13. April 2018, 22:37 Uhr

Schockmoment für Familie

13. April 2018, 22:37 Uhr

Wuppertal (dpa). Um 18.08 Uhr geschieht am Donnerstagabend im Wuppertaler Hauptbahnhof das Ungeheure. Ein polizeibekannter Mann aus Gelsenkirchen greift sich an Gleis 5 ein fremdes Kind und springt mit ihm vor den Augen der entsetzten Eltern und Geschwister vor einen einfahrenden Zug. Der 23-Jährige geht der Lok sogar noch entgegen, bevor er sich mit dem fünfjährigen Jungen zwischen die Schienen legt.

Der Lokführer der aus Haltern kommenden S9 bemerkt das Drama und löst eine Notbremsung aus, kann aber nicht mehr verhindern, dass die tonnenschwere Lok Mann und Kind überrollt. Doch der Junge hat großes Glück im Unglück. Weil sich der Fremde längs zu den Schienen legt, erfasst die Lok weder Mann noch Kind.

Das Gesicht des Fünfjährigen erscheint kurz darauf an der Bahnsteigkante, er kann rasch wieder nach oben klettern. Äußerlich trägt er nur ein paar Schürfwunden davon.

Als auch sein unverletzter Peiniger auftaucht, wird er von herbeieilenden Passanten gepackt und der Polizei übergeben. Es handelt sich um einen 23-jährigen Inder, der seit vielen Jahren in Gelsenkirchen lebt und der Polizei wegen kleinerer Delikte bekannt war. »Das waren Aggressionsdelikte und Schwarzfahren«, sagt Staatsanwalt Hauke Pahre. Nun wird wegen versuchten Mordes gegen den 23-Jährigen ermittelt. Der Staatsanwalt wirft ihm Heimtücke vor. Die Familie des Fünfjährigen und der Verdächtige kennen sich nicht, sind sich laut Ermittlern vermutlich nie zuvor begegnet.

Motiv bleibt unklar

Der Fünfjährige ist das älteste von drei Kindern der betroffenen Familie: Seine ein und drei Jahre alten Geschwister sind ebenfalls mit den Eltern auf dem Bahnsteig und erleben den Horror mit. Die Familie wird danach von Seelsorgern betreut. Auch der Lokführer ist von dem Geschehen mitgenommen: »Er wird psychologisch betreut«, sagt ein Bahnsprecher am Freitag.

Unklar bleibt das Motiv des Verdächtigen. In der Polizeivernehmung schweigt er. Ein Psychiater wird hinzugezogen. Ihm berichtet der 23-Jährige, dass er seit einer Weile Stimmen hört. Der Facharzt attestiert ihm eine schizophrene Psychose. Daraufhin beantragt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie. Wie am Freitag bekannt wird, hatte das Amtsgericht Gelsenkirchen den psychisch auffälligen Mann bereits unter Betreuung gestellt.

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