Hintergrund

Mit wem nach Jamaika?

Sollte es mit CDU, CSU, FDP und Grünen klappen, wer würde dann Deutschland im Kabinett Merkel regieren?
25. September 2017, 20:05 Uhr
DPA

Sollte es mit CDU, CSU, FDP und Grünen klappen, wer würde dann Deutschland im Kabinett Merkel regieren?

Angela Merkel (CDU/63): Bleibt Kanzlerin. Auch wenn ihre CDU über acht Prozentpunkte gegenüber 2013 einbüßte.

Wolfgang Schäuble (CDU/75): Die FDP dürfte in Koalitionsverhandlungen Anspruch auf das Finanzministerium erheben, um sich gegen das Kanzleramt zu behaupten. Schäuble könnte auch Außenminister werden.

Ursula von der Leyen (CDU/58): Ihr PR-getriebener Umgang beim Bundeswehrskandal um rechte Umtriebe in der Truppe hat ihr Macherin-Image angekratzt. Intern ist zu hören, das wichtige Thema Umwelt könnte auf sie zulaufen. Das können die Grünen auf keinen Fall mitmachen.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU/45): Vor sechs Jahren trat er wegen seiner Schummel-Doktorarbeit als Verteidigungsminister zurück. Jetzt ist »KT« Seehofers Geheimwaffe, um Markus Söder in Schach zu halten. Außenminister zu sein, fände der USA-Experte cool, aber das dürfte kaum klappen. Dann eher wieder Wirtschaftsminister mit viel Digitalem. Aber ist die Zeit für ein Kabinetts-Comeback wirklich reif?

Peter Altmaier (CDU/59): Merkels Allzweckwaffe. In der Union wird ihm nachgesagt, ein Auge auf den Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion geworfen zu haben. Aber Parteifreund Volker Kauder (68) soll nach dem Vorschlag von CSU-Chef Horst Seehofer und Merkel weiterhin Fraktionschef sein. Er führt die Fraktionsgemeinschaft der Schwesterparteien seit 2005 – so lange wie keiner vor ihm.

Joachim Herrmann (CSU/61): Vier Jahre nach Hans-Peter Friedrich soll wieder ein CSU-Mann im Innenministerium für »law and order« in der Republik sorgen. Für mögliche Koalitionspartner FDP und Grüne dürfte Herrmann eine Reizfigur sein.

Thomas de Maizière (CDU/63): In der Flüchtlingskrise geriet der Innenminister unter Druck, weil es im zuständigen Bundesamt nicht rundlief. Sollte Finanzminister Schäuble doch seinen Posten räumen, könnte de Maizière das Haus der Zahlen reizen.

Christian Lindner (FDP/38): Der FDP-Chef trat in der »Elefantenrunde« nach der Wahl selbstbewusst auf. Ganz geheuer scheint ihm die Rolle als einer der Königsmacher von Jamaika aber nicht zu sein. Lindner wurde bereits zum Fraktionschef gewählt.

Wolfgang Kubicki (FDP/65): Das einstige »Enfant terrible« der FDP verlässt sein heiß geliebtes Schleswig-Holstein, um in den Bundestag zu kommen. Nach Lindner ist er unangefochten die Nummer zwei bei den Liberalen. Auch er liebäugelte mit dem Fraktionsvorsitz, schlug nun aber Lindner vor. Der Steuerstrafanwalt traut sich auch das Finanzministerium zu.

Katja Suding (FDP/41): Die Hamburger FDP-Frontfrau könnte für das Bildungsressort infrage kommen, im Wahlkampf trommelten die Liberalen, Deutschland brauche die weltbeste Bildung. Ihre interne Konkurrentin um den Posten ist Generalsekretärin Nicola Beer.

Cem Özdemir (Grüne/51): Dass der Parteichef diesen Job nicht weitermachen will, hat er schon gesagt. Gilt schon lange als möglicher Außenminister, aber als Nummer drei in einer Jamaika-Koalition dürfte das fraglich sein. Sollten nur zwei Ministerien an die Ökopartei gehen, könnte Özdemir kaum mit Co-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt ins Kabinett – der linke Parteiflügel würde einen Posten beanspruchen. In so einem Fall käme der Fraktionsvorsitz für ihn infrage.

Katrin Göring-Eckardt (Grüne/51): Im Wahlkampf hat die Spitzenkandidatin ein »Superministerium« für Verbraucher-, Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung gefordert – und das solle grün besetzt werden. Von ihr selbst? In Kombination mit dem Agrar- oder Verkehrsministerium, das zum Beispiel der linksgrüne Fraktionschef Anton Hofreiter besetzen könnte, könnte die Ökopartei dann etwas bewegen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/hintergrund/Hintergrund-Mit-wem-nach-Jamaika;art476,320415

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