13. Februar 2017, 19:39 Uhr

Der dritte Premier bei Trump

13. Februar 2017, 19:39 Uhr

Wenn der Premierminister Kanadas zum Treffen mit US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus kommt, könnte das eigentlich eine rein nordamerikanische Veranstaltung sein. Die USA und Kanada verbindet eine gemeinsame Grenze, der gemeinsame Handel, bilaterale Fragen. Die rund 730 Kilometer Luftlinie von Ottawa nach Washington lassen sich in einer guten Flugstunde zurücklegen. Doch das Treffen des kanadischen Premiers Justin Trudeau mit Trump scheint ein kniffliger außenpolitischer Schritt zu werden, der Abstimmung und Austausch mit Europa erfordert. Nach der Britin Theresa May und dem Japaner Shinzo Abe war Trudeau gestern der dritte Premier, der Trump seine Aufwartung machte. Seinen Besuch flankieren Telefonate mit Paris und London, eine Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg am Donnerstag und ein Empfang bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin am Freitag. Rückt das französisch geprägte, weltoffene Kanada ein Stück näher an Europa, während Trudeau seine Haltung zum Nachbarn USA neu justiert? Das vermutet jedenfalls die kanadische Nachrichtenagentur CP, die von Absprachen Trudeaus mit »nervösen europäischen Verbündeten« berichtet. Vor rund einer Woche telefonierte er mit Frankreichs Präsidenten François Hollande und mit Großbritanniens Premierministerin Theresa May, die als erste ausländische Regierungschefin mit Trump im Oval Office Platz genommen hatte.

Gut möglich also, dass Trudeau bei der Britin etwas genauer nachhören wollte, wie die Begegnung denn so verlaufen sei. Gut möglich auch, dass Merkel vor einem ersten Treffen mit Trump ihrerseits wissen will, wie Trudeau den Republikaner so einschätzt. Bei dem Mittagessen im Bundeskanzleramt will sie mit Trudeau neben bilateralen Fragen auch über »die internationale Lage« sprechen, heißt es aus Berlin.

Drei volle Wochen nach Trumps Amtsantritt bleiben dies- und jenseits des Atlantiks Fragen zum neuen Mann im Weißen Haus offen. Trudeau dürfte sich an Zeiten des kumpelhaften Miteinanders erinnern, als er und Trumps Vorgänger Barack Obama bei gemeinsamen Auftritten wie Sunny Boys in die Kameras lächelten. Nun muss Trudeau entscheiden: Kuschelkurs oder Konfrontation? Eine gemeinsame Linie mit Partnern in Europa, die sich wie Kanada für grenzüberschreitenden Handel und Einwanderung einsetzen, könnte sich in einer Krise auszahlen.

Behutsamkeit gefragt

Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass Trudeau den von Trump als »unfair« kritisierten grenzübergreifenden Handel wird verteidigen müssen. Chrystia Freeland, die für das Freihandelsabkommen CETA zwischen Kanada und der EU gekämpft hatte, hat er dafür als neue Außenministerin bereits in Position gebracht. Sie und der neue Handelsminister François-Philippe Champagne sollen dafür sorgen, dass das Freihandelsabkommen NAFTA mit den USA und Mexiko unter Trump nicht komplett den Bach runtergeht.

Andererseits darf Trudeau nichts überstürzen. Mögliche Konflikte um NAFTA, Fragen zu gemeinsamer Grenze und Migration, Klimapolitik und dem Bau der Öl-Pipeline Keystone XL muss er behutsam angehen. »Mein Ratschlag ist, sich nicht zu ängstigen, nicht in Panik zu verfallen, cool zu bleiben«, sagt Kanadas früherer Premierminister Brian Mulroney laut einem BBC-Bericht. Rechtlich hätte Trump wohl sogar die Macht, ganz ohne den US-Kongress aus dem seit 1994 geltenden NAFTA-Abkommen auszutreten. Da auch für Trump viel auf dem Spiel steht, ist es jedoch wahrscheinlicher, dass er Druck aufbaut, um einzelne Bedingungen der Vereinbarung neu auszuhandeln. Doch Trump ist in seinen ersten Amtswochen vor allem eines: unberechenbar.

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