06. Oktober 2017, 20:49 Uhr

Putin wird 65

»Unbeirrbarer Buddha«

06. Oktober 2017, 20:49 Uhr
Feiert heute seinen 65. Geburtstag: Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa)

Im symbolträchtigen Monat März 2018 zeigt ein Wandkalender den russischen Präsidenten Wladimir Putin als eisernen General mit einer dicken Fellmütze des Militärs. In Zehntausenden Büros und Wohnungen wird der Kremlchef von der Wand lächeln und sein Wahlvolk an die »Wiedervereinigung« Russlands mit der Krim erinnern – nach westlicher Lesart eine völkerrechtswidrige Annexion ukrainischen Staatsgebiets.

Putin mit nacktem Oberkörper, Putin mit Hündchen, Putin als Macher mit Schlips und Kragen: Längst ist die Ganzjahresgalerie mit schrillen Fotos vom immer jung und dynamisch daherkommenden Kremlchef ein traditioneller Verkaufsschlager. Doch auch Putin wird älter. Am heutigen Samstag wird er 65. Während andere in diesem Alter langsam an die Rente denken, rechnet in Russland niemand mit seinem Rückzug. Im Gegenteil.

Im März wählt Russland seinen Präsidenten. Als Termin ist gar der Tag der Krim-Annexion vom 18. März 2014 im Gespräch. Zwar hält sich Putin noch vornehm zurück mit einer Kandidatur. Erst diese Woche betonte der Präsident, er habe bis Ende November Zeit, sich zu entscheiden. Aber alle gehen davon aus, dass Putin nach 18 Jahren an der Macht eine neue Amtszeit anstrebt.

Russischen Oppositionellen wie dem Blogger Alexej Nawalny ist Putins Festhalten an der Macht ein Dorn im Auge. Daher hat er es sich zum Ziel erklärt, Putin eine gemütliche Geburtstagsfeier zu vermiesen. Demonstrativ hat Nawalny für Samstag zu Massenprotesten in Dutzenden Städten aufgerufen. Die größte Kundgebung ist in Putins Heimatstadt St. Petersburg geplant. Da sie nicht genehmigt ist, könnte es wie schon mehrfach dieses Jahr zahlreiche Festnahmen geben.

Für die Geschichtsbücher

Putin zeigt sich unbeeindruckt. Wegen seiner stoischen Ruhe vergleichen ihn Beobachter mit einem »unbeirrbaren Buddha«, der sich auf die Wahl vorbereitet. Der Kreml-Experte Andrej Kolesnikow meint: »Putin braucht die Eliten nicht; die Eliten brauchen Putin.« Wie konnte der Ex-Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB mit Einsatz in Dresden seine Position über fast zwei Jahrzehnte unanfechtbar machen? Kritiker machen Putin für den großen Einfluss des KGB-Nachfolgers FSB verantwortlich, 1998/1999 war er selbst dessen Direktor. Sie bringen ihn mit Korruption, Justiz- und Polizeiwillkür sowie mit staatlicher Medienkontrolle und der systematischen Ausschaltung der Opposition in Verbindung. Längst sprechen Experten von einem »Putinismus«, der sich nicht nur im Personenkult mit Putin-Devotionalien in Souvenirläden zeigt, sondern auch in einem völlig auf dessen Person ausgerichteten System mit ausgeprägten Seilschaften.

Die Politologin Tatiana Stanowaja analysiert zudem eine Verschiebung in Putins Selbstwahrnehmung. Anders als bei früheren Wahlen gehe es ihm inzwischen verstärkt um seinen Platz in den Geschichtsbüchern.

Die Experten sind sich einig, dass Putin erst seinen Rückzug antreten wird, wenn er sicher sein kann, dass sein System bestehen bleibt und er einen Nachfolger findet, der ihm absolute Sicherheit garantiert. Dafür bleibt ihm Zeit bis 2024, wenn alles läuft wie erwartet.

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