20. Oktober 2017, 18:29 Uhr

Auf dem Highway ist die Hölle los

20. Oktober 2017, 18:29 Uhr
Obelix gibt dem Wagen Zunder. (Foto. Egmont Ehapa Verlag/dpa)

Obelix ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Das Hinkelsteingeschäft wird immer komplizierter. Neuheiten machen ihm das Leben schwer – zum Beispiel der ultraleichte Bims vom Vesuv. Da kommt ihm eine Wahrsagerin gerade recht, die in ihm einen erfolgreichen Wagenlenker sieht. Zeit also, über einen Berufswechsel nachzudenken. Ziel: der Gewinn des neu ins Leben gerufenen Rennens von Monza bis Neapel, veranstaltet von der Römern.

Es ist also angerichtet für »Asterix in Italien«, den mittlerweile 37. Band der erfolgreichen Comic-Reihe um die beiden Gallier Asterix und Obelix, der seit wenigen Tagen in den Läden steht. Die ursprünglichen Väter der Helden sind Autor René Goscinny (1977 gestorben) und der Zeichner Albert Uderzo, seit ein paar Jahren in künstlerischer Rente.

Deprimierte Normannen

Ihre Nachfolger heißen Jean-Yves Ferri (Texte) und Didier Conrad (Zeichnungen), die mit »Asterix in Italien« ihren dritten gemeinsamen Band vorlegen. Und das mit Bravour. Gingen sie mit »Asterix bei den Pikten« noch auf Nummer sicher, schwammen sie sich mit »Der Papyrus des Cäsar« frei. Der neue Band ist die gelungene Fortführung dieser Entwicklung. Ferri und Conrad sind im Asterix-Universum angekommen.

Senator Bifidus ist in der Bredouille. Die Straßen rund um Rom sind marode. Um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, veranstaltet er ein Wagenrennen, um alle von der tadellosen Infrastruktur zu überzeugen. Und so kommen alle. Nicht nur die Gallier, sondern auch die Briten, die Piraten, die Goten, die Lusitaner, die Normannen, zwei Prinzessinnen aus einem fernen Königreich – und der römische Favorit Caligarius, der sein Gesicht hinter einer Maske verbirgt.

Ferri und Conrad haben ein ganzes Sammelsurium an herrlichen Charakteren am Start. Die Lusitaner beispielsweise, die ständig an ihrem Wagen herumwerkeln, oder der Normanne, der von der landschaftlichen Schönheit Italiens so deprimiert ist, dass er in Tränen ausbricht. Da hilft nur ein Versprechen seines Co-Piloten: Gleich nach dem Rennen werde man mal wieder so ordentlich plündern und brandschatzen. Das trocknet selbst die Tränen des traurigsten Kriegers... Obelix, Hinkelstein-Lieferant und ewiger Sidekick des Helden Asterix, schlüpft im 37. Band in die Hauptrolle. Er ist Wagenlenker mit Herz, der für ein gebratenes Wildschwein alles stehen und liegen lässt – auch Wagen und Co-Pilot Asterix.

Die Figuren sind dynamisch gezeichnet, die Dialoge witzig, die Anspielungen auf das aktuelle Weltgeschehen halten sich in Grenzen. Das Abenteuer erinnert an die »Tour de France«, den sechsten Band der Reihe aus dem Jahr 1970. Es geht um regionaltypische Eigen- und Besonderheiten, die damals wie auch heute mit viel Charme und Humor transportiert werden. Dazu tragen, und das ist Tradition, auch die köstlichen Namen der Figuren bei – ob Rechnungsprüfer Quartalsabschlus, Autohändler Erlkönix oder Zahnarzt Bioetix.

Im Mittelpunkt stehen die Schönheit Italiens und einige herausragende Persönlichkeiten des Landes. Selbstverständlich sehr subjektiv ausgesucht. So glaubt man die Mona Lisa auszumachen, ein Wirt erinnert stark an Luciano Pavarotti. Auch Sophia Loren und Bud Spencer werden im Comic-Stil verewigt. Es geht um Pizza, Pasta, Schinken, und Wein – und um Garum, eine Würzsoße der antiken römischen Küche. Der zwielichtige Garum-Produzent, gleichzeitig Sponsor des Wagenrennens, ähnelt sehr einem früheren italienischen Ministerpräsidenten. Ob der »Cavaliere« wohl mit dieser Darstellung einverstanden ist?

Ferri und Conrad haben mit »Asterix in Italien« ein wirklich gelungenes Abenteuer geschaffen, das nicht umsonst an den Klassiker »Tour de France« erinnert. Nur ab und zu geht den beiden »Asterix«-Chefs die Luft aus. Etwa wenn Obelix einen Vulkanausbruch mit einem... – aber lesen Sie selbst. Ansonsten geht es wie immer nicht nur um die großen Konflikte, sondern auch um alltägliche Probleme. Oder wie es die Frau des Senators ausdrückt: »Wo läufst du hin? Die Orgie wird kalt.« Gerd Chmeliczek

Jean-Yves Ferri, Didier Conrad: Asterix in Italien; Egmont Comic Collection; 48 Seiten; 6,90 Euro, gebundene Ausgabe 12 Euro, ISBN 978-3-7704-4037-5.

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