17. Januar 2018, 20:20 Uhr

»Downsizing«

Damon und Waltz als Winzlinge Die Verwandlung des Gary Oldman Griff in die Gag-Schublade Kinder lassen Erwachsene schrumpfen

Wenn sich Til Schweiger und Matthias Schweighöfer in »Hot Dog« an die Befreiung einer Präsidententochter machen, dann fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch derbe Witze durchs Kino.
17. Januar 2018, 20:20 Uhr
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Von DPA
In einer Mini-Welt: Paul (Matt Damon, l.) und Dusan (Christoph Waltz).

Menschen, die auf Daumengröße schrumpfen, haben Hollywood schon immer fasziniert: Da war Anfang der 1980er Jahre die grell-bissige Kapitalismuskritik »Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K.« mit Lily Tomlin in der Hauptrolle. Ein paar Jahre später setzte dann »Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft« vor allem auf visuellen Spaß und urige Größenvergleiche – so sehr, dass es in Disney’s Hollywood Studios in Florida fast zwanzig Jahre lang ein nachgebautes Set gab, in dem Fans die Welt des Films erleben können. Die Zeichen stünden also gut für das neue Werk »Downsizing«.

Im Mittelpunkt steht Paul Safranek (Matt Damon), ein durchschnittlicher US-Amerikaner mit zu weiten Polohemden und zu beigen Hosen. Den Traum, Chirurg zu sein, hat er aufgegeben, stattdessen arbeitet er als Werksarzt in einer Fleischerei. Zuhause verbringt er die Nächte über Rechnungen gebeugt im Keller. Wünsche und Ziele von ihm und seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) sind dem US-Klischee entsprechend größer als ihre vorhandenen Mittel.

Doch dann ermöglicht ihnen ein revolutionäres biologisches Verfahren, sich so sehr zu schrumpfen, dass sie plötzlich in einem Puppenhaus in »Leisureland« wohnen könnten, einer Stadt der Geschrumpften, die auf einen einzigen Parkplatz passt. In der Welt von »Downsizing« haben norwegische Wissenschaftler dieses Verfahren als Ausweg für die von der Überbevölkerung bedrohte Menschheit entwickelt. Dabei ist auch äußerst reizvoll, dass man sich in der Mini-Welt mit seinem Geld plötzlich viel mehr Luxus leisten kann. Paul und Audrey entscheiden sich für die medizinische Verwandlung – doch nach dem Aufwachen erfährt er, dass seine Frau in letzter Minute kalte Füße bekommen hat.

Regisseur Alexander Payne hat eigentlich ein Händchen für Wehwehchen und Wohlstandsprobleme weißer Mittelschichtsmänner. In »Sideways« inszenierte er Paul Giamatti effektiv als schrulligen Weinliebhaber. Unvergessen auch Jack Nicholson als frisch gebackener Rentner, der in »About Schmidt« erkennt, wie öde sein Leben war.

Auch Paul Safranek steht in der Tradition dieser Durchschnittsfiguren. Doch Payne reißt ein halbes Dutzend gesellschaftliche Debatten von Überbevölkerung über Rassismus und Konsumgeilheit an, überfrachtet sein Werk damit letztendlich aber. Mindestens genauso enttäuschend sind viele prominent besetzte Nebenrollen: Neil Patrick Harris, Jason Sudeikis, Udo Kier oder Christoph Waltz werden eingeführt, verschwinden dann allerdings viel zu schnell.

»Downsizing« startet in Gießen (Kinocenter), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos) und Nidderau (Luxor).

Kurz nach seinem Amtsantritt als britischer Premierminister steht Winston Churchill im Frühsommer 1940 vor schwersten Entscheidungen. Hitlers Armeen überrennen Westeuropa und bedrohen Großbritannien. Churchills politische Gegner setzen ihn unter Druck, mit Hitler über einen Frieden zu verhandeln. Doch der Staatsmann riskiert die Evakuierung der britischen Truppen aus Dünkirchen und nimmt dafür selbst hohe Verluste in Kauf.

Die Hauptrolle als politisches Schwergewicht in »Die dunkelste Stunde« übernimmt Gary Oldman. Eigentlich hat der Schauspieler keinerlei Ähnlichkeit mit dem britischen Politiker. Doch seine einprägsame Verwandlung mithilfe von Maskenbildner-Spezialeffekten galt schon vor Filmstart als auszeichnungswürdig – einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller gewann er bereits. Zu Recht: Oldman gibt glaubhaft den mal mürrisch-depressiven, oft nuschelnden und zunehmend isolierten Premierminister. Oldman verschwindet fast völlig unter den Polsterschichten – doch seine Manierismen wirken lebensecht.

Sechs Monate dauerten die Tests mit Make-up und Fettprothesen. Gleichzeitig entwickelten Regisseur Joe Wright und sein Hauptdarsteller die Rolle in allen Einzelheiten. »Churchill rauchte eine Menge Zigarren und trank viel. Deshalb war sein Atmen sehr spezifisch«, erzählte Regisseur Joe Wright. »Dann begannen wir darüber zu diskutieren, wie er ging – zielgerichtet, mit Energie und Dynamik.«

Oldman spielt den damals recht unpopulären Politstrategen »als Europa zusammenbrach und Großbritannien allein gegen die tödlichste Kriegsmaschine stand, die die Welt je gesehen hatte«, wie »Daily Mail« stolz die patriotischen Untertöne des Films betonte – möglicherweise die Weltsicht vieler Brexit-Befürworter. Doch auch eine Spitze gegen die Amerikaner fehlt nicht: Churchill fleht Präsident Roosevelt am Telefon an, ihm die Schiffe zu überlassen, die die Briten bereits von den USA gekauft haben. Vergebens.

Die berühmten Reden des begnadeten Rhetorikers und späteren Literaturnobelpreisträgers setzen die Höhepunkte des Films, aber verraten auch seine Schwäche: Die langatmige Rhetorik seines legendären »Blut, Schweiß und Tränen« erinnert an eine Geschichtsstunde; vieles wird über Worte statt Bilder erzählt. Nur wenn der Film aus der wunderschön stilisierten Isolierung der unterirdischen Kommandozentrale ausbricht, erhaschen wir kurze Blicke auf die stille Verzweiflung der britischen Soldaten und den Durchhaltewillen der Londoner Bevölkerung.

Regisseur Wright ist für seine elegante Filmästhetik bekannt: In »Abbitte« zeigte er in einer unvergesslichen Sequenz das Grauen des Kriegs am Strand von Dünkirchen. Nun erzählt er diese Geschichte aus anderer Perspektive und verknüpft es mit Churchills Biografie. Den Staatsmann verkörpert zwar Oldman. Doch vor allem Kristin Scott Thomas als seine Frau Clementine und Lily James als junge Privatsekretärin schaffen es, die Legende greifbar zu machen und mit manchmal beißendem Humor den Menschen Churchill vom Mythos zu trennen. Uli Hesse

Churchill begegnet man in Gießen (Kinocenter) und Marburg (Kammer).

Bereits vor zehn Jahren waren Til Schweiger und Matthias Schweighöfer gemeinsam auf großer Leinwand zu sehen: im Erfolgsfilm »Keinohrhasen«. Weitere gemeinsame Auftritte in Filmen wie »Der rote Baron«, »Kokowääh 2« oder zuletzt »Vier gegen die Bank« folgten. Und auch wenn die Kritik an Schweiger/Schweighöfer-Projekten meist kaum ein gutes Haar lässt, so stehen die Filme nicht selten für gute Einspielergebnisse an den Kinokassen.

Auch »Hot Dog« schielt wieder aufs große Publikum: Die mit vielen Action-Elementen und nur ein klein wenig Romantik angereicherte Komödie rund um zwei völlig gegensätzliche Polizeibeamte wartet mit weiteren Schauspielern wie Heino Ferch, Samuel Finzi, André Hennicke oder Lisa Tomaschewsky auf. Mit Lilli ist auch eine der Schweiger-Töchter mit dabei. Regie führte Torsten Künstler (Co-Regisseur von »Der Nanny« und »Kokowääh 2«).

Theo (Schweighöfer) hat ein übergroßes Horngestell auf der Nase, ein fotografisches Gedächtnis, galt schon zu Kindergartenzeiten als hochbegabt, war noch nie mit einer Frau im Bett und versieht bei der Polizeieinheit GSG-10 einen langweiligen Sesseljob. Luke (Schweiger) hat einen durchtrainierten Körper, hatte als Vater einen Säufer und Schläger, gilt als Frauenheld und Waffennarr und blickt bei der GSG-10 auf fast genauso viele Abmahnungen wie Einsätze zurück.

Gleich zu Beginn dieser etwas absurden Geschichte finden sich die beiden im Wachdienst des Bundespräsidenten wieder. Sie müssen den Eingang zum Treppenhaus von Schloss Bellevue bewachen. Während Luke strafversetzt wurde, freut sich Theo wie ein kleiner Junge darüber, dass er nun endlich zusammen mit seinem Idol Dienst schieben darf. Die Ruhe am Präsidentensitz aber ist schnell perdu, als ebendort die Tochter eines fremden Staatsoberhaupts verschwindet: 16 Millionen Euro an Lösegeld fordern die Entführer. Und ausgerechnet Theo und Luke machen sich daran, Mascha zu befreien.

Heterogenes Duo

Leider sind sich Schweiger und Schweighöfer, leider ist sich das Drehbuch nicht zu schade dafür, abschnittsweise einen Humor der äußerst pubertären, ja teils fast sexistischen Art zu bedienen. Mal geht es um ein Kondom, mal um einen mehr als schalen Witz mit einem Wassereis. Zum Glück aber verfügt der Streifen über genug Stärken, um diese Missgriffe in die unterste Gag-Schublade auszubügeln.

Da sind zum einen die schön ausgespielten Gegensätze zwischen Theo und Luke, die zu einem der heterogensten Kino-Duos der deutschen Filmgeschichte zusammenwachsen. Da sind aber auch viele andere, kaum erwartbare hübsche Momente: die ersten Annäherungen etwa zwischen Theo und Computerexpertin Nicki (in ihrer rührenden Art überzeugend: Anne Schäfer) oder das herrliche Spiel von Tim Wilde als GSG-10-Boss kurz vor dem Wahnsinn. Minuspunkte gibt’s für die Kamera: Bei der Auswahl der Motive scheint sie sich keinerlei Mühe zu geben, greift stattdessen auf allzu bekannte Berlin-Impressionen zurück.

Man kann den Filmen mit und von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer (der »Hot Dog« mitproduziert hat) so einiges vorhalten. Immer wieder aber gelingt es den beiden, das oftmals mausgraue und teils all zu ernste deutsche Kino mit ein wenig Verve à la Hollywood zu erfrischen.

»Hot Dog« braucht zwar eine Weile, um seine Richtung zu finden, dann aber wird klar, dass es den Machern hier nicht nur um einen weiteren Action-Kracher ging. Dafür ist der Film zu überdreht, ja exaltiert, dafür ist er schließlich auch deutlich zu selbstironisch. Es dauert, bis diese Selbstironie greift, dann aber gibt’s ein paar wirklich unterhaltsame Szenen. Und es ist ausgerechnet das so oft kritisierte und zumeist wahrlich nicht sonderlich variantenreiche Mimenspiel des Til Schweiger, das diesmal wunderbar passt. Wunderbar passt zu den staubtrockenen Kommentaren und Witzen, mit denen Luke seinen zart besaiteten Kollegen Theo fast ohne Unterlass piesackt.

»Hot Dog« läuft in Gießen (Kinopolis), Alsfeld (Kinocenter), Bad Nauheim (Fantasia), Butzbach (Capitol), Grünberg (Apollo), Karben (Cinepark), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos), Nidderau (Luxor) und Wetzlar (Rex).

Was soll man nur machen als Sohn von Eltern, die mal wieder mehr an die eigene Karriere denken, als an den Sprössling? Felix jedenfalls, Hauptfigur dieser farbenreichen Kinder- und Familienkomödie, ist nicht nur stinksauer, er wünscht sich auch, dass seine Eltern auf Zwergengröße zusammenschrumpfen. Als sich dieser Wunsch aber tatsächlich erfüllt, stellt das Felix vor nicht geahnte neue Herausforderungen. In dieser Fortsetzung einer deutschen Filmproduktion aus dem Jahr 2015 (»Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft«) spielen Darsteller wie Otto Waalkes, Andrea Sawatzki, Anja Kling und Axel Stein. Die Regie hat Tim Trageser übernommen.

Hübscher Zufall oder doch Absicht: Genau am Starttag von »Hilfe, ich hab meine Eltern...« findet auch »Downsizing« den Weg in die deutschen Kinos – eine amerikanische Zukunftssatire, in der sich Matt Damon und Christoph Waltz (siehe oben) zu Winzling schrumpfen lassen. Das Kino liebt eben den Gegensatz von Groß und Klein.

Der Familienfilm ist zu sehen in Gießen Kinopolis), Alsfeld (Kinocenter), Friedberg (Kinocenter), Marburg (Cineplex), Nidda (Lumos), Nidderau (Luxor) und Wetzlar (Rex).



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