06. Juni 2017, 20:29 Uhr

Riads harte Hand greift durch

06. Juni 2017, 20:29 Uhr
Salman

Als der saudische König Salman im Januar 2015 den Thron in Riad bestieg, wollte er besorgte Gemüter mit einem Versprechen beruhigen. Noch ehe er die Treueschwüre seiner Untertanen entgegennahm, beteuerte der Monarch, die Politik seines verstorbenen Bruders und Vorgängers Abdullah fortsetzen zu wollen. Er werde »an der rechtschaffenen Politik« festhalten, die Saudi-Arabien seit seiner Gründung betreibe, erklärte Salman.

Doch es sollte nur zwei Monate dauern, bis der neue König der wirtschaftlich stärksten Macht der arabischen Welt in einer zentralen Frage einen ganz anderen Weg einschlug als sein Bruder: Noch im März 2015 ordnete Salman Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen an, die große Teile des Nachbarlandes Jemen überrannt hatten. Es war der Beginn einer Außen- und Militärpolitik, die die Interessen des Königreiches wesentlich aggressiver vertritt. Und die den Anspruch hat, im Nahen Osten allein die dominante Macht zu sein.

Was das bedeutet, bekommt jetzt das Golf-Emirat Katar zu spüren, Saudi-Arabiens Nachbar, reich an Gas, doch von der Fläche gerade einmal halb so groß wie Hessen. In einer konzertierten Aktion brachen die Ölmonarchie und mehrere treue arabische Verbündete alle Kontakte zu Katar ab. Doch wie im Jemen ist der eigentliche Gegner nicht im attackierten Land zu finden, sondern auf der anderen Seite des Golfs: Die saudische Politik hat den schiitischen Iran als den Erzrivalen ausgemacht und bekämpft ihn, wo immer das Königreich um seine Interessen fürchtet.

Alles eine Frage der Macht

Ihren Anfang nahm die neue Krise, nachdem sich Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani vor einigen Wochen angeblich positiv über Irans stabilisierende Rolle in der Region geäußert hatte. Später berichteten saudische Medien im Ton der Empörung, Katars Außenminister habe sich im Irak mit dem Chef der Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden getroffen. Auch das Gipfeltreffen der Golfstaaten mit US-Präsident Donald Trump in Riad vor knapp drei Wochen nutzte König Salman für eine Schimpftirade gegen den Iran.

Saudi-Arabien wirft seinem schiitischen Nachbarn vor, sich in die Angelegenheiten des sunnitischen Königreichs einzumischen, um es zu destabilisieren. Alarmiert sind die Herrscher nicht zuletzt, weil sie einen Aufstand der benachteiligten schiitischen Minderheit im Osten des Landes fürchtet, dort also, wo wichtige Ölvorräte liegen. Zudem hat der Iran seinen Einfluss im Irak und in Syrien massiv ausgedehnt, wo Teheran die jeweiligen Regierungen unterstützt. Weil sich Saudi-Arabien umzingelt sieht, ist Riads Politik auch angstgetrieben. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain stehen an der Seite Riads. Ohnehin dominiert das Königreich den Golf-Kooperationsrat (GCC). Auch das autokratisch regierte Ägypten, abhängig von saudischen Milliardenfinanzspritzen, zeigt sich meistens als treuer Partner. Schon Ende 2015 hatte Saudi-Arabien eine Militärallianz zahlreicher islamischer Staaten geschmiedet.

Als Freifahrtsschein für seine aggressive Politik dürfte Saudi-Arabien den Besuch Trumps gewertet haben. Der US-Präsident wurde in Riad nicht nur mit allergrößtem Pomp und maximaler medialer Begleitung empfangen, sondern gleich drei Tage hofiert. Saudi-Arabien war sogar das Land, das Trump als erstes im neuen Amt besuchte. Wie Salman wetterte auch der US-Präsident gegen den Iran und versprach den Saudis zugleich Waffengeschäfte in ungekannter Milliardenhöhe. Gestern legte das US-Staatsoberhaupt nach und schlug sich eindeutig auf die Seite Saudi-Arabiens. »So gut zu sehen, dass sich der Saudi-Arabien-Besuch beim König und 50 Ländern schon auszahlt«, twitterte er. Alle Hinweise dort hätten auf Katar gedeutet. »Vielleicht wird das der Anfang vom Ende des Terrorhorrors sein.« Trump erwähnte nicht, dass er Katars Emir Tamim bei einem Treffen in Riad als »langjährigen Freund« lobte und mit ihm vor allem über ein Thema sprechen wollte: den Kauf von »jeder Menge wunderschöner militärischer Ausrüstung«.

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