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Zahl der Toten steigt

London (dpa/jwi). Bei dem katastrophalen Brand in einem Londoner Hochhaus sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Zuvor hatten die Behörden nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Todesopfer noch in den dreistelligen Bereich steigen könnte. Berichten zufolge lebten zwischen 400 und 600 Menschen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau. In dem Gebäude war am Mittwoch ein gewaltiges Feuer ausgebrochen. Dutzende Menschen wurden von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht.
16. Juni 2017, 22:14 Uhr
DPA
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Königin Elizabeth II. spricht im Westway-Sportzentrum in London mit Feuerwehrleuten. Das Sportzentrum dient als provisorische Unterkunft für Menschen, die beim Brand des Grenfell Tower obdachlos geworden waren. (Foto: dpa)

London (dpa/jwi). Bei dem katastrophalen Brand in einem Londoner Hochhaus sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Zuvor hatten die Behörden nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Todesopfer noch in den dreistelligen Bereich steigen könnte. Berichten zufolge lebten zwischen 400 und 600 Menschen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau. In dem Gebäude war am Mittwoch ein gewaltiges Feuer ausgebrochen. Dutzende Menschen wurden von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht.

Die Brandursache war weiter unklar. Die Polizei geht aber derzeit nicht von Brandstiftung aus. »Es gibt zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise darauf, dass das Feuer mit Absicht gelegt wurde«, sagte Stuart Cundy von Scotland Yard. Die Bergungsarbeiten könnten sich hinziehen. »Das Gebäude selbst ist in gefährlichem Zustand«, so Cundy. Es werde sehr lange dauern, bis die Spezialkräfte von Polizei und Feuerwehr den Sozialbau vollständig durchsucht und alle Opfer geborgen hätten. Freunde und Verwandte suchen mit Postern und in den sozialen Medien zunehmend verzweifelt nach Vermissten. Deren genaue Zahl konnten die Behörden noch nicht genau sagen.

24 Menschen wurden am Freitag noch in Krankenhäusern der britischen Hauptstadt behandelt. Die Lage von zwölf Patienten sei derzeit kritisch, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Die Feuerwehr blieb auch am gestrigen Freitag im Einsatz. Rettungsteams suchten mit Drohnen und Spürhunden nach weiteren Opfern. Alle Bewohner des Hochhauses sollen bis zum Wochenende eine neue Wohnung erhalten, sagte Megan Hession von der Bezirksverwaltung in Kensington und Chelsea. Zahlreiche Menschen hatten auch die vergangene Nacht noch in Turnhallen und Hotels verbracht.

Queen Elizabeth II. besuchte am Freitagmittag zusammen mit ihrem Enkel Prinz William die Unglücksstelle in West-London. Theresa May besuchte Opfer des Unglücks im Krankenhaus. Die Premierministerin war zuvor heftig in die Kritik geraten, weil sie bei ihrem Besuch am Grenfell Tower am Donnerstag nicht mit Opfern des Unglücks gesprochen hatte. May verzichtete auf den Kontakt mit den Angehörigen von Opfern, weil sie sich ausrechnen konnte, was sie zu hören bekommen hätte. Die Wut in Nord-Kensington wächst. Die Menschen sind empört, weil sie sich im Stich gelassen fühlen von kommunalen Politikern, denen sie seit Jahren gesagt haben, dass es beim Brandschutz des Hochhauses gravierende Mängel gab. Sie denken auch, dass die Austeritätspolitik der konservativen Regierung in den letzten sieben Jahren dazu geführt hatte, dass in den sozialen Wohnungsbau nicht mehr investiert wurde.

Proteste gegen Regierung

Am späten Freitagnachmittag haben Tausende Menschen bei Protesten in London ihrer Wut über die Brandkatastrophe Luft gemacht. Hunderte Demonstranten versammelten sich vor dem Rathaus im Bezirk Kensington und Chelsea und forderten Antworten von den Behörden im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe. Später weiteten sich die Demonstrationen dann zu Protesten gegen die britische Regierung aus. Mehrere Gruppen von Demonstranten versammelten sich am Abend in Kensington in der Nähe des Grenfell Tower sowie im Regierungsbezirk Westminster. Zuvor waren wütende Demonstranten in das Bezirksrathaus in Kensington eingedrungen. Sie wurden von Polizei und Rettungskräften zurückgehalten. Später verlagerten sie ihre Proteste an den Brandort.

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