01. November 2017, 18:56 Uhr

Erhofftes Paradies nicht gefunden

01. November 2017, 18:56 Uhr
Gauguin (Vincent Cassel) mit der jungen Tehura (Tuhei Adams). (Foto: dpa)

Azurblaues Meer, Sonne und üppige Tropenvegetation: Bilder, die Assoziationen von Glück und Paradies hervorrufen. Eine Idylle, nach der auch der französische Maler Paul Gauguin gesucht hat. Mit »Gauguin« wagt sich der französische Regisseur Edouard Deluc nicht nur an einen der bedeutendsten Künstler Frankreichs, sondern auch an eine entscheidende Periode seines Lebens, die nicht unumstritten ist. Die Filmografie verzaubert durch ihre Bilder, Leinwand-Star Vincent Cassel überzeugt, doch bleibt das Drama an der Oberfläche und blendet umstrittene Aspekte aus.

Deluc konzentriert sich auf den ersten Aufenthalt des Malers in Polynesien. Gauguin bricht 1891 in sein selbst erwähltes Exil auf. Der Künstler fühlt sich in seinem Heimatland unverstanden. Hinter ihm liegen schwere Zeiten. Seine spannungsreiche Beziehung mit Vincent van Gogh im südfranzösischen Arles, die mit einem Streit endet, bei dem sich der niederländische Maler ein Stück seines Ohrs abschneidet, finanzielle Schwierigkeiten, die Gauguin und seine Familie zum Umzug von Paris nach Rouen zwingen, weil das Leben dort günstiger ist.

Vor allem aber stößt sich der Wegbereiter der Moderne an den künstlerischen und gesellschaftlichen Konventionen. Auf der Suche nach dem Ursprünglichen, glaubt er sein Glück in einer Welt weit entfernt jeglicher Zivilisation zu finden. Auf Tahiti lernt Gauguin zwar die 13-jährige Tehura kennen, die er zu seiner Geliebten und Muse macht. Auch seine Bildsprache wird farbiger und erneuert sich. Doch das erhoffte Paradies findet er auch hier nicht. Krankheit und chronischer Geldmangel werden sein täglich Brot.

Sein erster Aufenthalt, auf den der Film den Fokus legt, dauert von 1891 bis 1893. Während dieses Aufenthalts begann Gauguin auch »Noa Noa« zu schreiben. Ein Buch, in dem Erlebtes und Erfundenes ineinander übergehen und das mehr dem Traum Gauguins von einer exotischen und glücklichen Welt entspricht als der Realität.

Bei seinem Film lehnt sich Deluc an Gauguins Werk an. Dabei hat er sich zu sehr von den beschönigenden Bildern des Malers beeinflussen lassen. Gauguin leugnet in seinem Buch nicht seine Enttäuschung über die Christianisierung und Kolonialisierung der Insel und der Bevölkerung. Doch bleibt er dabei immer auf Distanz. So wie Deluc. Dass der Regisseur mehr als hundert Jahre später damit auf heftige Kritik stößt, ist nicht verwunderlich.

Nach Tahiti geht es in Gießen (Kinocenter) und Marburg (Kammer).

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