22. März 2017, 19:25 Uhr

Die Kelly Family ist zurück

Kaum eine Band wurde in den 1990er Jahren gleichzeitig so geliebt und gehasst wie die Kelly Family. Jetzt ist die Band zurück – und Angelo Kelly erklärt im dpa-Interview, warum sich heute alle mehr Mühe geben müssen.
22. März 2017, 19:25 Uhr
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Von DPA
Lange her: Paddy, Mitglied der Kelly Family, präsentiert am 10. Februar 1998 die Goldene Kamera, die der Band bei einer Gala in Berlin verliehen wurde. In der Mitte Angelo, der sich nun in einem dpa-Interview zum Comeback der Band äußert, rechts John Kelly. (Foto: dpa)

Angelo Kelly (35) lebte eine Kindheit im Rampenlicht, war in den 1990er Jahren eines der großen Teenie-Idole. Im Musikvideo zu »An Angel« sang er mit glockenheller Stimme und Engelslocken. Jahrelang gingen seine Geschwister und er danach getrennte Wege – bis jetzt: Die Kelly Family wagt ein Comeback. Das neue Album »We Got Love« mit vielen alten Hits erscheint morgen. Im Interview erinnert sich Angelo Kelly an den großen Erfolg und erklärt, warum er sich heute beim Singen mehr Mühe geben muss als damals.

Wie fühlt es sich denn an, nach so vielen Jahren wieder mit den Geschwistern zusammenzuarbeiten?

Angelo Kelly: Es ist ein tolles Gefühl. All die Jahre war der Wunsch da, aber es ist immer daran gescheitert, dass man zu viel auf einmal wollte. Indem wir uns ein kleineres Ziel vorgenommen haben und erst mal ein Konzert zusammen machen wollen, war das eher fassbar für alle. Alle sahen noch nebeneinander Luft für andere Projekte. Da entstand dann mehr und mehr Vertrauen – und auch der Wunsch nach mehr. Dass das Konzert dann so schnell ausverkauft war, hat uns völlig überrascht. Damit haben wir nicht mehr gerechnet.

Warum nicht?

Kelly: Weil es so lange her ist. Man wusste ja nicht, ob die Kelly Family noch zeitgemäß ist. Wir haben den starken Wunsch gehabt, dieses Kelly-Family-Erlebnis wieder zu haben. Dass wir damit nicht alleine sind, dass viele Menschen da draußen auch dieses Verlangen haben, da konnten wir uns ja nicht sicher sein.

Was machen Sie als Band heute anders als vor 20 Jahren?

Kelly: Ich singe nicht mehr wie mit zwölf und wir sehen auch nicht mehr so knackig aus. Wir müssen heute besser singen, damit das nicht auffällt.

Entdecken Sie alte Gruppendynamiken wieder? Oder ist alles neu?

Kelly: Am Anfang ging es um ein Herantasten und darum, zu schauen, wie es ist. Aber als wir das erste Mal zusammen in einem Kreis standen und zusammen gesungen haben in diesem typischen Kelly-Chor, da war es so, als wäre nichts gewesen. Der Chor stand nach 20 Jahren da wie eine Eins. Das ist einfach in der DNA drin und das kriegt man nicht weg. Es ist natürlich in der Zusammenarbeit nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Mit manchen bin ich auf die Bühne zurückgekehrt, weil ich sie privat sehr mag, mit anderen ist der Kontakt nicht so intensiv. Was uns alle verbindet, ist, dass wir erwachsen geworden sind.

Wie war der Kontakt zu Ihren Geschwistern vor dieser Wiedervereinigung?

Kelly: Es war sehr unterschiedlich. Ich habe mit manchen meiner Geschwister erst ohne die Musik eine viel engere Beziehung aufgebaut – mit anderen war es umgekehrt. Wenn man nicht mehr jeden Tag auf engstem Raum zusammenhockt, merkt man erst, wie nah man sich wirklich steht. Mit Jimmy hatte ich zum Beispiel jahrelang keinen Kontakt – und jetzt einen sehr engen. Mit Joey hatte ich immer engen Kontakt.

Wie sehr hat sich die Branche verändert seit Ihren Erfolgen in den 1990er Jahren?

Kelly: Die Branche hat sich definitiv verändert, aber es hat auch einiges überlebt. Es gibt immer noch Bands, die von einer Platte eine Million Exemplare verkaufen. Vor zehn Jahren hätte man gedacht, dass alles einfach den Bach runtergeht. Aber es hat sich relativ positiv entwickelt. Unsere Verbindung mit den Medien ist heute ganz anders. Wir haben damals nur die »Bravo« reingelassen. Auch das war ein Fehler, weil wir dann irgendwann nur noch eine Teenie-Band waren. Das lernt man dann auf die harte Tour.

Welche Fehler wurden denn gemacht?

Kelly: Ein Fehler war bestimmt, dass wir über viele Jahre durchweg jedes Jahr eine Platte rausgebracht haben. Wir haben keine Pause gemacht und haben uns selber damit komplett fertiggemacht – körperlich und geistig. Und wir haben den Markt so übersättigt, dass die Leute schon keine Lust mehr auf die Kelly Family hatten.

Finden Sie es rückblickend schade, Ihre Kindheit im Rampenlicht verbracht zu haben?

Kelly: Ich habe es selber nicht als negativ empfunden und auch nicht als Jackson Five oder so. Im Großen und Ganzen war ich sehr glücklich. Und als es Mitte der 90er zu viel wurde, da hat das auch unseren Vater überfordert. Das war ein Tornado.

Sind Sie traurig, dass Paddy und Maite beim Comeback nicht dabei sind?

Kelly: Wir haben vor zwei Jahren begonnen, über eine Reunion zu reden. Für Joey war immer klar, dass er das gerne machen würde. Bei Paddy und Maite hat das gewechselt. Hätte man mich vor fünf, sechs Jahren gefragt, hätte ich vielleicht auch Nein gesagt. Aber wir wollten keine weiteren vier, fünf Jahre ins Land ziehen lassen, bis die Pläne konkret werden.

Sie haben inzwischen selbst fünf Kinder, mit denen Sie auch Musik machen und auf der Bühne stehen. Eine Kelly Family II?

Kelly: Ich mache schon einiges anders. Von außen betrachtet hat man bei mir natürlich den größten Déjà-vu-Effekt. Natürlich gibt man vieles weiter, was man schon kennt. Aber man hat meine Kinder nicht jede Woche in der »Bravo« gesehen. Erst vor anderthalb Jahren gab es das erste Pressebild. Ich habe das ganz langsam, peu à peu, gemacht. Ich hab als Kind gerne mal ein paar Hundert Konzerte im Jahr gegeben, aber für unsere Kinder haben wir das definitiv reduziert.

»An Angel«, einer der größten Kelly-Hits, wurde vor allem wegen Ihrer glockenhellen, vorstimmbrüchlichen Stimme zum Erfolg. Kriegen Sie das heute noch hin?

Kelly: Auf der neuen Platte singe ich das mit meiner Tochter Emma. Das klingt wie ein Marketing-Gag, aber wir saßen an Weihnachten auf dem Sofa und ich hab das meinen Kids vorgespielt – dann hat Emma das gesungen und ich war total gerührt. Das hat mir Gänsehaut gegeben.



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