stunde nimmt sich der Routinier für die nachdenklich machende Handlung Zeit. Das genügt, um die Masken von den Gesichtern zu ziehen und nicht nur die Väter und Mütter bloßzustellen, sondern auch ihre Söhne und Töchter. Eine Ansammlung verzogener Gören - oder doch nur ganz normaler Kleine? Unter denen aber selbst Musterschüler Fritz seine Mutter Katja (Barbara Dussler) nicht sorgenfrei lässt. In vermeintlicher Einigkeit gekommen, dividiert sich der Elternausschuss schnell auseinander. Spätestens als einige von ihnen Hinweise darauf haben, dass ihre Sprösslinge vielleicht doch nicht so hoffnungslos dastehen, gibt es Rückzieher.

Frau Müller, von Kristine Walther überzeugend dargestellt, ist kurzzeitig verschwunden. Bei ihrer Rückkehr voller Selbstkritik will die Mehrheit sie plötzlich zum Bleiben bewegen.

Das von Dorothea Mines entworfene Bühnenbild unterhalb des Gewölbes beschränkt sich auf ein paar Bänke in unterschiedlichen Höhen, auf denen hoch und runter geklettert wird, die aber wie in der Politik die Parteien auch örtlich voneinander separieren.

Zudem gibt es eine große zweigeteilte Tafel, auf der der mit Kreide aufgemalte Stücktitel kurz vor dem ersten Auftritt der Verteufelten noch schnell in »Müll muss weg!« verkürzt wird.

Irritierende Einlagen am Rande

Die sehr realitätsnahe Geschichte würde pur vorgetragen für einen netten Abend genügen. Eingebaute Tanzeinlagen zu »Staying Alive« oder auch ein Affe, der im Hintergrund herumwerkelt, irritieren eher und unterbrechen den turbulenten Schlagabtausch. Gleiches gilt für eine eingebaute Liebesgeschichte. Doch ohne die geht es im Theater meist nicht.

Venedig (dpa). Sechs Monate lang ist Venedig wieder das Zentrum für zeitgenössische Kunst. Zum Auftakt der 58. Kunst-Biennale am Wochenende wurden in der italienischen Lagunenstadt Künstler für Werke ausgezeichnet, die den Zustand der Gesellschaft kommentieren.

Für eine zeitkritische Oper an einem künstlichen Strand ging der Goldene Löwe für den besten nationalen Beitrag an Litauen. Der US-amerikanische Filmemacher Arthur Jafa wurde als bester Künstler geehrt. Deutsche Künstler gingen leer aus. Die Biennale gilt neben der Documenta in Kassel als wichtigste Kunstausstellung und läuft bis zum 24. November.

Aus der Drohnenperspektive

Mit »Sun & Sea (Marina)« eines litauischen Künstlerinnen-Trios - bestehend aus Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte - gewann zum zweiten Mal in Folge eine Performance bei der Kunst-Biennale. 2017 räumte die deutsche Künstlerin Anne Imhof mit ihrem Werk »Faust« den Hauptpreis ab.

Für die Oper wurde das Erdgeschoss eines alten Marinegebäudes im Herzen Venedigs in einen Strand verwandelt. Dort verbringen ziemlich gewöhnliche Leute ihre Freizeit. Die Biennale-Besucher beobachten das Treiben vom ersten Stock aus und sehen es wie aus einer Drohnenperspektive: Kinder rennen mit Eis in den Händen über den Sand, eine Frau cremt ihrem Mann seinen empfindlichen Rücken ein. Eine fröhliche Szene, deren Inhalt zum Nachdenken anregt.

Die Strandbesucher singen - über ihren Stress bei der Arbeit, das sich verändernde Klima, die Angst vor der eigenen Endlichkeit und dem Artensterben. »Ich weinte so sehr, als ich erfuhr, dass es die Korallen nicht mehr geben wird«, trägt ein Mädchen vor. Andere mäkeln über rücksichtslose Strandbesucher oder sinnieren über die vielen Orte, die sie auf der Welt schon gesehen haben. »In diesem Stück ziehen wir eine Linie zwischen der Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers und der Zerbrechlichkeit des Körpers der Erde«, sagte Szenographin Barzdziukaite. Das Werk sei eine »Kritik an der Freizeit und an unserer Zeit«, sagte die Direktorin des Berliner Martin-Gropius-Baus, Stephanie Rosenthal, die in diesem Jahr die Jury leitete. Am Eröffnungswochenende mussten Besucher für den Gewinner-Beitrag teils stundenlang im Regen Schlange stehen.

Einen politischen, aber durchaus eigenwillig daher kommenden Beitrag gibt es im deutschen Pavillon. Die Künstlerin mit dem Kunstnamen Natascha Süder Happelmann verwandelte den wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstrittenen Bau in ein »Ankersentrum« (tatsächlich mit s und nicht z geschrieben): Die multimediale Sound- und Rauminstallation setzt sich mit Migration, Integration, Ein- und Abgrenzung und Fragen des Zusammenlebens auseinander.

Für Gesprächsstoff sorgte das Wrack eines Bootes, das im April 2015 im Mittelmeer verunglückt war und das der Schweizer Künstler Christoph Büchel nach Venedig brachte. Bei dem Unglück starben schätzungsweise 800 Migranten. Ist das Kunst? Eine einheitliche Antwort auf die Frage gibt es nicht. Ein Mahnmal aber ist es allemal.

Das Höhlen-Erlebniszentrum bei Bad Grund (Landkreis Göttingen) wird mit Millionenaufwand ausgebaut. Das Museum mit rund 70 000 Besuchern im Jahr platze aus allen Nähten, sagte ein Sprecher des Landkreises. Die Ausstellungsräume sollen deshalb bis Ende 2021 für knapp fünf Millionen Euro erweitert und modernisiert werden.

Hauptattraktion des 2008 eröffneten Museums ist die älteste Großfamilie der Welt. Bisher wurden mithilfe von DNA-Analysen mehr als 60 Clanmitglieder ermittelt, die vor rund 3000 Jahren in einer Höhle im Harzvorland bestattet wurden. Die Köpfe von drei dieser Menschen wurden nach kriminaltechnischen Methoden plastisch rekonstruiert.



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