06. April 2017, 22:09 Uhr

Berlin und Peking in einem Boot?

06. April 2017, 22:09 Uhr

Zwei der mächtigsten Männer der Welt kommen zusammen, Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump. Sie vertreten die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Ein Top-Thema: die Handelspolitik. Das Treffen in Florida betrifft auch Deutschland. Denn Deutschland gehört wie China zu den wichtigsten Handelspartnern der USA – und wie China hat auch Deutschland im Handel mit den Amerikanern einen riesigen Überschuss.

Das bedeutet, es werden viel mehr deutsche Waren nach Amerika exportiert als amerikanische Waren nach Deutschland. Die USA haben ein riesiges Handelsdefizit, die Regierung wirft China, Deutschland und anderen Ländern »unfaire« Praktiken zulasten der Amerikaner vor.

Sitzen Berlin und Peking also in einem Boot? »Deutschland und China befinden sich gegenüber den USA in einer ähnlich schwierigen Situation«, sagt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Beide Länder hätten mit die höchsten bilateralen Handelsüberschüsse mit den USA. Trump habe China und Deutschland als »Gegner« bestimmt, da beide sehr stark von Exporten abhängig sind.

»Deshalb ist es vor allem im Interesse von China und Deutschland, für offene Grenzen und für den Freihandel zu plädieren.« In einem möglichen Handelskonflikt mit den USA bräuchten beide starke Partner – Deutschland vor allem ein geeintes und starkes Europa, China wiederum Europa. Chinas Präsident werde versuchen, Trump davon abzubringen, mit Strafzöllen und anderen Eingriffen gegen den chinesischen Handelsüberschuss mit den USA vorzugehen, sagt der Präsident des ifo-Instituts, Clemens Fuest. Doch selbst falls Xi Jinping es gelänge, Sanktionen gegen China zu verhindern, bedeute das für Deutschland keine Entwarnung. Denn: »Trump steht unter Druck, seine Wahlkampfversprechen einzulösen«, sagt Fuest. »Maßnahmen gegen Importe aus anderen Ländern gehören leider dazu.«

Der US-Präsident Trump nämlich hat unter dem Slogan »America first« zum Beispiel versprochen, wieder mehr Industrie-Jobs zu schaffen – gerade im »Rust Belt« (Rostgürtel), jenem ehemals blühenden Industriegürtel mit Städten wie Detroit, der heute in großen Teilen brachliegt.

»Wenn Trump seine Wahlversprechen umsetzt und Handelsschranken gegen China errichtet, dann ist zu erwarten, dass Peking Gegenmaßnahmen trifft und möglicherweise eine Eskalationsspirale in Richtung Handelskrieg in Gang gesetzt wird«, sagt Björn Conrad vom Berliner China-Institut Merics. »Die USA gefährden mit ihrer derzeitigen Politik die Dynamik des gesamten globalen Handels, daran kann auch Deutschland als Exportnation nicht interessiert sein.« Deutschland brauche verlässliche Partner, und dabei gewinne China im Sinne einer »Allianz als Handelsstaaten« an Bedeutung.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
  • Donald Trump
  • Xi Jinping
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen