13. Juli 2018, 22:27 Uhr

Weniger Geburten und mehr Sterbefälle

13. Juli 2018, 22:27 Uhr
Aufgrund des demografischen Wandels werden seit 1972 weniger Kinder geboren, als Menschen sterben. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa). Immer wenn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden neue Zahlen veröffentlicht, schauen Politiker und Wissenschaftler genau hin. Nach den am Freitag veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen ist die Zahl der Geburten 2017 im Vergleich zum Vorjahr minimal um 7000 Neugeborene (0,9 Prozent) auf 785 000 lebend geborene Kinder zurückgegangen.

Schlüsse kann man aus aus Sicht der Statistiker daraus aber noch nicht ziehen. Denn Angaben wie Alter der Mütter und Staatsangehörigkeit fehlen noch. Die endgültigen und Daten sollen erst im September vorliegen. »Aus den Zahlen kann man noch gar nichts ableiten«, warnt daher auch die Expertin Anja Conradi-Freundschuh vom Statistischen Bundesamt.

2016 freute sich Deutschland mit 792 131 lebend geborenen Kindern und einem Plus von 54 556 Kindern im Vergleich zu 2015 über einen kleinen »Baby-Boom«. Da die Zahl seit 2012 kontinuierlich steigt, sprachen Experten bereits von einer Trendwende bei Geburten.

Deutschland sei inzwischen ein kinderfreundliches Land – ob durch die gute Wirtschaftslage, die Familienpolitik oder schlicht Wickeltische in Restaurant und Museum. Ein anderer Grund sei der gewachsene Anteil der in Deutschland lebenden Migrantinnen, die im Schnitt mehr Kinder bekommen als Frauen ohne Migrationshintergrund.

Der Geburtenrückgang 2017 sei nur minimal, sagte die Statistikerin Conradi-Freundschuh. Zudem sei das Boom-Jahr 2016 ein Schaltjahr gewesen. Das mache rund 2000 Kinder mehr aus, die im Schnitt pro Tag in Deutschland geboren werden.

Trotz aller Euphorie über das Mehr an Geburten: Deutschland befindet sich weiterhin im demografischen Wandel. Wie ununterbrochen seit 1972 starben auch 2017 mehr Menschen als Kinder geboren werden: Laut Statistik stieg die Zahl der Sterbefälle um 2,4 Prozent auf 933 000 Tote gegenüber 2016. Damit lag die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen bei etwa 147 000 Menschen. 2016 betrug der Überschuss an Gestorbenen 119 000 Menschen.

Wie bei den Geburten gab es auch bei den Eheschließungen im vorigen Jahr wenig Veränderung: Rund 407 000 Paare traten nach Angaben der Statistiker vor die Standesbeamten, das waren 3000 Hochzeiten weniger als 2016, ein Minus von 0,7 Prozent.

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