10. Februar 2017, 22:22 Uhr

Werbung für Afrika

10. Februar 2017, 22:22 Uhr

Auf Lobreden für Erfolgsprojekte folgt reger Austausch von Visitenkarten. Angeführt von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) verbreitete die deutsche Delegation Aufbruchstimmung auf dem deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel in Kenias Hauptstadt Nairobi. Zahlreiche Initiativen bemühen sich längst um eine Sanierung des traditionellen Afrikabilds, das von Hunger, Krieg und Krisen bestimmt ist. Doch nie warb die Bundesregierung so stark für den Kontinent.

»Wir setzten Afrika auf die Tagesordnung, national, in Europa und international«, betonte Müller bei der Eröffnung des zweitägigen Gipfeltreffens, das gestern endete. Anschließend präsentierte er den »Marshallplan mit Afrika«. Hunderte Vertreter aus Wirtschaft und Politik nahmen teil.

Bei der Werbung für den Chancenkontinent schwingen immer wieder besorgte Untertöne mit. Bis 2050 soll sich die Bevölkerung Afrikas Prognosen zufolge auf mehr als zwei Milliarden Menschen verdoppeln. »20 Millionen Jugendliche mehr brauchen jedes Jahr Arbeitsplätze«, hebt Müller hervor. »Das ist eine riesige Herausforderung.«

»50 Prozent der afrikanischen Jugendlichen sind arbeitslos, haben keine Chance auf Einkommen«, erklärte Müller. »Die Menschen hier wissen, es gibt ein anderes Leben und eine andere Zukunft«, sagte er. »Natürlich überlegen sich dann viele, sich aufzumachen in eine bessere Welt Richtung Deutschland.«

Die entwicklungspolitische Organisation ONE begrüßt den Marshallplan grundsätzlich als »positives Signal«. Zum einen habe die Bundesregierung das große wirtschaftliche Potenzial erkannt, das in dem rasanten Bevölkerungswachstum liegt, erklärt Deutschland-Direktor Stephan Exo-Kreischer. »Zum anderen erkennt sie, dass der zunehmende Migrationsdruck innerhalb Afrikas aber auch auf die europäischen Staaten positiv gestaltet werden muss im Interesse der Stabilität Afrikas und Europas.«

Gipfel-Gastgeber Kenia zählt zu den aufstrebenden Volkswirtschaften des Kontinents. »Mein Handy funktioniert hier besser als zu Hause in der Provinz«, scherzte Müller auf dem Podium. Touristen kommen für Strandurlaube und Safaris. Die Bedingungen scheinen stabil genug, dass VW jüngst das erste Werk in Ostafrika eröffnete.

Doch Hunger, Krieg und Krisen bleiben Teil der Realität Afrikas – und sind Fluchtursachen. Sicherheit ist deshalb ein Säule des Marshallplans. Auch in Umweltfragen fordert die Bundesregierung ein Umdenken. Der Kontinent dürfe nicht weiterhin die »Müllhalde Europas« bleiben, wo Elektroschrott und Altwagen abgeladen werden. Auch dem Klimawandel soll künftig mehr Beachtung geschenkt werden. Und wieder kommt das Thema Migration auf. Rund 20 Millionen Klimaflüchtlinge aus afrikanischen Dürregebieten gibt es derzeit, betonten die Minister. Die Zahl könnte sich schnell vervielfachen – das werde auch nicht an Europa vorbeigehen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Brigitte Zypries
  • CSU
  • Entwicklungsminister
  • Gerd Müller
  • SPD
  • VW
  • Wirtschaftsminister
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos