24. August 2017, 20:54 Uhr

Immer seltener vorm Altar

24. August 2017, 20:54 Uhr
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Von DPA

Es soll vorkommen, dass Zweifler ihr Herz für die Kirche wiederentdecken, wenn sie heiraten wollen. Als Brautpaar durch das Kirchenschiff zum Traualtar zu schreiten, kann eben doch ein Stück romantischer sein, als nur auf dem Standesamt die Ringe zu tauschen. Die weitaus meisten Hochzeitspaare in Deutschland verzichten mittlerweile aber auf das kirchliche Ambiente. Ein Blick in die Statistik zeigt: Selbst Kirchenmitglieder entscheiden sich häufig dagegen. Frei nach dem Motto: »Drum prüfe, wer sich ewig bindet!«

2015 verzeichneten sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche jeweils etwa 44 000 Trauungen, zusammen 88 000. Insgesamt gab es in Deutschland 400 000 Eheschließungen. Man kann also sagen, dass knapp jeder Vierte kirchlich heiratet.

Minus von zwölf Prozent

Eigentlich müsste die Zahl höher liegen, denn die Mehrheit der Deutschen gehört immer noch einer der beiden großen Konfessionen an: Annähernd 30 Prozent sind katholisch, fast ebenso viele evangelisch. Von kleinen Ausreißern abgesehen, geht die Zahl der kirchlichen Trauungen seit vielen Jahren zurück. Sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten fiel sie von 2005 bis 2015 um zwölf Prozent. »Die Zahl der kirchlichen Trauungen in Deutschland liegt deutlich hinter der Zahl der zivilrechtlichen Trauungen«, räumt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, ein. Viele Christen heirateten zwar standesamtlich, nicht aber kirchlich. Die Gründe dafür seien vielfältig. Zum Teil sei es sicher einfach so, dass man zwar noch Mitglied der Kirche sei, aber eigentlich nicht mehr viel damit zu tun habe, glaubt Kopp. Andere hätten Bedenken, weil eine Ehe aus Sicht ihrer Kirche unauflöslich ist. Stichwort »bis dass der Tod euch scheidet«. Wieder andere heiraten zum zweiten Mal – und dann zumindest bei den Katholiken zwangsläufig ohne den Segen der Kirche.

Aufwendige Feier

Mit einer kirchlichen Hochzeit sei zudem oft auch ein besonders aufwendiger Rahmen verbunden, sagt Kerstin Kipp, Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vielen erscheine das unerschwinglich. »Zum anderen strecken viele die Zeitleiste, heiraten also zunächst standesamtlich und planen dann geraume Zeit später erst die kirchliche Trauung. Natürlich kommt es dann nicht in jedem Fall auch wirklich dazu.«

Verkompliziert wird die Sache dadurch, dass oft nur noch einer der beiden Partner Mitglied der Kirche ist. Zum Beispiel waren von den insgesamt 44 000 katholischen Trauungen im Jahr 2015 nur bei 28 000 beide Partner katholisch. Das ist im Prinzip kein Problem: Nicht nur Protestanten, auch Andersgläubige wie Muslime oder auch Atheisten werden von der katholischen Kirche akzeptiert. »Man braucht dann die Zustimmung des Bistums«, erläutert Burkhard Knipping, Referent für Ehepastoral beim Erzbistum Köln.



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