06. November 2017, 19:06 Uhr

Der Mann mit der kurzen Lunte

06. November 2017, 19:06 Uhr
Eine Kriegsgegnerin bei einer Demonstration im südkoreanischen Seoul. (Foto: dpa)

Der Mann mit der kurzen Lunte kommt zum Pulverfass. Die Sorgen sind groß, wenn Donald Trump heute seinen Besuch auf der koreanischen Halbinsel beginnt. Sorgen, dass er in Seoul den brandgefährlichen Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm weiter anheizt. Sorgen, dass Nordkorea die physische Nähe des verhassten US-Präsidenten in Südkoreas Hauptstadt nutzen wird, um mit einem neuen Waffentest klarzumachen: Hier gibt niemand klein bei.

In Japan hatte Trump sich auffällig zurückhaltend gegeben. Ein Diplomat wird er nie, aber von »Feuer und Zorn« für Pjöngjang oder »totaler Zerstörung« des Landes war an der Seite des engen Verbündeten Shinzo Abe keine Rede, und auch vor Soldaten nicht. Trotz der leichten Zurückhaltung wird Trump in Südkorea aber nicht nur von freundlichen Gesichtern empfangen werden.

Vor der US-Botschaft in Seoul haben sich Gruppen zu Protesten gegen den Besuch in Stellung gebracht. Auf Plakaten wird Trump als »kriegsverrückt« bezeichnet. Auf der anderen Straßenseite erklärt eine Koalition mit dem Namen »Gemeinschaft südkoreanischer Jugend« den Gwanghwamun-Platz in der Innenstadt als »No- Trump-Zone«. Die Gruppen verlangen Friedensgespräche mit Nordkorea. Bei einer Gegendemonstration heißt der Verband koreanischer Patrioten Trump willkommen und fordert eine Stärkung der Allianz mit den USA. Den mächtigen Mann aus Washington erwarten bange Fragen. Der rhetorische Schlagabtausch zwischen Trump und der international isolierten Führung unter Machthaber Kim Jong Un hat die schlimmsten Befürchtungen ausgelöst.

Nordkorea habe die amerikanischen Verhandlungsführer bisher nur vorgeführt, donnerte Trump Anfang Oktober: »Wir werden tun, was getan werden muss!« Es sind auch Twitter-Beiträge wie dieser, die militärische Aktionen andeuten, die einem potenziellen Angriff Nordkoreas zuvorkommen sollen. Nordkorea rechtfertigt die atomare Rüstung mit einer angeblichen Bedrohung Washingtons. Der Aufbau einer Atomstreitmacht solle der Selbstverteidigung dienen.

Auch deswegen ist der Brief eines Konteradmirals aus dem Pentagon an US-Abgeordnete allseits mit größter Aufmerksamkeit registriert worden. Die einzige Möglichkeit, Nordkoreas Atomprogramm mit absoluter Sicherheit zu lokalisieren und zu zerstören, sei eine Invasion mit Bodentruppen, schrieb Michael J. Dumont aus dem Generalstab. Es werde dann Hunderttausende Tote geben. Also ungefähr das letzte, was alle Krisenbeteiligten sich derzeit vorstellen mögen. Pjöngjang werde auf eine Invasion massiv mit konventionellen, chemischen und biologischen Waffen antworten, schrieb Dumont.

Auch vor diesem Hintergrund wird Trump heute nicht in der ledernen Bomberjacke aufkreuzen, die ihm beim Besuch eines US-Stützpunktes in Japan geschenkt wurde. Er wird aber seine Linie klar machen: »Kein Diktator, kein Regime und kein Land sollte jemals Amerikas Entschlossenheit unterschätzen«, sagte er kurz vor seinem Besuch in Südkorea. Den Adressaten nannte er nicht. Musste er auch nicht.

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