20. Oktober 2017, 18:49 Uhr

Bond meets Shatterhand

Was verbindet James Bond, 007, mit Old Shatterhand? Ian Flemings Agent und Karl Mays literarisches Alter Ego? Auf den ersten Blick nichts. Doch wie so oft: Mit dem Zweiten sieht man besser. Tatsächlich gibt es Parallen und Querverbindungen in Filmen und Romanen.
20. Oktober 2017, 18:49 Uhr

Daniel Craig (Foto links) wird also wieder in die Rolle des Agenten mit der Doppelnull schlüpfen. Die erfolgreichste Filmserie der Welt erlebt 2019 ihr Jubiläum mit dem 25. Streifen um den britischen Agenten James Bond. Doch halt, spielt Craig tatsächlich 007? Der Arbeitstitel heißt »Shatterhand«. Und das ist unverkennbar der Ich-Held Karl Mays. Der smarte Daniel als Winnetous Blutsbruder?

Nein, natürlich nicht. Bond jagt diesmal einen blinden Widersacher. Dem Film zugrunde liegt der von Raymond Benson geschriebene Bond-Roman »Never dream of dying«. Er soll aber auch Motive aus Flemings Originalromanen »Man lebt nur zweimal« und »Im Geheimdienst Ihrer Majestät« verwenden, die schon einmal 1967 und 1969 verfilmt wurden.

Im »Zweimal«-Roman verbirgt sich im englischen Buchoriginal Bonds Erzrivale Ernst Stavro Blofeld hinter dem Pseudonym Dr. Guntram Shatterhand (in der deutschen Version Guntram Martell). Ob Ian Fleming durch den Namen eines Hamburger Cafés, das er einmal besucht haben soll, zu dem Alias des Schurken inspiriert wurde oder Karl May gelesen hat?

Immerhin: Flemings Agent erblickte 1962 in »James Bond jagt Dr. No« das Licht der Leinwand. Im selben Jahr, als Lex Barker († 1973) erstmals im Lederwams und an der Seite von »Winnetou« Pierre Brice in »Der Schatz im Silbersee« die damals jugoslawischen und heute kroatischen Prärien durchstreifte. Kroatien ist übrigens als Drehort für den neuen Bond im Gespräch.

Bond und Karl May lockten in den 1960er Jahren zig Millionen in die Kinos. Die märchenhaften May-Filme »Silbersee« und »Winnetou 1. Teil« waren zunächst sogar erfolgreicher als die 007-Auftritte in »Dr. No« und »Liebesgrüße aus Moskau«. Erst mit »Goldfinger« (1964) setzte sich der Agent Ihrer Majestät stärker durch. Und während der britische Spion sich mehrfach wie eine Schlange häutete und mit wechselnden Darstellern bis heute aktuell ist, gingen Mays Blutsbrüder schon 1968 »Im Tal der Toten« filmisch in die ewigen Jagdgründe ein.

Bond und Shatterhand – zwei so unterschiedliche Figuren. Und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Beide sind übermenschliche Superhelden, eher Märchengestalten. Sie geraten immer wieder in die Gefangenschaft ihrer abgrundtief bösartigen Gegenspieler. Blofeld oder Santer: Den bekanntesten Schurken ist ihr Zynismus und ihre Menschenverachtung gemein. Immer wieder können sich die Helden befreien, um am Ende die Oberhand zu behalten. Der Schurke findet meist einen grauenvolles Ende. Und natürlich kommen beide Serien nicht ohne den Opfertod für den Helden aus: Nscho-tschi und Winnetou bei May, das durch einen Goldüberzug erstickte Mädchen oder Bonds Kurzzeitfrau Tracy bei 007.

Wunderwaffen und Pferdestärken

Nicht zu vergessen: die Wunderwaffen. Mays Held ist seinen Gegnern mit einen 25-schüssigen Fantasie-Henrystutzen und einem kanonenartigen Bärentöter überlegen. Bond verfügt bei jedem Leinwandauftritt über ein ganzes Arsenal ungewöhnlicher Verteidigungsmittel. Auch in der Fortbewegung geben sich die beiden nicht mit Kleinigkeiten ab. Mays Held reitet auf den unübertrefflichen Rappen Hatatitla und Rih – Bond braust im waffenbestückten Aston Martin oder Lotus durchs Geschehen.

Grundverschieden allerdings die Charaktere: Old Shatterhand löst Konflikte möglichst mit friedlichen Mitteln, verlässt sich mehr auf seine Schmetterhand als auf Revolver und Messer und überlässt die Bestrafung des Bösewichts oft einem Gottesgericht.

Flemings geschniegelter Held dagegen hat die Lizenz zum Töten, die er auch oft lustvoll nutzt. In »In tödlicher Mission« (1981) tritt er den an einer Bergkante festhängenden Mercedes samt Schurken vollends in den Abgrund und kommentiert das mit: »Er war schon vorher sehr heruntergekommen!«

Mit solchen Zynismen und Grausamkeitenen gehörte 007 schon besser in die späten Sechzigerjahre als Mays Märchenheld. Die wurden auf dem Höhepunkt ihres filmischen Wirkens 1964/65 schon zunehmend durch die deutlich brutaleren und blutigeren Italo-western in die Defensive und schließlich ins Tal der Toten gedrängt.

James Bond hat überlebt – weil er immer modernisierbar war und ist. Der mehr oder weniger gescheiterte RTL-Winnetou-Dreiteiler zu Weihnachten 2016 unterstreicht das nochmals deutlich. (Fotos: dpa/Archiv)

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