01. September 2017, 22:41 Uhr

Verheerende Naturgewalten

01. September 2017, 22:41 Uhr

Houston (dpa). Während über dem Atlantik schon der nächste Sturm in Richtung Amerika unterwegs ist, wächst in Texas die Furcht vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen von »Harvey«. Mediziner warnen vor Gesundheitsrisiken durch verunreinigtes Wasser. Chemie- und Ölanlagen sind in Gefahr. Die Folgen einer Explosion in einer Chemiefabrik nahe Houston sind noch immer nicht vollends geklärt. »Texas heilt schnell«, twitterte US-Präsident Donald Trump am Freitag. »Aber es ist noch so viel zu tun.« Er wolle am Samstag erneut ins Flutgebiet reisen.

Suche nach Überlebenden

Gouverneur Greg Abott erklärte am Freitag, in einigen Regionen sei längst noch keine Entwarnung zu erwarten. In der Gegend um die Stadt Beaumont im Osten des Bundesstaates lägen die Wasserhöchststände um rund zwei Meter über den bisherigen Rekorden. »Das wird noch eine Woche lang so bleiben«, sagte Abott. Die Stadt werde von außen mit Wasser und Nahrung versorgt. Auch in anderen Gegenden, etwa um die Stadt Richmond, könnten noch Häuser von weiter anschwellenden Flüssen betroffen sein. Auch in Houston, wo das Wasser gestern zurückging waren die Bewohner, die unterhalb von Staudämmen angesiedelt sind, noch nicht in Sicherheit. Die Behörden ließen weiterhin kontrolliert Wasser aus den Seen ab, um für eine Entlastung der Systeme zu sorgen. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA teilte mit, dass mehr als 440 000 Menschen Anträge auf Nothilfe gestellt hätten. Anträge über 79 Millionen Dollar seien bereits genehmigt.

Über die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe gab es weiterhin keine Klarheit. US-Fernsehsender gaben am Freitag die inoffizielle Zahl von 47 Toten an. Die Zahl dürfte weiter steigen. Schätzungen über Sachschäden schossen weiter in die Höhe. Die Experten des Wetterdienstes AccuWeather erwarten inzwischen Schäden in Höhe von 190 Milliarden Dollar. Wie die »Washington Post« meldete, könnte die Regierung knapp sechs Milliarden Dollar an ersten Hilfsgeldern für die Katastrophenschutzbehörde FEMA und Notfallkredite für Kleinunternehmen freigeben. Das Weiße Haus und der Kongress seien darüber im Gespräch, offizielle Beratungen sollen in der nächsten Woche starten.

Der Flugverkehr an den Flughäfen der Region sollte über das Feiertagswochenende in den USA aber wieder aufgenommen werden. »Unser Plan ist, schrittweise zum Normalbetrieb zurückzukehren«, teilten die beiden großen Flughäfen der Stadt Houston am Freitag mit.

Feuerwehrleute hatten am Donnerstagabend damit begonnen, alle Häuser in den Flutregionen abzuklappern und nach Überlebenden zu suchen. »Wir kriegen die Kurve«, sagte Houstons Bürgermeister Sylvester Turner am Freitag. Allerdings spitzte sich die Situation in einigen Gegenden weiter zu. Wie die Stadt Beaumont waren auch weitere Städte wie Inseln völlig von der Außenwelt abgesperrt. In vielen Gegenden von Texas wuchs die Gefahr von Seuchen. Messungen hatten ergeben, dass in der braun-grünen Hochwasserbrühe die Richtwerte etwa für Badequalität um mehr als das Hundertfache überschritten wurden. Dies sei an sich noch keine Gefahr, jedoch ein Indikator, dass es zu Bakterien-Problemen kommen könnte, sagten Mediziner. Wegen der großen Mengen stehenden Wassers wurde auch eine Moskito-Plage befürchtet. Die Tiere können das Zika-Virus übertragen.

Viele Tote in Indien

Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer in der Monsunzeit in Südasien auf mehr als 2100 gestiegen. In Indien lag sie bei 1687, wie die nationale Katastrophenschutzbehörde gestern mitteilte. In Nepal waren es nach Angaben der Vereinten Nationen 159 Tote und in Bangladesch 144. Die Behörden in Pakistan sprachen von 115 Opfern.

Die südasiatische Monsunzeit dauert in der Regel von Juni bis September. In diesem Sommer erlebt die Region den verheerendsten Monsun seit vielen Jahren. Je ein Drittel der Fläche von Nepal und Bangladesch stand Mitte August unter Wasser. Nach Schätzungen von UN und Rotem Kreuz sind in Indien, Nepal und Bangladesch insgesamt rund 40 Millionen Menschen betroffen. Millionen Häuser wurden beschädigt und mehr als eine Million Hektar Anbaufläche zerstört. Die am stärksten betroffenen indischen Regionen sind ländliche Gegenden im Norden und Osten. Auch an der Westküste gab es Opfer: In Mumbai war am Dienstag so viel Regen gefallen wie seit zwölf Jahren nicht mehr an einem Tag. Die Stadt, mit fast 20 Millionen Einwohnern, stand unter Wasser und kam praktisch zum Stillstand. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben. Mehrere Organisationen und Regierungen kündigten Hilfe an: Die EU sagte zwei Millionen Euro für Indien, Bang-ladesch, Myanmar und Nepal zu.

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