12. Juni 2019, 22:46 Uhr

Tiger und Tragödien

12. Juni 2019, 22:46 Uhr

Las Vegas (dpa). Der Schreck kam nur wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag: Der deutsche Star-Magier Siegfried Fischbacher, der heute sein rundes Jubiläum feiert, musste sich Mitte Mai nach Verdacht auf Herzinfarkt einer Operation unterziehen. »Es war verdammt knapp. Meine Arterie war zu 95 Prozent zugeschwollen«, erzählte der gebürtige Rosenheimer einige Tage nach dem Eingriff der »Bild«-Zeitung. Ein Herzspezialist aus München nahm die OP vor. Nachdem ein Stent eingesetzt wurde, sei es ihm schnell wieder besser gegangen, sagte Fischbacher.

Dass er gerade in seiner bayrischen Heimat weilte, hing mit Fischbachers langjährigem Partner Roy Horn (74) zusammen. Seit Jahrzehnten lebt das Duo in Las Vegas, wo die Illusionisten durch Zaubereien und ihre Auftritte mit weißen Tigern und Löwen zu Megastars wurden. Im Oktober 2003 nahm die Traumkarriere ein jähes Ende, als der Dompteur Horn von dem weißen Tiger Mantecore angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde, vor den Augen von mehr als 1500 entsetzten Zuschauern.

Horn ist seither halbseitig gelähmt. In Bayern machte er Anfang Mai eine Stammzelltherapie mit Eigenblut. »Wir hoffen, dass er sich durch die Therapie wieder besser bewegen kann«, sagte Fischbacher der »Bild«-Zeitung, nur wenige Wochen bevor er selbst ins Krankenhaus musste.

Als »Siegfried und Roy« war das Duo jahrzehntelang umjubelt. 1967 kamen die beiden nach Angaben ihres Deutschland-Managements erstmals nach Las Vegas, zunächst traten sie im Stardust-Casino auf, dann im Mirage-Hotel. 1988 handelten sie den bis dahin größten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus.

Für die Ärzte war es 2003 ein Wunder, dass der aus Nordenham bei Bremen stammende Horn den Tiger-Unfall überlebte. Fischbacher ist seither Betreuer und Stütze des Tierbändigers, der nun meist auf eine Gehhilfe angewiesen ist. Doch das hält das frühere Magierduo nicht von Reisen nach Deutschland oder gelegentlichen öffentlichen Auftritten in ihrer Wahlheimat ab.

Vor einem Jahr, zu Fischbachers 79. Geburtstag, waren sie Ehrengäste bei einer Feier in einer Klinik für Gehirngesundheit in Las Vegas. Der Rosenheimer erinnerte dabei an ihre Anfänge in der Kasinostadt, wie die Zeitung »Review Journal« berichtete. Man habe ihnen zu Beginn geraten, ihre »zu deutschen« Namen zu ändern, um überhaupt eine Karrierechance zu haben.

Auch ohne Namensänderung ging ihr American Dream in Erfüllung. Mit etwas Glück können ihre Fans die beiden Stars auch im Secret-Garden-Gehege im Mirage-Hotel treffen. Zur Erhaltung und Fortpflanzung der weißen Tiger und Löwen betreiben sie seit 1997 in Las Vegas den Zoo, der längst zur Touristenattraktion geworden ist.

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