23. März 2018, 22:30 Uhr

Raserei bereitet Polizei Sorgen

23. März 2018, 22:30 Uhr
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Von DPA
Mit hochauflösenden Heck- und Frontkameras können Beamte dokumentieren, wenn Auto- oder Lastwagenfahrer die Rettungsgasse missachten. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa/lhe). Bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall in Hessen hat 2017 zu schnelles Fahren zu den Ursachen gezählt. Auch jeder vierte Crash mit Schwerverletzten wurde von Rasern mitverursacht. Dies geht aus der Verkehrsunfallstatistik hervor, die Landespolizeipräsident Udo Münch und Innenminister Peter Beuth (CDU) am Freitag in Wiesbaden vorgestellt haben. In dem Papier geht es unter anderem um Unfallursachen, neue Möglichkeiten der Kontrolle und die Verkehrsmoral. Die wichtigsten Punkte:

Nach Einschätzung von Beuth und Münch sinkt die Verkehrsmoral und der gegenseitige Respekt. Dies sei unter anderem daran erkennbar, dass Gaffer mitten auf einer Fahrspur halten, um einen schweren Unfall zu fotografieren. Oder die Rettung behindern, nur um schneller ans Ziel zu kommen. Mit zwölf Videostreifen erhöht die Polizei nun den Druck auf Unbelehrbare, die bei einem Stau auf der Autobahn die Rettungsgasse blockieren. Dazu sind Streifenwagen mit hochauflösenden Heck- und Frontkameras ausgestattet. Die Beamten können damit auf dem Weg zum Einsatzort ohne Zeitverlust dokumentieren, wenn Auto- oder Lastwagenfahrer die Rettungsgasse missachten.

Im vergangenen Jahr sind auf Hessens Straßen mit 213 Opfern so wenige Menschen wie nie seit Beginn der Statistik bei Verkehrsunfällen gestorben. Insgesamt waren 21 120 Unfälle mit Toten oder Verletzten vom Statistischen Landeamt gezählt worden. 2017 sei zum ersten Mal kein einziges Kind bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, sagte Beuth. Die sinkende Zahl der Todesfälle insgesamt führte Münch auch auf die schnellen Rettungsketten zurück. Außerdem gebe es in modernen Autos mehr Sicherheitssysteme für die Insassen.

Mehr als die Hälfte aller Unfälle mit Toten und Verletzten gehen nach den Worten von Münch auf drei Ursachen zurück: Zu geringer Sicherheitsabstand, missachtete Vorfahrt und zu hohe Geschwindigkeit. Um besonders an gefährlichen Stellen Raser zur Verantwortung ziehen zu können, hat inzwischen jedes Polizeipräsidium Blitzeranhänger, die unkompliziert ihren Einsatzort wechseln.

Das Handy am Steuer ist nach den Worten des Polizeichefs »nach wie vor ein Punkt, der uns Sorge bereitet«. Wer bei 80 Kilometern pro Stunde nur eine Sekunde nicht auf die Straße schaue, sei 22 Meter im Blindflug unterwegs. Konkrete Zahlen, bei wie vielen Unfällen der Blick aufs Smartphone der Auslöser war, gibt es nicht.

Die Gesamtzahl aller Unfälle wächst in Hessen seit 2014 stetig und kletterte im vergangenen Jahr auf 150 014. Den Anstieg erklärte Beuth unter anderem damit, dass mehr Autos und Lastwagen auf den Straßen unterwegs sind. Außerdem stieg die Zahl bei gewerblichen Fahrzeugen, etwa im Leasing-Segment oder beim Car-Sharing. Hier würden wegen der Vorgaben der Versicherer oft auch Bagatellunfälle bei der Polizei angezeigt.

Motorradfahren bleibt ein riskante Sache. Jeder vierte Unfalltote starb 2017 auf hessischen Straßen, als er mit einem motorisierten Zweirad unterwegs war. Im vergangenen Jahr kamen laut Statistik 55 Motorradfahrer ums Leben, 2016 waren es 48 gewesen.



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