20. Juni 2017, 22:11 Uhr

Riskante Rettungsaktion

20. Juni 2017, 22:11 Uhr
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Von DPA

Kathmandu (dpa). Abdul Jabbar Bhatti und Dawa Sange Sherpa können wieder lächeln, wenn auch unter Schmerzen. Der 60-jährige Bergsteiger aus Pakistan und sein junger nepalesischer Sherpa haben am Mount Everest Erfrierungen erlitten. Ihre Finger sind schwarz und verkrümmt. Der 20-jährige Dawa Sange wird vermutlich alle verlieren.

Doch dass die beiden Kletterer überhaupt noch am Leben sind, gleicht einem Wunder. Bhatti und Dawa Sange hatten Ende Mai den höchsten Berg der Welt erklommen. Für beide war es das erste Mal auf dem 8848 Meter hohen Gipfel. Doch beim Abstieg, etwa hundert Meter unter dem Gipfel, ging ihnen der Sauerstoff aus. In dieser Höhenlage ist der Sauerstoffgehalt der Luft nur ein Drittel so hoch wie auf Meereshöhe. Bergsteiger müssen zusätzliche Sauerstoffkanister mitnehmen. Die erschöpften Kletterer konnten nicht mehr und verbrachten die Nacht in der sogenannten Todeszone. Jeder Atemzug ist in dieser Höhe schwierig, die Temperaturen fallen auf 40 Grad unter Null. Bhatti und der Sherpa erzählen, wie sie andere Bergsteiger um Sauerstoff baten, damit sie das Lager 4 auf 7900 Meter erreichen könnten. Doch niemand kam ihnen zu Hilfe. Jeder Kletterer versucht, die Todeszone so schnell wie möglich zu durchqueren. Touristen zahlen Zehntausende Dollar für den Aufstieg. Der Gipfel hat Priorität. Es komme nur selten vor, dass jemand seine eigenen Bemühungen hinten anstelle, um Fremden zu helfen, sagen Beobachter.

Um Mitternacht wurden die Gebete von Bhatti und Dawa Sange erhört – eine Gruppe von Sherpas und chinesischen Bergsteigern auf dem Weg zum Gipfel gab ihnen einen Kanister Sauerstoff, heißes Wasser und eine Jacke. Der erfahrene Bergführer Pemba Onchhu Sherpa sah Dawa Sanges Zustand: »Er war am Leben, aber seine Hände waren hart wie Holz.«

Als die Gruppe auf dem Rückweg wieder durch die Todeszone kam, fassten die Sherpas einen waghalsigen Entschluss: Pemba sollte mit den chinesischen Kunden allein zum Lager zurückkehren, während die anderen drei Sherpas eine Rettungsaktion starteten. Bei Tagesanbruch begannen sie, den bewusstlosen Dawa Sange mit einem Seil über einen schmalen Grat talwärts zu ziehen und über Felsen zu bugsieren.

»Es war eine der riskantesten Rettungsaktionen, an denen ich jemals beteiligt war«, sagt Ang Tsering Lama. Bhatti war in besserer Verfassung. Der Arzt aus Pakistan konnte mithilfe der Sherpas selbst das Lager 4 erreichen. Die Rettungsaktion dauerte zwölf Stunden.



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