13. September 2017, 17:27 Uhr

Gauner auf Beutezug

13. September 2017, 17:27 Uhr
Die Brüder Bang, und ihnen voran Joe Bang (Daniel Craig, r.), werden für einen riskanten Raubzug angeheuert. (Foto: dpa)

Eigentlich hatte Steven Soderbergh den Lichtspielhäusern Adieu gesagt. Es ist über vier Jahre her, dass sich der renommierte US-Regisseur (»Ocean’s Eleven«), dessen Karriere 1989 mit »Sex, Lügen und Video« begann, öffentlich von der großen Leinwand verabschiedete. Der heute 54-Jährige wollte sich dem Fernsehen widmen. In seiner Kino-Auszeit arbeitete Soderbergh an TV-Serien wie etwa »The Knick«. Nun aber der Rücktritt vom Rücktritt.

Soderbergh, der zu den ganz wenigen amerikanischen Filmemachern gehört, denen es immer wieder gelingt, die Stärken eines breitenwirksamen Hollywoodkinos mit den Vorteilen des kleinen, unabhängigen US-Films zu vereinen, kehrt auf die große Kinoleinwand zurück. Dass er sich dabei von so starken Schauspielern wie James-Bond-Darsteller Daniel Craig, Channing Tatum (»Magic Mike«) und Adam Driver (»Star Wars: Das Erwachen der Macht«) flankiert weiß, macht die Rückkehr leichter.

Im Mittelpunkt von »Logan Lucky« stehen die beiden Brüder Jimmy (Tatum) und Clyde (Driver). Beide haben es nicht leicht; immer wieder ist im Film von einem Fluch die Rede, der auf der Familie aus West Virginia laste. Während Jimmy – für dessen Darstellung Tatum einige Kilo zunehmen musste – getrennt von seiner Frau lebt und sich in finanzieller Hinsicht mehr schlecht denn recht behauptet, büßte Clyde bei einem Einsatz im Irak gar einen Großteil des linken Armes ein. Der Barkeeper trägt seither eine Prothese, die noch eine Rolle spielen soll in diesem bunten Gaunerstück voller Wendungen und Überraschungen.

So misslich die Lage aber auch ist, irgendwie geht es für die Logans immer weiter. Jimmy zudem verfällt auf eine, zunächst völlig verrückt und gänzlich unrealisierbar anmutende Idee: Ausgerechnet bei einem der größten Autorennen der Vereinigten Staaten will Jimmy zuschlagen, es geht um einen unterirdischen Tresor, in dem die Tageseinnahmen gesichert werden. Alleine freilich mag das zwar entschlossene, jedoch leicht naive Brüderpaar nicht agieren, fachmännischen Beistand holt man sich schließlich bei einem berühmt-berüchtigten Safeknacker (Craig).

»Logan Lucky« ist ein Film mit vielen Stärken. Einen guten Teil seiner Anziehungskraft verdankt er dem wunderbaren Darsteller-Ensemble. Tatum versteht es, als ehemaliger Football-Star, der sich nach einer Verletzung mit Jobs durchschlägt und rührend mit seiner Tochter umgeht, für sich einzunehmen. Driver empfiehlt sich nach seinem grandiosen Spiel in Jim Jarmuschs »Paterson« endgültig als Jungmime Nummer eins für skurrile Auftritte in US-Streifen.

Der Regisseur indes unterstreicht mit »Logan Lucky« nicht nur, dass er sich auf Schauwerte und pointierte Dialoge versteht. Er ist auch ein ungemein schlauer Filmemacher. »Logan Lucky« auch das mehr oder weniger versteckte Porträt eines so autoverrückten wie patriotischen, eines vermeintlich Trump-affinen Amerika ist. Soderbergh, der Intellektuelle, aber führt das vermeintlich rückständige Donald-Trump-Amerika zu keiner Sekunde vor. Das wäre zu einfach, zu wohlfeil. Einen so quietschbunten, so eingängigen wie zugleich sehr klugen Film jedenfalls findet man selten im zeitgenössischen Kino. Soderberghs Rücktritt vom Rücktritt hat sich gelohnt.

»Logan Lucky« ist in Gießen (Kinopolis), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos) und Nidderau (Luxor Filmpalast) zu sehen.

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