10. Juli 2019, 19:35 Uhr

Tierbeobachtung aus dem All

10. Juli 2019, 19:35 Uhr

Radolfzell (dpa). Martin Wikelski (Foto) vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz hat vor rund 18 Jahren das Projekt ICARUS erdacht und konzipiert. Gestern sollte eigentlich die Beobachtung von Tierbewegungen aus dem All starten. Doch die Ventilatoren am Computer spielten nicht mit. Wegen technischer Probleme ist der Start des deutsch-russischen Systems ICARUS erneut verschoben worden. Eigentlich hätte der Computer auf der Raumstation ISS am Mittwoch angeschaltet werden sollen, wie Projektleiter Wikelski sagte. Das sei auch geschehen - allerdings habe die Belüftung des Geräts nicht richtig funktioniert, weshalb der Computer wieder heruntergefahren wurde. Wann der zweite Versuch starten soll, war zunächst noch nicht klar. Für die Behebung der Probleme würden Kosmonauten der ISS gebraucht, sagte Wolfgang Pitz vom Raumfahrtunternehmen SpaceTech aus Immenstaad am Bodensee. Auf der Raumstation gebe es jedoch einen engen Zeitplan für die Kosmonauten. »Wir müssen sehen, wann sie es unterbringen können.«

Die Idee hinter ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space): Verschiedene Tiere - etwa Zugvögel, aber auch Bären oder Ziegen - sollen mit Minisendern ausgestattet und mithilfe der Internationalen Raumstation ISS aus dem All beobachtet werden. Wikelski und sein Team erhoffen sich davon Aufschluss über die Wanderrouten von Tieren auf der Erde. Zum einen, um zum Schutz der Arten beitragen zu können, etwa indem man Schutzzonen anpasst und verbessert. Zum anderen zum Schutz von Menschen - denn Tiere können bei ihren Wanderungen etwa auch Krankheitserreger verbreiten. Das Wissen über ihre Routen könnte daher helfen, Epidemien vorzubeugen, sie einzudämmen oder zurückzuverfolgen. Zudem könnte ICARUS als Frühwarnsystem für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen. Denn bereits in der Vergangenheit gab es Hinweise darauf, dass Tiere sich vor solchen Ereignissen auffällig verhalten, etwa unruhig werden.

Das Besondere am Projekt ICARUS ist, dass die Daten, die die vielen Sender sammeln, zusammengeführt werden, so Wikelski. Durch die Kombination aller Informationen erhalte man ein völlig neues Verständnis vom Leben auf der Erde. »Es ist im Endeffekt der sechste Sinn der Tiere, den wir abgreifen.«

Anfangs hatte Wikelski seine Idee der US-Raumfahrt behörde NASA vorgestellt - die allerdings ablehnte. 2014 stieg stattdessen die russische Raumfahrtagentur Roskosmos mit ein. Auch die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt. Die deutschen Partner finanzieren die Entwicklung der Technik, die Russen kümmern sich um den Transport und die Installation im All. Im August wurde die ICARUS-Antenne bei einem Außenbordeinsatz am russischen Segment der ISS installiert.

Im Rahmen von ICARUS wollen Forscher etwa Papageien in Nicaragua in der Nähe eines Vulkans beobachten, Ziegen in Italien besendern und Bären als Erdbebenwächter auf der russischen Halbinsel Kamtschatka nutzen. In den nächsten Jahren sollen Zehntausende Tiere mit den Sendern ausgestattet werden.

(Foto: Christian Ziegler/MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa)

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