16. Juli 2018, 19:57 Uhr

Rückkehr in den Schoß der Familie

16. Juli 2018, 19:57 Uhr
Familientreffen in Kenia: Barack Obama (M.), ehemaliger Präsident der USA, steht neben seiner Stiefgroßmutter Sarah Obama (in seinem linken Arm) und seiner Halbschwester Auma Obama (3. v. r.) sowie Kindern und Funktionären, die zur Eröffnung eines Ausbildungszentrums gekommen sind. (Foto: dpa)

Kogelo (dpa). Zum ersten Mal seit dem Ende seiner Amtszeit kehrt Barack Obama nach Kenia zurück. Als Privatbürger kann der Ex-US-Präsident endlich wieder das Heimatdorf seines Vaters besuchen. Gemütlich war die Reise nicht: »Im Bus war es eng, ich hatte einige Hühner auf meinem Schoß und Süßkartoffeln lagen mir im Rücken«, sagt er. Er war 27 Jahre alt, als er mit seiner Halbschwester Auma Obama zum ersten Mal Kogelo im Westen Kenias besuchte. Seine kenianische Verwandtschaft kannte er kaum, die kenianische Kultur noch weniger.

Nun düst er mit einer Kolonne von Toyota Landcruiser in den staubigen Ort, etliche Secret-Service-Agenten im Schlepptau. Obama ist wieder zu Besuch in der »Heimat«. Obama hatte versprochen, wiederzukommen. »Das nächste Mal werde ich aber vielleicht keinen Anzug tragen«, hatte er 2015 gesagt, bei seinem letzten Besuch in Kenia. Damals war er noch US-Präsident. Für einen Abstecher in das Heimatdorf der Obama-Familie in der Nähe des Victoriasees war in der eng getakteten Agenda kein Platz. Das Versprechen hat er nicht ganz gehalten. Für die Eröffnung eines großen Jugendzentrums, das seine Halbschwester Auma Obama mit ihrer Organisation Sauti Kuu in Kogelo geschaffen hat, erscheint der Ex-Präsident gestern im grauen Anzug und mit weißem Hemd. Doch nun hat er endlich mehr Zeit für die Verwandtschaft, Zeit, seine kenianische Halbschwester Auma und ihre Organisation zu unterstützen. Sie schlendern über das neue Gelände in Kogelo, das durch Sport und Bildung jungen Kenianern helfen soll, ihr Potenzial zu entfalten. Ein Berufsbildungszentrum, eine Bibliothek, ein IT-Laboratorium, ein Fußballfeld, ein Basketballfeld, die unter anderem vom Bundesentwicklungsministerium gesponsert wurden. Rund 600 Jugendliche aus dem Umkreis erreicht Sauti Kuu – Kiswahili für »Starke Stimmen« – schon heute, 1000 sollen es künftig sein.

»Ich will, dass meine Gemeinde realisiert, wie wohlhabend sie ist«, so Auma Obama mit Blick auf das Potenzial der Jugend und des Landes. Die Organisation wolle Jugendlichen Alternativen und Perspektiven geben, sagt die Autorin und Rednerin, die in Deutschland studiert und promoviert hat. »Ich könnte nicht stolzer darauf sein, was meine Schwester erreicht hat«, sagt ihr Halbbruder. Lange existierte für Obama Kenia nur in Geschichten seiner weißen Mutter und Großeltern. »Mein Vater war ein Mythos für mich«, schrieb Obama in seiner Autobiografie »Ein amerikanischer Traum: Die Geschichte meiner Familie«. In seinem wechselhaften Leben kehrte Obama senior nur zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes nach Kenia zurück. Seinen stolzen und ehrgeizigen Vater erlebte Obama nur einmal für einen Monat im Alter von zehn, später starb er bei einem Verkehrsunfall.

Im Alter von 27 dann endlich nach Kenia zu reisen und das Grab seines Vaters in Kogelo zu besuchen, war für den jungen Obama ein wichtiger Meilenstein in der Spurensuche nach seinen Wurzeln. Die eigene Herkunft zu kennen »verbindet dich mit deiner Vergangenheit«, sagt er bei der Eröffnungsfeier in Kogelo, »und stärkt dich für die Zukunft«. Auf seine große kenianische Familie scheint er sich inzwischen voll eingelassen zu haben. »Es ist eine Freude, wieder so viele Familienmitglieder zu sehen, und so viele, die behaupten, Familienmitglieder zu sein«, schmunzelt er.

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