05. März 2017, 18:58 Uhr

Das Weiße Haus explodiert

05. März 2017, 18:58 Uhr
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Von DPA
Donald Trump ist überall: Bettina Lieder und Andreas Beck räumen nach der Wahlparty auf. (Foto: dpa)

Die Wahlparty ist längst vorbei: Luftschlangen, USA-Fähnchen und Salzstangen-reste liegen auf den Tischen, an denen die Zuschauer im Theater Dortmund stehen. Auf der Leinwand sieht man Standbilder des Weißen Hauses, das irgendwann während des Abends explodiert ist. Wann genau hat man aber nicht mitgekriegt.

Ungefähr dieses Gefühl haben viele Menschen, wenn es um den neuen US-Präsidenten Donald Trump geht. Deshalb hat Kay Voges vom Theater Dortmund nach Trumps Wahl in kürzester Zeit Mike Daiseys zorniges Erklärstück »The Trump Card« übersetzen lassen und in seinen Spielplan gehoben. Unter dem schlichten Titel »Trump« will es herleiten, wie dieser Mann so weit kommen konnte und ob dafür eigentlich ausschließlich die Konservativen verantwortlich sind.

Im Original ist es ein Monolog von einem Schreibtisch aus. In Dortmund springen eine Blondine im lila Cocktailkleid (Bettina Lieder) und ein korpulenter Anzugträger (Andreas Beck) in den Überresten der Wahlparty herum und räumen auf. Sie bringen Luftballons zum Platzen, reißen Girlanden herunter, räumen die Tische leer und erklären ihrem Publikum dabei, wie es so weit kommen konnte. Sie beginnen, wie Daisey im Original, mit einer empathischen Rede: »Wir, meine Freunde, wir alle stecken voll in der Scheiße.«

Sie erzählen zum Beispiel, wie Trumps Vater Fred zu seinen Millionen kam: »Er baute beschissene Gebäude und stopfte sie mit Leuten voll.« Oder wie Donald in dem Bewusstsein aufwuchs, nur ein Gewinner sein zu können und Vaters Imperium weiterzuführen. Am Ende bleibt eine schlüssige Gesamtschau des Phänomens Trump. Besonders wichtig ist es dem Ensemble zu zeigen, wie die politische Linke es vergeigt hat, Trump zu stoppen.

Dieser Abend bringt nach all der Trump-Berichterstattung keine bahnbrechend neuen Erkenntnisse. Wie Autor Daisey die vielen Tweets und Informationsschnipsel aber zu einem Ganzen fügt, beweist seine langjährige Beschäftigung mit der Marke Trump und sein Verständnis für sie. Daisey ist ein künstlerischer Aktivist ähnlich wie der Filmemacher Michael Moore. Wie bei dessen Meinungsfilmen kann man hier sagen: schön, dass das mal jemand so rasant zusammenfasst.

Die Dortmunder Dramaturgin und Übersetzerin Anne-Kathrin Schulz hat den Text schonend aktualisiert und »dahingehend gekürzt, wie politischer Populismus funktioniert«, wie Regisseur Marcus Lobbes erklärt. Aber es solle darüber hinaus auch ein ansprechender Theaterabend sein. Das gelingt Lobbes vor allem durch ein wirksames Bühnenbild, das deutlich ist, aber vieldeutig bleibt – und durch die Schauspieler Beck und Lieder, die ihre Erläuterungen sympathisch und unverkrampft beiläufig abliefern. Fabian May



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