17. April 2019, 18:47 Uhr

Einem Gemälde van Goghs entsprungen

17. April 2019, 18:47 Uhr
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Von DPA
Findet in der Malerei seine Berufung: van Gogh (Willem Dafoe). (Foto: DCM/dpa)

Ist das schon Wahnsinn oder noch Kreativität? Dem introvertierten wie exzentrischen Leben des niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853–1890) geht der amerikanische Regisseur Julian Schnabel mit seinem neuesten Film auf die Spur. Der 67-jährige Filmemacher, der selbst auch Maler ist, geht dabei gewohnt ruhig und gleichzeitig bildstark dem Seelenzustand van Goghs auf den Grund. Den scheinbar schmalen Grat zwischen Kreativität und Krankheit lässt Schnabel dabei allein durch die Bilder wirken. So läuft van Gogh (Willem Dafoe) in einer düsteren Szene durch ein Feld verdorrter Sonnenblumen, um an dessen Ende den perfekten Ort für ein licht- und farbgewaltiges Gemälde zu finden. Fast schon manische Szenen werden begleitet von kraftvoller, beinahe penetranter Klaviermusik, andere von sanfter Violinen-Klaviermusik umrahmt.

Fast jede Einstellung des Films scheint direkt einem Gemälde von Vincent van Gogh entsprungen: kräftige, goldene Farben, die Welt schimmert in Orange und Gelb. Und so wird das späte Leben van Goghs auch anhand seiner Bilder erzählt, die Entstehung der berühmten Sonnenblumen kommt dabei ebenso vor wie seine wirbelnd geschwungenen Landschaftsmalereien und holzschnitt-artigen Porträts.

Van Gogh versuchte sich als junger Mann erfolglos als Verkäufer, Lehrer und Prediger. Erst in der Malerei fand der naturliebende Niederländer seine Berufung. Er eignete sich sein Können weitgehend selbst an. Zu Lebenszeiten galt er als Sonderling und wurde finanziell unterstützt durch seinen Bruder Theo (Rupert Friend), der Kunsthändler war und dem er seine Bilder schickte. Ruhm und Reichtum erwuchsen daraus zu seinen Lebzeiten nicht. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Mittlerweile gilt sein künstlerisches Schaffen vor allem in seinen letzten Lebensjahren als prägend für den Impressionismus. Seine Werke sind Millionen Euro wert. Um das Leben des Malers ranken sich noch immer viele Gerüchte. Nicht eindeutig geklärt ist, warum er sich ein Ohr abschnitt, unter welchen Krankheiten er tatsächlich litt und ob er wirklich Selbstmord beging. Das filmische Porträt Schnabels gibt darauf bekannte und weniger bekannte Antworten.

»Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit« besticht dabei vor allem durch einen starken Willem Dafoe, der nicht nur wegen seiner Ähnlichkeit zu dem Maler überzeugt. Mit feiner Gestik und Mimik transportiert der 63-Jährige die großen Gefühlsregungen des körperlich und seelisch zunehmend leidenden Malers. Für seine herausragende Leistung gewann er 2018 beim Filmfest Venedig nicht nur die Auszeichnung als bester Schauspieler, sondern war in diesem Jahr auch für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Die Kamera ist dabei stets nah an van Gogh dran und nimmt dabei sowohl seine Perspektive als auch die seiner Gesprächspartner ein. Teilweise ist das Auge von der so geschaffenen, wackeligen Nähe durch die Handkamera fast schon überfordert. Gegen Ende des Films, wenn van Gogh im Grunde kaum noch Kontakt zur Außenwelt hat, zeigt dieses visuelle Mittel dagegen eindrucksvoll, in welcher entrückten eigenen Welt er zuletzt gelebt haben muss.

»An der Schwelle zur Ewigkeit« kommt mit wenigen Worten aus, der Film wirkt enorm durch seine Bilder – und durch ausgewählte Wortwechsel. So sagt van Gogh in einem Gespräch mit seinem Malerfreund Paul Gauguin (Oscar Isaac): »Ich will außer Kontrolle sein. Ich muss in einem fieberhaften Zustand sein. Je schneller ich male, desto besser fühle ich mich.« Kurz vor seinem Tod – er stirbt nach einem Schuss in den Oberkörper – hat von Gogh in nur 80 Tagen 75 Bilder gemalt.

War van Goghs Malerei nun Ausdruck einer psychischen Krankheit oder schlicht die richtige Therapie dagegen? Konkrete Antworten gibt Schnabel drauf nicht. »Ich male, weil ich einfach nicht mehr denken will«, sagt van Gogh an einer Stelle des Films. Und an einer anderen: »Manche denken, ich wäre verrückt. Nur: ein Körnchen Verrücktheit ist das Beste an der Kunst!« Christiane Bosch

van Gogh malt in Gießen (Kinocenter), Lich (Traumstern) und Marburg (Capitol).



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