Kultur

Abschied auf Raten

Er sei glücklich, noch Chefdirigent der Berliner Philharmoniker zu sein, freue sich aber auch, demnächst eine neue Etappe seines Künstlerlebens zu beginnen: Bei seiner letzten Programmpräsentation in Berlin hat Sir Simon Rattle (62) gestern seinen Abschied von dem Spitzenorchester eingeläutet. Noch eine Spielzeit – dann verlässt der Brite nach 15 Jahren die Philharmoniker. »Eine wunderbare, aufregende Zeit« gehe dann zu Ende, sagte er vor Journalisten.
03. Mai 2017, 18:44 Uhr
DPA
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Sir Simon Rattle

Er sei glücklich, noch Chefdirigent der Berliner Philharmoniker zu sein, freue sich aber auch, demnächst eine neue Etappe seines Künstlerlebens zu beginnen: Bei seiner letzten Programmpräsentation in Berlin hat Sir Simon Rattle (62) gestern seinen Abschied von dem Spitzenorchester eingeläutet. Noch eine Spielzeit – dann verlässt der Brite nach 15 Jahren die Philharmoniker. »Eine wunderbare, aufregende Zeit« gehe dann zu Ende, sagte er vor Journalisten.

Doch auch danach wolle er gelegentlich als Gastdirigent das Orchester leiten. »Auf jeden Fall«, erklärte Rattle auf eine entsprechende Frage. Es sei ein großes Glück, ein Orchester wie die Philharmoniker dirigieren zu dürfen. »Das Gefühl für Sound und Klangfarben, die Liebe, ja die Passion für die Musik«, seien einmalig. Leicht sei die Arbeit aber nicht immer gewesen. »Niemand behauptet, dass es ein einfaches Orchester ist«, sagte er.

Rattle startet im September neben seiner letzten Berliner Saison auch als Chefdirigent beim London Symphony Orchestra und wird in dieser Zeit zwischen beiden Städten pendeln. In der Saison 2018/19 wird das Orchester ohne Chef spielen.

Im Jahr 2019 übernimmt dann Kirill Petrenko, Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, den Spitzenposten. Er sei glücklich, dass das Orchester Petrenko zu seinem Nachfolger gewählt habe, meinte Rattle: »Ein großartiger Mensch und wunderbarer Musiker.«

In London erwartet den 62-Jährigen dann aber nicht nur Freude. Sein Land stehe vor »der Katastrophe« des Brexit, äußerte Rattle. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit irgendetwas besser wird.«

Bei seinem letzten Konzert in der Philharmonie als Chefdirigent wird der Brite am 19. Juni 2018 mit Gustav Mahlers 6. Sinfonie zu den Anfängen seiner Berliner Zeit zurückkehren. Bei seinem Antrittskonzert 2002 hatte Rattle Mahlers 5. Sinfonie mit den Philharmonikern aufgeführt.

In der Spielzeit 2017/18 wird Rattle 52 Konzerte und acht Opernaufführungen dirigieren, unter anderem Joseph Haydns »Schöpfung«, ein Werk, dass er als einziges auf die sprichwörtliche »einsame Insel« mitnehmen würde.

Mit dem britischen Regisseur Peter Sellars plant Rattle eine halbszenische Präsentation der Oper »Das schlaue Füchslein« von Leoš Janacek.

Zu den Gastdirigenten gehören in der kommenden Spielzeit Christian Thielemann, Zubin Mehta, Seiji Ozawa, Bernard Haitink und Mariss Jansons. Rattle wird auch als Pianist zu Olivier Messiaens »Quatuor pour la fin du temps« spielen.

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