Hintergrund

Nordkorea prüft Trump

Nordkoreas neuer Raketentest ist weltweit auf Empörung getroffen. Machthaber Kim Jong Un testet damit auch den neuen US-Präsidenten Donald Trump.
13. Februar 2017, 19:39 Uhr
DPA

Nordkoreas neuer Raketentest ist weltweit auf Empörung getroffen. Machthaber Kim Jong Un testet damit auch den neuen US-Präsidenten Donald Trump.

? Wen können Nordkoreas Raketen treffen?

Nordkorea arbeitet an Langstreckenraketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können. Es gilt als unwahrscheinlich, dass das Land schon so weit ist. Dafür müsste etwa die Rakete vom Typ Taepodong-2 mit einer geschätzten Reichweite von 6000 bis 9000 Kilometern weiterentwickelt werden. Ähnliches gilt für die Mittelstreckenrakete vom Typ Musudan mit 4000 Kilometern, die Südkorea, Japan und die amerikanische Insel Guam erreichen könnten. Die Nodong oder Rodong-Raketen können neben Südkorea auch Japan erreichen.

? Gegen wen richtet sich der jetzige Raketentest?

Südkorea wertete den Test als Demonstration der Stärke gegenüber Donald Trump. Damit solle die neue US-Regierung in Washington auf den Prüfstand gestellt werden. Es ist auch von einem »Warnschuss« in Richtung Washington die Rede.

? Wie reagieren die USA auf den Raketentest?

Trumps erste Reaktion wurde als zurückhaltend gewertet. An der Seite von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe in Florida sagte Trump nur, dass die USA ihrem Verbündeten »100 Prozent« zur Seite stehen würden. Kommentatoren denken, dass seine Nordkorea-Politik noch nicht ausgearbeitet ist. Zudem stellte der Test keine unmittelbare Bedrohung für die USA dar. Viele fragen sich jetzt, wie Trump auf Pjöngjang reagiert, um zu sehen, wie sich die neue US-Regierung auch bei anderen außenpolitischen Herausforderungen verhalten dürfte.

? Welche Strafen hat der Sicherheitsrat verhängt?

Die Sanktionen sollen verhindern, dass sich Nordkorea finanzielle Mittel für sein Atom- und Raketenprogramm verschafft. Nach dem fünften Atomtest im September hatte das UN-Gremium die Strafmaßnahmen noch einmal verschärft. Dazu gehören jetzt auch Exportverbote für Metallrohstoffe wie Kupfer und Silber. Zudem wurde eine Obergrenze für Kohleexporte nach China festgelegt. Frühere Resolutionen sahen Inspektionen von Frachtgutlieferungen von und nach Nordkorea sowie ein Verkaufsverbot für Waffen, Flugzeug- und Raketentreibstoff vor.

? Warum ziehen die Sanktionen nicht?

Die UN-Sanktionen sind nur soweit wirksam, wie die Mitgliedstaaten sie umsetzen. Eine genaue Kontrolle ist schwierig. Peking wird vorgeworfen, die Sanktionen nicht strikt umzusetzen.

? Warum scheint China halbherzig?

Peking fürchtet einen Kollaps mit Flüchtlingsströmen über die Grenze. Ein Zusammenbruch wie einst in der DDR könnte eine Wiedervereinigung mit Südkorea zur Folge haben, womit US-Truppen an der Grenze zu China stehen könnten. Peking will keinen Krieg, keine Instabilität und auch keine Atomwaffen – in dieser Reihenfolge. Peking fordert, dass sich die USA mit Nordkorea an einen Tisch setzen.

? Wie ist das Verhältnis zwischen Peking und Pjöngjang?

Von der Bruderschaft, die beide Nachbarn seit dem gemeinsamen Waffengang im Korea-Krieg (1950-53) pflegten, ist nichts mehr zu spüren. Die Atom- und Raketentests sind Affronts gegenüber China. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat sich noch nie mit Kim Jong Un getroffen.

? Welche Rolle spielt Japan in dieser Angelegenheit?

Japan sieht sich durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm direkt bedroht. Japan ist auf den Schutz der USA angewiesen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/hintergrund/Hintergrund-Nordkorea-prueft-Trump;art476,210429

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