20. September 2017, 20:35 Uhr

»The Lego Ninjago Movie« »Norman«

Duell zwischen Vater und Sohn Der Krieg nach dem Krieg Richard Gere hofft auf den großen Coup Stars, Agenten, Gag-Kanone

Regisseur Matthew Vaughn hat für das Action-Spektakel »Kingsman: The Golden Circle« zahlreiche Hollywood-Stars vor die Kamera geholt – und einen ganz besonderen Gast. Die überdrehte Fortsetzung kann in Sachen Action und Humor fast mit dem ersten Film mithalten.
20. September 2017, 20:35 Uhr

Im neuen Animationsfilm »The Lego Ninjago Movie« greift der Superbösewicht Garmadon die quirlige asiatische Metropole Ninjago City an. Einzig sechs mutigen Ninjas um den Jugendlichen Lloyd gelingt es, Garmadon für kurze Zeit in die Flucht zu schlagen. Doch besiegt ist der Warlord damit noch lange nicht – mit seiner Hai-Armee startet er einen Angriff nach dem anderen. Was die Sache ziemlich kompliziert macht: Garmadon ist der Vater von Lloyd. Seine Ninja-Rettungsmissionen macht der Junge ähnlich wie Superheld Spider-Man aber stets inkognito – was einige schwierige Situationen heraufbeschwört. Den Witz verliert der Film dabei aber nie. Vor allem junge Fans von Action-Abenteuern kommen so auf ihre Kosten.

»The Lego Ninjago Movie« erobert die Leinwände in Gießen (Kinopolis), Alsfeld (Kinocenter), Friedberg (Kinocenter), Karben (Cinepark), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos), Nidderau (Luxor Filmpalast und Wetzlar (Rex Kinos).

Manchmal überholt die Realität auch Filmemacher. Manchmal funkt die Weltpolitik dazwischen. Vor mehr als 15 Jahren entwickelte Schriftstellerin Alexandra Umminger die Idee zu einem Film, in dem ein Großvater und eine Enkelin eine Reise in seine Vergangenheit antreten. Bis daraus das Drehbuch zu »Leanders letzte Reise« wurde, verging eine halbe Ewigkeit. Es sollte in die Ukraine gehen, zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. »Gerade als wir dachten, der Film sei jetzt so, wie wir ihn gerne machen wollten, ereignete sich die Krimkrise«, erzählt Produzent Siegfried Kamml. »Russland übernahm einen Teil der Ukraine, und unser Buch war letztlich in gewisser Weise über den Haufen geworfen.«

Aus der Not machte das Team eine Tugend, und baute den aktuellen Konflikt in die Geschichte ein. Regisseur Nick Baker-Monteys, der auch am Drehbuch mitschrieb, verwob nun zwei Kriege auf geschickte Weise miteinander und erzählt das Ganze als Familiendrama.

Eduard Leander ist 92, als seine Frau stirbt. Verschroben und schweigsam packt der ehemalige Wehrmachtsoffizier seinen Koffer und setzt sich in einen Zug nach Kiew. Die nörgelnde Tochter Uli schickt Enkelin Adele zum Bahnhof, um den Alten aufzuhalten. Störrisch wie der ist, klappt das nicht – und Adele muss ihn unfreiwillig begleiten. Die beiden haben sich wenig zu sagen und geben sich allenfalls Kontra. Nur langsam öffnet er sich der Enkeltochter und entwickelt sie Verständnis für ihren Großvater: »Opa, ich versuch dich zu verstehen. Ich will wissen, warum wir sind, wie wir sind.«

Dabei sind die Rollen grandios besetzt: Hollywood-Star Jürgen Prochnow spielt den griesgrämigen Leander mit altersgezeichneter Maske, gebückter Haltung und wackeligem Gang. Petra Schmidt-Schaller gibt die rebellische Enkelin, die sich als Kellnerin über Wasser hält und auf der Reise eine Affäre mit Lebemann Lew (Tambet Tuisk) beginnt. Der soll für das Duo viel mehr werden als ein kurzer Wegbegleiter. In wenigen Szenen gelingt es zudem Suzanne von Borsody als Adeles kritischer Mutter und Eduards Tochter den innerfamiliären Konflikt mit kurzen, abrupt beendeten Telefongesprächen darzustellen.

Nicht nur dass der Film beispielhaft die Geschichte eines einstigen Kriegsverbrechers aufgreift, der an der Seite der Kosaken kämpfte, zum Tode verurteilt wurde und jahrelang im Gulag lebte. Überholt vom Krieg in der Ostukraine bekommt er eine zusätzliche Relevanz. In der Figur des Lew, einem in der Ukraine aufgewachsenen Russen, verdeutlichen die Macher die innere Zerrissenheit. Die mag ebenso exemplarisch für viele Betroffene stehen wie Leanders Biografie.

Doch die gewalttätigen Ausschreitungen auf dem Maidan in Kiew mit vielen Toten 2014 hielten das Team nicht auf, am Originalschauplatz zu drehen. Das Publikum bekommt ein kleines Stadtporträt geliefert und Einblicke in eine andere Kultur. Verknüpft wird das mit einer Art Roadmovie durch das Umland, wo Straßen zu Pisten werden und die Suche nach der alten Liebe einer Zeitreise gleichkommt. Die Kriegsgefahr, die im 21. Jahrhundert plötzlich wieder in Europa besteht, wird beispielsweise an einer Grenzkontrolle von Separatisten deutlich spürbar.

107 Minuten sind fast zu wenig, um all die Aspekte umfassend zu erzählen. Doch nicht zuletzt dank der tiefgründig spielenden Darsteller wird aus dem an sich schon nicht schlichten Familiendrama ein vielschichtiger Film mit mehr Realitätsbezug als erwartet.

Das berührende Drama läuft in Gießen (Kinocenter) und Marburg (Atelier).

Norman Oppenheimer geht mächtig auf die Nerven, aber zugleich hat man Mitleid mit dem Möchtegerngeschäftsmann, der sich ständig anbiedert. Ist er ein Betrüger oder nur ein geltungssüchtiger Schwätzer, der als selbst ernannter Macher wichtige Leute für große Deals verbinden will? »Norman« ist eine komplexe Tragikomödie und mit Richard Gere als jüdischer »Fixer« in New York perfekt besetzt.

In dieser unglamourösen Rolle meistert der jetzt 68 Jahre alte »Pretty Woman«-Star eine schwierige Gratwanderung. Gere verwandelt sich völlig in diesen seltsamen Kauz, der mit Kamelhaarmantel, grauer Tweed-Kappe und Telefonstöpseln in den Ohren durch die Straßen von Manhattan läuft. Ständig auf der Pirsch nach wichtigen Kontakten, von der Idee besessen, einen großen Coup zu landen.

Der Filmuntertitel »Der bescheidene Aufstieg und tragische Fall eines New Yorker Geschäftsmanns« verrät es schon – es nimmt kein gutes Ende. Doch zuvor gelingt Norman ein vermeintlich großer Erfolg. Er lernt den Nachwuchspolitiker Micha Eshel aus Israel kennen, den er mit einem sündhaft teuren Geschenk umgarnt – ein paar Schuhe für fast 1200 Dollar. Das zahlt sich wenige Jahre später aus, als Eshel – jetzt Premierminister – sich an seinen spendablen Freund in New York erinnert. Norman steht plötzlich im Rampenlicht und spinnt weitere Geschäfte.

»Norman« ist der erste englischsprachige Film des israelischen Regisseurs Joseph Cedar, der schon 2007 auf der Berlinale mit seinem eindringlichen Anti-Kriegs-Film »Beaufort« zum besten Regisseur gekürt wurde. Mit der Vater-Sohn-Komödie »Footnote« holte er 2011 in Cannes den Drehbuchpreis. Beide Filme waren auch für den Auslands-Oscar nominiert.

»Footnote«-Hauptdarsteller Lior Ashkenazi glänzt nun in der Rolle des bestechlichen Politikers Micha Eshel. Überhaupt holt Cedar aus seinem internationalen Starensemble ein starke Leistung heraus. Charlotte Gainsbourg ist eine Anwältin, die korrupte Machenschaften untersucht. Steve Buscemi überzeugt als Rabbi, der verzweifelt auf Normans Hilfe setzt. Auch Oppenheimers Neffe (Michael Sheen) klammert sich an die Hoffnung, dass seinem Onkel das große Geschäft gelingt.

Die skurrilen Charaktere mit ihren Neurosen und kleinen Fehlern könnte sich auch Woody Allen ausgedacht haben. Neben Witz setzt Cedar aber auch auf Mitgefühl. Normans Einsamkeit und sein verzweifeltes Geltungsbedürfnis gehen unter die Haut.

Das ist Cedars Regie und Drehbuch, aber vor allem Geres Schauspielkunst zuzuschreiben. Hollywoods früherer Leinwandschönling könnte mit dieser uneitlen Rolle vielleicht seine erste Oscar-Nominierung holen. Seine Charakterdarstellung ist »witzig, kompliziert, bewegend und unvergesslich«, lobte etwa das Branchenportal »Deadline.com«.

Norman Oppenheimers Aufstieg und Fall ist in Marburg (Capitol) und Nidderau (Luxor Filmpalast) zu sehen.

Ein klassisches schwarzes Londoner Taxi rast in halsbrecherischer Geschwindigkeit und mit offener Tür durch die britische Hauptstadt, während zwei Männer auf Leben und Tod darin miteinander kämpfen. Aus den Lautsprechern des aufgemotzten Taxis, das in Wirklichkeit ein Fahrzeug der Geheimorganisation Kingsman ist, dröhnt der Prince-Hit »Let’s Go Crazy«. Der Song könnte auch als Motto für das Action-Spektakel »Kingsman: The Golden Circle« gelten, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Matthew Vaughn (»X-Men: Erste Entscheidung«) den Überraschungserfolg »Kingsman: The Secret Service« von 2015 zu toppen versucht.

In der ähnlich verrückten und überdrehten Fortsetzung überleben Eggsy (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) als einzige Kingsman-Agenten einen Anschlag auf die Geheimorganisation, die sich hinter der Fassade eines Londoner Edelschneiders versteckt. Hinter dem tödlichen Angriff steckt die psychopathische Drogenbaronin Poppy Adams (Julianne Moore), die in ihrer selbst erschaffenen Nachbildung einer amerikanischen Kleinstadt der 60er Jahre im Dschungel wohnt und von dort aus die Welt erpresst.

Claudia-Schiffer-Roboter

Die Agenten Eggsy und Merlin finden bei der Befolgung ihres Notfallplans eine Flasche Whiskey, die sie zum amerikanischen Kingsman-Äquivalent führt. Der Geheimbund Statesman unter der Leitung von Champ (Jeff Bridges) nutzt als Tarnung eine Whiskey-Destillerie in Kentucky. Die überlebenden Kingsman-Mitglieder verbünden sich mit den Statesman-Agenten. Zusammen wollen sie Poppy und ihrem Drogenring Golden Circle das Handwerk legen. Zudem stellen sie fest, dass ihr vermeintlich toter Kingsman-Kollege Galahad (Colin Firth) noch lebt, sich nach einem Kopfschuss aber an nichts erinnern kann.

Vaughn und Drehbuch-Co-Autorin Jane Goldman standen bei »Kingsman: The Golden Circle« vor der Herausforderung, die überdrehte Action und den originellen Humor des ersten Films fortzuführen, ohne sich zu wiederholen. Mitunter ist das auch gelungen, etwa bei der spektakulären Taxifahrt zu Beginn des Films oder, wenn Eggsy auf dem berühmten Glastonbury Festival intimen Kontakt mit der Freundin eines Golden-Circle-Killers haben muss, um einen Peilsender in ihr zu platzieren, er vorher aber wegen seines Gewissenskonflikts seine Freundin anruft. Prinzessin Tilde, der Eggsy in »Kingsman: The Secret Service« das Leben rettete und dafür pikant belohnt wurde, ist inzwischen seine feste Freundin.

Ein echter Geniestreich des Films ist die Entführung von Popstar Sir Elton John. Superschurkin Poppy zwingt ihn, in ihrem Hauptquartier für sie aufzutreten. Sir Elton spielt sich selbst dabei mit so viel Witz und Selbstironie, dass es eine wahre Freude ist, ihm dabei zuzusehen. Der Sänger ist der heimliche Star des Films. Aber auch Moore ist als irre Kriminelle mit Dauerlächeln und diabolischen Methoden großartig. Ihre Mitarbeiter verarbeitet sie zur Strafe schon mal zu Hamburgern. Natürlich im eigenen 60er-Jahre-Diner. Dass einer ihrer Roboter wie Claudia Schiffer aussieht, ist sicher kein Zufall. Das ehemalige deutsche Topmodel ist Vaughns Ehefrau.

Die stargespickte Besetzung, zu der auch Halle Berry als US-Agentin Ginger gehört, hatte bei den Dreharbeiten offensichtlich ihren Spaß und hat sich prächtig verstanden. Das merkt man auch auf der Leinwand. Nebendarsteller Channing Tatum, der momentan einen Blockbuster-Film nach dem anderen dreht, überzeugt genauso als moderner Cowboy und Agent Tequila wie sein Kollege Pedro Pascal, der dem deutschen Publikum vor allem durch die Netflix-Serie »Narcos« bekannt sein dürfte, in der Rolle des zwielichtigen Machos Whiskey.

Etwas grenzwertig sind allerdings die Gewaltdarstellungen. Wie im ersten Teil, wo in einer Szene zur Musik von Sir Edward Elgars »Pomp And Circumstance« die Köpfe zahlreicher Bösewichte explodierten, geizt auch »Kingsman: The Golden Circle« nicht mit visueller Brutalität. Kopfschüsse sind an der Tagesordnung und werden mitunter musikalisch und optisch so feierlich in Szene gesetzt, dass man es zumindest fragwürdig finden darf. Zartbesaitete sollten die Gewaltorgie meiden.

»Kingsman: The Golden Circle« hat zwar auch ein paar zähe Passagen, ist aber trotz seiner langen Laufzeit von 141 Minuten überraschend kurzweilig. Der Film hat viele Lacher und einige sehr originelle Action-Szenen. Bei manchen werden sich die James-Bond-Macher fragen, warum sie nicht darauf gekommen sind. Seinem Vorgänger steht das unterhaltsame Sequel »Kingsman: The Golden Circle« damit kaum nach. Und der dritte Teil ist vermutlich schon in Planung.

Das bunte Action-Spektakel rund um die Kingsmen kann in Gießen (Kinopolis), Alsfeld (Kinocenter), Friedberg (Kinocenter), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos) und Nidderau (Luxor Filmpalast) verfolgt werden.

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