18. September 2017, 19:52 Uhr

Wirbel um Wiesn-Mahnung

18. September 2017, 19:52 Uhr
Auf der Wiesn gibt es den traditionellen Gay-Sonntag, bei dem auch die eine oder andere Dragqueen dabei ist. (Foto: dpa)

München (dpa). Auf dem Oktoberfest feiern sie einträchtig zusammen: unterschiedliche Hautfarben und Nationalitäten, Junge und Alte, Schwule und Heteros. Die Münchner sind stolz auf ihre Wiesn, die Menschen im Bierzelt vereint, egal, wo sie herkommen. Doch ausgerechnet für die Wiesn warnt nun eine Internet-Seite Schwule: Sie sollten sich lieber etwas zurücknehmen. »Nicht jeder Besucher des Oktoberfests ist so tolerant, dass er sich über schwule Männerpaare freuen kann«, mahnt »oktoberfestportal.de«, das neben den offiziellen Seiten der Stadt und anderen Portalen Tipps zum Oktoberfest gibt – und auch eine Seite »rosawiesn.de« mit Terminen bestückt.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck und die Münchner Grünen-Chefin Gudrun Lux wandten sich in einem besorgten Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Es könne nicht sein, dass Schwule und Lesben das größte deutsche Volksfest nicht gefahrlos besuchen könnten. »Auf der Wiesn darf kein Platz sein für Homosexuellenfeindlichkeit.« Wie die Macher der Seite zu ihrer Warnung kamen, dazu wollten sie sich auf Anfrage nicht äußern. Sie rieten schwulen und lesbischen Besuchern aber, sie sollten »Augen und Ohren offen halten, ob Ihr für Gesprächsstoff sorgt. Das Bierzelt ist jedenfalls nicht der richtige Ort, um den Menschen Begriffe wie Toleranz und Gleichberechtigung zu erklären.«

Thomas Niederbühl, schwuler Münchner Stadtrat von der Rosa Liste, sieht die Sache entspannt. »Ein typisches Beispiel für mich für: gut gemeint und voll daneben«, sagt er. »Sie meinten, sie tun uns etwas Gutes, wenn sie uns zu Zurückhaltung auffordern. Das ist aber Quatsch.« Schließlich wollten sich Schwule nicht verstecken. Und die Wiesn sei keineswegs für besondere Schwulenfeindlichkeit bekannt. »Ich kenne wenig Vorfälle auf der Wiesn, die als homophob zu bezeichnen wären.«

Am ersten Wiesn-Wochenende hatten Schwule und Lesben ausgelassen wie eh und je gefeiert, offensichtlich unbehelligt. Rund 7000 Menschen kamen laut Wirt Georg Heide zum traditionellen Gay-Sonntag in die Bräurosl. Die Gäste, die zu dem schwulen Event aus ganz Europa anreisen, sind gerne gesehen: Sie seien angenehme Gäste und gäben großzügig Trinkgeld, sagte Heide. Oberbürgermeister Reiter kam selbst vorbei und dirigierte die Kapelle für ein Ständchen. Er setzt damit eine Tradition seines Vorgängers Christian Ude fort. »Das Markenzeichen der Stadt München ist es, tolerant, bunt und weltoffen zu sein«, sagte Reiter.

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