10. Juli 2017, 19:03 Uhr

Harter Kampf nach der Schlacht

10. Juli 2017, 19:03 Uhr
Iraker feiern auf dem Tahrir-Platz in Bagdad in Erwartung der offiziellen Nachricht über die Niederlage der Terrormiliz Islamischer Staat in Mossul. (Foto: dpa)

Iraks Regierung feiert ihre Truppen. Nach rund neun Monaten haben die Armee und ihre Verbündeten die IS-Hochburg Mossul fast vollständig eingenommen. Doch dieser Sieg ist, wenn überhaupt, nur ein erster Schritt in Richtung einer besseren Zukunft dieses geschundenen Landes. Der Irak steht vor massiven Problemen. Nur wenn sie gelöst werden, kann das Land befriedet werden. Ansonsten droht sogar ein weiterer Zerfall des ohnehin schwachen Staates.

Problem 1: Der Islamische Staat – Die Extremisten haben zwar ihre größte Hochburg im Irak verloren, sind aber noch lange nicht besiegt. Iraks Regierungskräfte müssen noch die Städte Tel Afar und Hawidscha einnehmen, auch an der Grenze zu Syrien stehen weiterhin IS-Kämpfer. Aber selbst wenn die Extremisten von dort vertrieben werden, ist der IS nicht zerschlagen. Die verbliebenen Dschihadisten dürften untertauchen und auf eine Guerilla-Taktik setzen. Zu Terroranschlägen sind sie ebenfalls weiterhin in der Lage. Auch die Ideologie des IS lebt weiter.

Problem 2: Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten – Die Schiiten stellen nicht nur die Bevölkerungsmehrheit, sondern dominieren auch die Regierung und die Ressourcen des ölreichen Landes. Die Sunniten – unter dem Diktator Saddam Hussein an der Macht – beklagen sich seit Langem, dass sie an den Rand gedrängt werden. Solange die Sunniten nicht stärker eingebunden werden und es keinen Ausgleich zwischen den beiden größten Konfessionen gibt, wird der sunnitische IS Sympathien in der Bevölkerung finden. Viele Sunniten wünschen sich autonome Regionen nach dem Vorbild der kurdischen Gebiete im Norden des Landes.

Problem 3: Die schiitischen Milizen – Sie sind neben der Armee die militärisch mächtigste Gruppe im Land und haben starken Einfluss auf die Politik. Offiziell sind sie in die Sicherheitsstrukturen der Regierung eingebunden, tatsächlich aber führen sie ein Eigenleben, das vom großen Nachbarn, dem schiitischen Iran, finanziert und damit auch stark bestimmt wird. Mit dem Kampf gegen den IS sind die Milizen bis weit in sunnitisches Kernland vorgedrungen. So kontrollieren sie das Umland von Mossul, für viele Sunniten eine Provokation.

Problem 4: Der Wiederaufbau und die Hilfe für Vertriebene – Im Kampf gegen den IS sind große Regionen des Landes verwüstet worden. Besonders schwer hat es etwa den Westen Mossuls getroffen, wo ganze Viertel in Trümmern liegen. Die UN schätzen, dass sie allein dort bis zu 400 Millionen US-Dollar (358 Millionen Euro) für die wichtigsten Maßnahmen zum Wiederaufbau der Infrastruktur brauchen. Der Wiederaufbau des ganzen Landes dürfte Milliarden kosten.

Mehr als drei Millionen Menschen sind zudem mittlerweile im Irak vertrieben und brauchen dringend Unterstützung.

Problem 5: Die Korruption – Sie ist ein großes Hindernis für den Wiederaufbau des Landes. Kritiker werfen Vertretern der Regierung und des Staates schon seit Langem vor, sie sähen ihre Hauptaufgabe darin, die eigenen Taschen zu füllen. Im Korruptionsindex von Transparency International steht der Irak auf Rang 166 von 176.

Problem 6: Die umstrittenen Gebiete – Im Norden des Iraks gibt es große Regionen, um die sich die Zentralregierung in Bagdad und die Regierung der kurdischen Autonomiegebiete in Erbil streiten. Kurdische Peschmerga-Kämpfer konnten während der Kämpfe mehrere Gebiete unter Kontrolle bringen, darunter die ölreiche Stadt Kirkuk. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Kurden von dort wieder abrücken.

Problem 7: Das Unabhängigkeitsstreben der Kurden – Bereits jetzt genießen die Kurden in ihren Gebieten im Norden des Iraks große Autonomie. Kurden-Präsident Massud Barsani nutzte den Kampf gegen den IS, um die Abspaltung der Kurden vom Rest des Landes voranzutreiben. Durch die internationalen Waffenlieferungen an die Peschmerga sind die kurdischen Kämpfer aufgewertet worden. Im September wollen die Kurden über die Unabhängigkeit in einem Referendum abstimmen. Zwar dürfte es für einen eigenen kurdischen Staat kaum internationale Anerkennung geben, doch würde ein Ja die Fliehkräfte im Irak stärken.

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