24. Mai 2019, 22:30 Uhr

Totalschaden nach Autorennen

24. Mai 2019, 22:30 Uhr

München (dpa). Erlaubt ist nur Tempo 70. Trotzdem rast Dirk Vahlkamp mit seinem Porsche viel zu schnell über die Landstraße in der Nähe von Neunkirchen-Seelscheid (Rhein-Sieg-Kreis). Im März 2014 fährt der damals 43-Jährige mit mehr als 140 km/h in die Rechtskurve, kommt auf die Gegenspur und prallt mit seinem nigelnagelneuen Wagen in ein anderes Auto. Vahlkamp und der andere Fahrer werden schwer verletzt; der schwarze Porsche 911 Carrera ist total Schrott.

Von seiner Versicherung bekommt Vahlkamp jetzt mehr als 82 000 Euro für den Schaden. Vor dem Oberlandesgericht München (OLG) gewann er am Freitag einen Rechtsstreit mit der Generali-Versicherung. Die Anwältin der Versicherungsgruppe kritisierte die Entscheidung. Sie sprach von einer »Belohnung«, dass der Mann aus Nordrhein-Westfalen mit seinem riskanten Fahrstil einen anderen Autofahrer schwer verletzt habe - und dafür nun sein geschrottetes Auto erstattet bekomme. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Vertreterin von Generali schloss nicht aus, das Urteil vor dem Bundesgerichtshof anzufechten.

Die Richter in München mussten entscheiden: Handelte Vahlkamp mit seinem Manöver auf der Landstraße in Nordrhein-Westfalen (NRW) grob fahrlässig oder vorsätzlich? Das Gericht entschied, keinen Vorsatz zu sehen. Die Frage war entscheidend dafür, ob der Versicherungsschutz greift oder nicht. Vahlkamp hatte für seinen Porsche bei Generali eine Premiumversicherung abgeschlossen. Der Schutz gilt aber nur bei Schäden, die durch Fahrlässigkeit entstanden sind. Ausgeschlossen ist die Teilnahme bei Autorennen. Genau das hatte die Versicherung dem IT-Abteilungsleiter aber zunächst vorgeworfen. Über mehrere Kilometer hinweg sei Vahlkamp in seinem Porsche vor einem Audi gerast, sagte die Anwältin. Die beiden Männer hätten sich gegenseitig angespornt, schneller zu fahren. Vahlkamps Anwalt sagte, beide Männer seien auf der Strecke zufällig aufeinandergetroffen.

Gericht: Kein Vorsatz

Der Vorsitzende Richter am OLG sah das ähnlich und berief sich auf Zeugen: Vahlkamp habe Gas gegeben, weil der Audi-Fahrer hinter ihm zu dicht aufgefahren sei und sich von diesem absetzen wollte. Zwischen die beiden Fahrzeuge habe »kein Blatt mehr gepasst«. Seinen Porsche mit dem gefährlichen Fahrstil zu beschädigen, habe Vahlkamp nicht billigend in Kauf nehmen wollen, erklärte der Richter. Deswegen habe er vor der Kurve auch gebremst. Mit einem Spielzeugauto erklärte ein Sachverständiger, welche Kräfte auf den Porsche in der Kurve gewirkt haben müssen. Dort könnten bei hohem Tempo schon kleine Fahrfehler oder Unebenheiten fatale Folgen haben.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Abfall
  • Audi
  • Autorennen
  • Bundesgerichtshof
  • Landstraßen
  • Oberlandesgericht München
  • Porsche
  • Porsche 911
  • Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
  • Totalschäden
  • Versicherungen
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos