12. Februar 2017, 22:25 Uhr

Reizgas stoppt Flugverkehr Rätselhaftes Massensterben 22-Jährige durch Messerstiche getötet Erdbeben erschüttert die Philippinen Kohlenmonoxid vergiftet 70 Menschen auf Kartbahn Weltkriegsbombe in Thessaloniki entschärft

Großeinsatz in Hamburg: Hunderte Reisende werden bei eisiger Kälte nach draußen geschickt, der Präsident von Uruguay muss in seinem Flugzeug warten: Länger als eine Stunde liegt der Flugbetrieb am fünftgrößten Airport in Deutschland lahm. Es ist kein Dumme-Jungen-Streich, aber auch kein Terroranschlag: Pfefferspray sorgt für einen brisanten Einsatz.
12. Februar 2017, 22:25 Uhr
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Von DPA
Reisegäste warten vor den Terminals des Helmut Schmidt Airports in Hamburg zwischen Fahrzeugen der Feuerwehr auf Anweisungen. Der Flughafen war gestern Mittag wegen einer starken Geruchsbelästigung zwischenzeitlich komplett gesperrt worden. (Foto: dpa)

Der Inhalt einer kleinen Kartusche bringt am Sonntag die Reisepläne von etwa 1500 Fluggästen in Hamburg durcheinander: Die Feuerwehr entdeckt den handelsüblichen Behälter mit Pfefferspray nach eigenen Angaben in der sogenannten Plaza. In diesem Gebäude des Flughafens zwischen Terminal eins und zwei finden die Sicherheitskontrollen statt. Die Klimaanlage habe das Spray verwirbelt. Schnell melden sich die ersten Menschen mit Atemwegsreizungen und Übelkeit. Die Flughafenfeuerwehr löst Alarm aus. 120 Einsatzkräfte werden mobilisiert, der Flugverkehr unterbrochen, die Zufahrten gesperrt.

»Es war ein komisch süßlicher Geruch«, sagt die zwölfjährige Ann-Kathrin, die mit ihrer Mutter eine Freundin zum Flug nach Dubai bringen wollte. »Aber beißend«, ergänzt Mutter Jasmin Feth (40). Die Wahrnehmung machten sie außerhalb des Gebäudes. Die Eingänge waren schon geschlossen, als sie mit der S-Bahn eintrafen. Nach etwa einer Stunde gibt die Feuerwehr die Terminals wieder frei, kurz darauf auch die Plaza. Hunderte Reisende strömen hinein. Panik habe es zu keiner Zeit gegeben, sagt Jan Sühnemann (21), der nach Mallorca fliegen will. Nach der ersten Durchsage hätten sie das Terminal ganz ruhig verlassen. »Ich bin sogar noch mal rein aufs Klo«, sagt seine Begleiterin Nele Sandkühler (22).

»Sehen Sie nicht unsere lila Nasen?«, scherzt Familie Rath, die auf dem Weg in den Türkeiurlaub ist. Die vier Erwachsenen haben nichts gerochen. »Großes Lob für die Sicherheitskräfte!«, sagen sie.

Zwei Maschinen umgeleitet

Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern aus Dänemark sagt auf Englisch: »Die Information war sehr schlecht, wenn man nicht gut Deutsch versteht. Jemand sagte, es gebe etwas, das übel rieche.« Die 32-Jährige hatte nach eigenen Worten aber keine Panik. Das Hotel gegenüber habe sie mit den Kindern und ihrem Mann sehr nett aufgenommen.

Als prominentester Passagier muss sich Uruguays Präsident Tabaré Ramón Vázquez Rosas gedulden, der schon in seiner Maschine sitzt. Er teilt das Schicksal von etwa 1500 Passagieren, wie Flughafensprecherin Stefanie Harder sagt. 13 Maschinen müssen und der Luft kreisen oder warten auf dem Rollfeld. Zwei der Flugzeuge werden nach Bremen umgeleitet. Nur indirekt ist das Reizgas der Grund dafür. Flugbetrieb ist nur erlaubt, wenn die Feuerwehr einsatzbereit ist. Aber die ist beschäftigt.

Sie misst immer wieder die Luft im Gebäude, kann aber nur punktuell das Reizgas feststellen. »Man muss aufpassen, dass man nicht hyperventiliert«, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Norbert Kusch. Er selbst sei während der Sperrung eine halbe Stunde lang ohne Atemschutz durch die Plaza gelaufen, da die Messtrupps nichts mehr festgestellt hätten. Wichtig sei, immer wieder nachzumessen. Patienten zeigten oft Sekundärsymptome, obwohl sie eigentlich gar nicht betroffen seien. Das dürfe man aber nicht unterschätzen. »Objektiv betrachtet sind die Patienten in einem Schockzustand.«

Die Retter untersuchen 68 Menschen, neun von ihnen kommen in Krankenhäuser. Der leitende Notarzt Stefan Oppermann ist zuversichtlich, dass auch diese Patienten schnell wieder entlassen werden.

Feuerwehrsprecher Torsten Wesselly spricht von einer »brisanten Einsatzlage«. Er betont aber, dass es keinen Hinweis auf eine Terrorlage gebe. Das Versprühen von Pfefferspray komme in jüngster Zeit in Hamburg leider öfter vor, besonders an Schulen. »Es ist offensichtlich en vogue, ab und zu mal so eine Patrone abzudrücken«, sagt Einsatzleiter Kusch. Es sei jedoch mehr als ein Dumme-Jungen-Streich. Wenn der Täter vom Flughafen ermittelt werden sollte, komme eine gewaltige Kostenforderung auf ihn zu.

Wellington (dpa). Nach einer dramatischen Rettungsaktion für gestrandete Grindwale in Neuseeland sind gestern rund 240 Tiere wieder ins offene Meer zurückgeschwommen. Die meisten hätten sich selbst durch die Flut befreien können, eine kleine Gruppe sei mithilfe von Booten ins tiefere Wasser geführt worden, sagte der Sprecher der Naturschutzbehörde DOC, Herb Christophers, der Deutschen Presse-Agentur. Damit war die Rettungsaktion, bei der Hunderte Freiwillige geholfen hatten, beendet.

Golden Bay ist eine Falle

Seit Donnerstagabend waren rund 650 Wale entlang der schmalen Landzunge Farewell Spit auf der Südinsel des Pazifikstaates gestrandet. 350 von ihnen verendeten, weitere 20 wurden eingeschläfert. Christophers sagte, es sei nicht ungewöhnlich, dass so viele Grindwale in der Gegend seien. In dieser Jahreszeit käme es öfter zu Strandungen. »Golden Bay ist eine Falle für sie auf ihrem Weg um den nordwestlichen Zipfel der Südinsel herum«, erklärte der Sprecher.

Er lobte den Einsatz der mehr als 500 freiwilligen Helfer, unter ihnen Einheimische, Touristen und Schüler, die in den vergangenen Tagen versucht hatten, die Tiere ins tiefere Wasser zurückzubugsieren und dabei Dutzende Tiere gerettet hatten. »Die öffentliche Reaktion war hervorragend«, sagte Christophers. Es habe sogar Verkehrsstaus wegen der Fahrzeuge der vielen Freiwilligen gegeben. Am Samstagabend war die Aktion vor Einbruch der Nacht aus Sicherheitsgründen vorübergehend gestoppt worden.

Der Grund für das Massensterben der Grindwale war zunächst unklar. Pathologen wollen einige der toten Tiere sezieren, um die Ursache herauszufinden. Die Walschutzorganisation Project Jonah hatte am Freitag die Vermutung geäußert, eine Kombination aus hohen Temperaturen und Erkrankungen könne die Ursache sein. Bekannt sind Fälle, in denen Wale einem kranken Leittier ans Ufer folgten. Möglich wäre auch, dass das Echolot-System der Tiere von Unterwasserlärm oder anderen Faktoren gestört wurde.

Bereits im Februar 2015 waren am Strand von Farewell Spit 200 Grindwale gestrandet. Damals konnten 60 Tiere wieder ins Meer gebracht werden. Auch an anderen Küsten kommt es immer wieder zu Massenstrandungen von Walen.

Grindwale – auch Pilotwale genannt – werden bis zu acht Meter lang. Männliche Tiere erreichen ein Gewicht von bis zu drei Tonnen. Die Säuger bevorzugen gemäßigte und kalte Gewässer. Auf der Südhalbkugel sind sie in allen Ozeanen zu finden, auf der Nordhalbkugel nur im Atlantik.

Ahaus (dpa). Eine junge Frau ist im münsterländischen Ahaus mit mehreren Messerstichen in Hals und Oberkörper getötet worden. Zeugen hatten Hilferufe gehört und eine Person gesehen, die sich über die am Boden liegende 22-Jährige beugte, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mitteilten. Gefahndet werde nun nach einem dringend tatverdächtigen 27-Jährigen. Eine Mordkommission ermittelt. Die Frau starb kurz nach dem Angriff in der Nacht zum Samstag infolge von starkem Blutverlust im Krankenhaus.

Suriago (dpa). Nach einem Erdbeben der Stärke 6,7 im Süden der Philippinen mit mindestens sechs Toten und mehr als 100 Verletzten hat Präsident Rodrigo Duterte den Opfern staatliche Hilfe zugesagt. Während eines Besuchs in Suriago am Sonntag kündigte er eine Milliarde philippinischer Pesos (19 Millionen Euro) für die medizinische Versorgung und Unterstützung der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten an. Die 150 000-Einwohner-Stadt liegt in der Nähe des Epizentrums des Bebens, das am Freitag die Provinz Suriago del Norte erschütterte. Bis gestern wurden mehr als 100 Nachbeben in der Region registriert, wie das Institut für Vulkanologie in Quezon City mitteilte. Der Katastrophenschutz meldete mehr als 1000 beschädigte Häuser sowie Dutzende Schulen, Krankenhäuser und Geschäftsgebäude. Auch die Wasserversorgung sei in vielen Teilen der Provinz unterbrochen worden.

Wavre (dpa). Etwa 70 Besucher einer Kartbahn in Belgien haben Kohlenmo- noxid-Vergiftungen erlitten. Fünf von ihnen wurden bei dem Vorfall am Samstagabend schwer vergiftet, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Rund die Hälfte der 150 Besucher der Anlage in Wavre südöstlich von Brüssel blieb unverletzt. Wie es zu dem Vorfall kam, war zunächst unklar. Die Behörden wollten prüfen, ob die Abgasanlage defekt sei, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin Françoise Pigeolet.

Kohlenmonoxid (CO) ist ein sehr giftiges, geruchloses Gas, dessen Wirkungen Betroffene zunächst häufig nicht spüren. Es entsteht bei Verbrennungen ohne genügend Sauerstoff, auch im Autoverkehr. Bei Menschen blockiert es den Transport von Sauerstoff im Blut, im schlimmsten Fall bis hin zum Tod durch Ersticken.

Thessaloniki/Athen (dpa). In Deutschland kennt man das. In Griechenland löst die Entdeckung einer nicht explodierten Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg Aufregung und eine Riesen-Evakuierungsaktion aus: Mehr als 70 000 Menschen mussten am Wochenende mehrere Stunden lang ihre Häuser und Wohnungen in dicht bewohnten Stadtteilen im Westen der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki verlassen. Es war die größte Evakuierungsaktion des Landes in Friedenszeiten, teilten die Behörden mit. Die Entschärfungsaktion war schließlich erfolgreich. »Aufatmen! Der Zünder der Bombe ist entfernt«, sagte ein Sprecher der Polizei gestern. Eine Sondereinheit des Heeres hatte die schwierige Aktion um die Mittagszeit beendet.



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