17. Oktober 2017, 20:25 Uhr

Jeden Tag fünf Lügen

17. Oktober 2017, 20:25 Uhr
In typischer Pose: US-Präsident Donald Trump. (Foto: dpa)

Der Korrespondent des Fernsehsenders NBC, Peter Alexander, erwischte den Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses »inflagranti«. »Wie können Sie diese Behauptung aufstellen«, stellte er Trump, nachdem dieser bei einer Live-Pressekonferenz behauptete, Barack Obama und andere Präsidenten hätten in der Vergangenheit den Angehörigen gefallener US-Soldaten nicht persönlich kondoliert. Eine glatte Falschaussage, mit der Trump davon abzulenken versuchte, dass er seit dem Tod von vier US-Soldaten in Niger fünfmal Golfen ging und mehrere Male über den mangelnden Respekt für das Sternenbanner twitterte, aber keine Zeit dafür fand, den Familien der Gefallenen sein Mitgefühl auszudrücken.

Auf frischer Tat von dem Reporter ertappt, ruderte der Präsident zurück. Erst indem er seine Behauptung auf »jemand« schiebt, der ihm gesagt habe, Obama habe nicht angerufen, oder »nicht oft«. Bis hin zu: »Ich weiß nicht, ob er es getan hat.« Tatsächlich sind die Archive voll mit Berichten über seinen Vorgänger, der wiederholt zur Dover Air Force Base reiste, wo die Familien auf die sterblichen Überreste ihrer in Übersee gefallenen Söhne und Töchter warten. »Stoppen Sie die verdammten Lügen«, empört sich Eric Holder, der als Justizminister Obama bei einigen Kondolenzbesuchen begleitet hatte. Selbst der für den Irak-Krieg verantwortliche George W. Bush wich der schwierigen Aufgabe nicht aus. »Als mein Bruder getötet wurde, ertrug es Bush, wie ich ihn anschrie«, erinnert sich Delilia O’Malley. »Er nahm mich anschließend in den Arm.«

Trumps Lüge im Rosengarten war selbst einer Öffentlichkeit zu viel, die nach neun Monaten Trump im Weißen Haus an einen Präsidenten gewöhnt ist, der mit der Wahrheit auf dem Kriegsfuß steht. Laut letztem Stand des »Fact Checkers« der Washington Post kommt der Präsident seit Amtsantritt auf 1318 falsche oder irreführende Aussagen. Das entspricht fast fünf Unwahrheiten am Tag. Eine kleine Auswahl der vergangenen Tage:

Unwahrheit als Routine

Zur Vermarktung seiner Steuerreform behauptet Trump, die USA seien das Land mit einer der höchsten Steuerlasten der Welt. Richtig ist, dass in kaum einem Industrieland so wenig Steuern anfallen wie hier. Nobelpreisträger Paul Krugman schreibt, er habe nicht genügend Platz, die ganzen falschen Behauptungen zu widerlegen. Trumps Strategie »beruht ausschließlich auf Lügen«.

Die Nichtbestätigung des Atomabkommens mit Iran begründete Trump mit »mehreren Verletzungen der Vereinbarung«. Die Faktenprüfer von FactCheck.Org weisen darauf hin, dass dies nicht der Befund der Internationalen Atomenergie- Behörde ist, die mit ihren Inspektoren über die Einhaltung des Abkommens wacht. »Selbst in seiner eigenen Regierung heißt es, Iran halte sich an die Auflagen.«

Nach der Warnung Bob Corkers, Trumps Politik könnte auf »den Weg zu einem Dritten Weltkrieg« führen, behauptete der Präsident, »little Bob« habe ihn um seine Unterstützung seiner Wiederwahl in Tennessee »angebettelt«. Tatsächlich rief Trump eine Woche vor dem Twitter-Krieg mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses noch in dessen Büro an und fragte ihn, ob er seine Entscheidung aufzuhören, noch einmal überdenken wolle. Trumps Beraterin Kellyanne Conway prägte für diese Routine des Präsidenten zu Beginn von dessen Amtszeit schnell den Begriff der »alternativen Fakten«. Deren ungebremste Verbreitung wird nach Ansicht von Experten durch die Fragmentierung der Medien begünstigt.

Anhänger dennoch treu

Lawrence Douglas vom Amherst College weist darauf hin, wie verheerend darüber hinaus die gezielte Unterminierung der mit der Aufgabe der Wahrheitssuche befassten freien Medien und unabhängigen Gerichte durch den Präsidenten ist. Ein weiterer Unterschied zwischen Trump und seinen Vorgängern besteht laut Douglas darin, dass er nicht nur seine Gegner belügt. »Er führt auch seine Anhänger hinters Licht.« Laut PolitFact, einer anderen Faktenprüfer-Seite sind nur 20 Prozent der Aussagen des Präsidenten stimmig. Dass dies rund einem Drittel der US-Wähler egal ist, gehört zu den Trends, die Analysten wie die Historikerin Doris Goodwin beunruhigen.

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