08. August 2017, 18:07 Uhr

Der Aufreger Guillaume-Affäre

08. August 2017, 18:07 Uhr
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Aus der Redaktion
Brandt (r.) gratuliert seinem Nachfolger Helmut Schmidt. Nach dem Rücktritt Brandts wegen der Guillaume-Affäre wird 1974 Ex-Finanzminister Schmidt Kanzler. (Foto: dpa)

Zwei Legislaturperioden mit identischer Regierungskoalition. Hinter den Kulissen jedoch geht es hoch her, die vermeintliche Kontinuität täuscht: Es sind äußerst turbulente Zeiten. Die Ostpolitik Willy Brandts schlägt Wellen. Es gibt ein Misstrauensvotum, eine Spionage-Affäre, die Vertrauensfrage – und einen Kanzlerwechsel mittendrin.

1972

Ergebnisse: CDU/CSU 44,9 Prozent, SPD 45,8 Prozent, FDP 8,4 Prozent, Sonstige 0,9 Prozent.

Regierungskoalition: SPD und FDP.

Bundeskanzler: Willy Brandt (SPD), ab 1974 Helmut Schmidt (SPD).

Themen: Die Ostpolitik der sozialliberalen Regierung sorgt für Streit. Gegner werfen Willy Brandt den Ausverkauf deutscher Interessen vor. Die CDU versucht im April 1972 vergeblich, Brandt zu stürzen und mittels eines konstruktiven Misstrauensvotums Rainer Barzel zum Kanzler zu wählen. Brandt stellt später die Vertrauensfrage mit dem Ziel, sie zu verlieren: Bei einer Neuwahl sollen die Wähler die Ostpolitik bestätigen. Die FDP bekennt sich zur Koalition mit der SPD. Die Union setzt auf das Thema Wirtschaft und versucht, den Rücktritt von SPD-Finanzminister Schiller zu nutzen. Schriftsteller und Künstler werben für die SPD und den charismatischen Kanzler: »Willy wählen!« Die Wähler sind polarisiert, über 90 Prozent gehen zur Wahl. Die SPD wird erstmals stärkste Partei.

1976

Ergebnisse: CDU/CSU 48,6 Prozent, SPD 42,2 Prozent, FDP 7,3 Prozent, Sonstige 0,9 Prozent.

Regierungskoalition: SPD und FDP.

Bundeskanzler: Helmut Schmidt (SPD).

Themen: Die Weltwirtschaftskrise nach dem Ölschock 1973 wirkt nach: Arbeitslosigkeit und geringeres Wachstum sorgen für erste Schwierigkeiten, Sozialleistungen zu finanzieren. Die innere Sicherheit ist wegen des Links-terrorismus ein weiteres Thema. Für die SPD tritt Kanzer Helmut Schmidt an, der 1974 den über die Guillaume-Affäre gestürzten Willy Brandt abgelöst hat. Die SPD setzt auf Schmidt als Wirtschaftsexperte und »Macher«. Die CDU polarisiert mit dem Slogan »Freiheit statt Sozialismus«, Kanzlerkandidat Helmut Kohl verspricht soziale Sicherheit. Die Spitzenkandidaten treffen vor der Wahl zu einer Diskussion im Fernsehen aufeinander. Die FDP wirbt mit dem neuen Vorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Die CDU wird wieder stärkste Partei, die Koalition behält jedoch die Mehrheit. (bpb, pi, dpa)



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