09. Oktober 2017, 22:06 Uhr

Rätselhaft und bizarr bis heute

09. Oktober 2017, 22:06 Uhr
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Von DPA
Barschel

»Gefängnis für Dr. Uwe Barschel?« – Mit dieser Frage auf der Titelseite erscheint der »Spiegel« am 12. Oktober 1987. Dazu das Foto eines entsetzten ehemaligen Kieler Ministerpräsidenten, die Hand auf der Brust. Der CDU-Politiker ist schon seit dem Abend des 10. Oktober tot. Am 11. Oktober fand ein »Stern«-Reporter Barschels Leiche. Barschel lag bekleidet in der Badewanne des Hotelzimmers im Genfer Hotel Beau-Rivage, das der kurz zuvor zurückgetretene Politiker auf der Rückreise von Gran Canaria bezogen hatte.

Ob der 43-Jährige aus eigenem Willen starb oder ermordet wurde, steht bis heute nicht zweifelsfrei fest. Je mehr Zeit vergangen ist, desto mehr hat sich das Glaubensbild in Richtung Mord verschoben.

Die Vorgeschichte: Am 6. September 1987, eine Woche vor der Landtagswahl, berichtet der »Spiegel«, Detektive hätten im Auftrag unbekannter Hintermänner SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm bespitzelt. Gefälschte Unterlagen über ihn seien anonym zur Steuerfahndung gelangt. Eine Woche später zitiert das Magazin aus einer eidesstattlichen Versicherung des Staatskanzleireferenten Reiner Pfeiffer: Barschel selbst habe Steueranzeige und Bespitzelung angeordnet, Letzteres, um den Verdacht zu erhärten, Engholm sei homosexuell und führe dennoch »ein ausschweifendes Leben mit dem weiblichen Geschlecht«. Barschel sagt: Alles »erstunken und erlogen«. Der CDU-Politiker tritt schließlich unter riesigem Druck zurück. Am 10. Oktober ist er tot. Fest steht, dass er einen verhängnisvollen Medikamentencocktail im Körper hatte. Ob er das letztlich tödliche Mittel noch selbst zu sich nehmen konnte, blieb unter Rechtsmedizinern umstritten.

Zum 30. Todestag legt sich ein weiteres Buch auf Mord fest, von dem die Barschel-Familie von Anfang an und Ex-Chefermittler Heinrich Wille seit Langem überzeugt waren. »Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?« – unter diesem Titel bringen der Kieler Journalist Patrik Baab und der amerikanische Politologe Robert E. Harkavy Barschels Fall mit dem Tod des früheren schwedischen Ministerpräsidenten und eines Ex-CIA-Chefs in Zusammenhang. »Heute ist klar: Uwe Barschel hatte Kontakt zum US-Geheimdienst«, heißt es in dem Buch, das viele Hintergründe über Barschel bündelt, rätselhafte Reisen inklusive.

Kontakt zu Geheimdiensten

»Aus meiner Sicht sind einige seiner Besuche in der DDR und CSSR (Tschechoslowakei) unerklärbar. Sie passen schlicht und einfach nicht in die Verhaltensweise eines westdeutschen Ministerpräsidenten zur Zeit des Kalten Krieges«, zitieren die Autoren den früheren Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten und Verteidigungsexperten Norbert Gansel. Ein konkretes Motiv oder einen Tatverdächtigen kann bis heute niemand benennen. Das Foto auf dem spektakulären »Spiegel«-Cover hat dpa-Reporter Carsten Rehder gemacht. So erinnert er sich 30 Jahre später: »Das Foto entstand bei einer Pressekonferenz in Barschels Wohnort Mölln. Es ging um Anschuldigungen einer Angehörigen eines Unglücksopfers, Barschel habe am 31. Mai bei einem Anflug auf Lübeck den Piloten zur Landung gedrängt, obwohl die Witterungsbedingungen sehr schlecht waren.« Die Maschine war abgestürzt, als einziger von vier Insassen überlebte Barschel schwer verletzt. Rehder stellt eines klar: »Das Foto von Mölln wird oft zur Illustration des berühmten Barschel-Ehrenworts verwendet, obwohl es nicht bei der legendären Pressekonferenz am 18. September entstanden istr, bei der er alle Anschuldigungen zur Kieler Affäre zurückwies.«



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