03. April 2017, 18:52 Uhr

Sogar die Guerilla will helfen

03. April 2017, 18:52 Uhr
Chaos nach der Überflutung: Die Regierung von Kolumbien sichert den Bewohnern von Mocao Soforthilfe zu. (Foto: dpa)

Mocoa (dpa). Nach den verheerenden Schlammlawinen im kolumbianischen Ort Mocoa mit über 250 Toten werden noch rund 200 Menschen vermisst. »Mocoa wird besser dastehen als zuvor«, kündigte Präsident Juan Manuel Santos eine Offensive zum Wiederaufbau an. Er teilte mit, das bisher 254 Tote zu beklagen sein, darunter 60 Kinder. Noch völlig von den Rettungsarbeiten gezeichnete Bewohner trugen auf Bahren die Leichen zum Friedhof. Wegen der nun herrschenden Hitze sind schnelle Beerdigungen wichtig, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.

Santos teilte mit, die Regierung komme für alle Beerdigungskosten auf. Jede Familie bekomme zudem eine Hilfe von etwa 6000 Euro. Sogar die FARC-Guerilla, die den Kampf beendet hat und derzeit in 26 »Friedenscamps« unter UN-Kontrolle die Waffen abgibt, bot ihre Hilfe an. »Wir haben mit Guerilleros gesprochen, sie möchten nach Mocoa gehen, um zu arbeiten und beim Wiederaufbau zu helfen«, sagte FARC-Sprecher Iván Márquez nach Angaben des Portals »Nueva Colombia«. Dabei geht es um 400 Mitglieder des »Süd-Blocks«, die sich drei Stunden von Mocoa entfernt in einem Camp befinden. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador, 630 Kilometer südwestlich von Bogotá.

Die Stadt am Fuß der Anden hat etwa 40 000 Einwohner. In langen Trauerzügen nahmen die Bewohner Mocoas Abschied von den Toten. Wie Retter berichteten, waren Leichen auch von Bäumen geborgen worden. Die Wasser- und Schlammlawine in Mocoa sei bis zu vier Meter hoch gewesen. Santos versprach, eine neue Wasserleitung bauen zu lassen, die eine Trinkwasserversorgung für alle Bürger garantiere. Zudem sollten die Häuser stabiler als bisher gebaut werden. Er dankte Chinas Präsident Xi Jinping für das Bereitstellen von einer Million Dollar an Soforthilfe und kündigte Investitionen von 1,2 Milliarden Pesos (rund 390 000 Euro) zur Wiederbelebung der Wirtschaft an.

Sieben Brücken wurden durch die Katastrophe beschädigt, zwei wurden komplett weggerissen. In der Nacht zum Samstag hatte heftiger Regen drei Flüsse zu reißenden Strömen anwachsen lassen – über Berghänge schossen Wasser- und Schlammmassen in die Stadt hinein. Häuser wurden mitgerissen oder unter Geröllmassen begraben. Die Strom- und Wasserversorgung brach zusammen. Es wurden drei Krankenstationen eingerichtet zur Versorgung der Verletzten. Von insgesamt gut 200 Verletzten wurden knapp 70 in andere Städte transportiert.

500 Kilogramm an Medikamenten wurden nach Mocoa gebracht. Neben Tausenden Helfern waren zehn Hubschrauber, sechs Flugzeuge, sieben Boote und mehr als 60 Fahrzeuge im Einsatz. Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen und Unterstützungsangebote. Die Katastrophe wurde von einem Überlebenden als »kleines Armero« bezeichnet. In der Kleinstadt starben im November 1985 bei der weltweit schlimmsten Schlammlawinenkatastrophe rund 25 000 Menschen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Epidemien
  • Friedhöfe
  • Guerilla
  • Juan Manuel Santos
  • Leichen
  • Rettungsarbeiten
  • Schlammlawinen
  • Wiederaufbau
  • Xi Jinping
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen