03. Mai 2017, 22:08 Uhr

Per Flugzeug ins neue Heim

03. Mai 2017, 22:08 Uhr
Cricket, der an Rachitis litt, wartet auf seine Abreise nach Vancouver. Dort wurde der Hund von einer Familie adoptiert. (Foto: dpa)

Neu-Delhi (dpa). Für Bambi bedeuteten die 5000 Kilometer zwischen Indien und Finnland mehr als die gut sieben Stunden Flug, die sie dafür zurücklegte. Die kleine Mischlingshündin stammt aus den Ausläufern des Himalaya-Gebirges in Indien, wo sie auf den Straßen lebte. In der finnischen Stadt Rovaniemi hat sie nun ein Zuhause bei ihrer neuen Besitzerin Sonja Kallio gefunden.

Bambi ist nicht dieEeinzige. Margie reiste in die Niederlande, Tiny und Sheru in die USA und für Cricket soll die Reise nach Kanada gehen. Inzwischen haben Hunderte, wenn nicht Tausende »Desi Dogs« Pflegefamilien in ganz Europa und in Nordamerika gefunden. So nennen Aktivisten wie Premlata Choudhary die indischen Straßenhunde, für die sie ein neues Heim suchen. Choudhary ist eigentlich Tierärztin in Neu-Delhi, hat aber mit ihrer Organisation »Dog Adoption Worldwide« bereits mehr als 300 Hunde in die ganze Welt verschickt.

»Viele finden die Geschichten dieser Hunde inspirierend«, sagt Robin Singh, der »Peepal Farm« gegründet hat, ein Heim für verletzte und ausgesetzte Tiere in den Ausläufern des indischen Himalaya-Gebirges. »Sie haben überlebt, obwohl so vieles gegen sie stand.«

Trotz der oft wilden Mischung verschiedener Rassen tragen viele indische Straßenhunde noch immer die Gene einer urtümlichen Hunderasse in sich. Ein wenig den heutigen Windhunden ähnlich, lebte diese vor mehr als 10 000 Jahren rund um die ersten landwirtschaftlichen Siedlungen Südasiens. So erzählt es Tom Moureau, ein pensionierter Luftfahrtexperte aus dem US-Bundesstaat Illinois.

Moureau begann, sich mit indischen Straßenhunden zu beschäftigen, nachdem er vor vielen Jahren selbst zwei von ihnen adoptiert hatte. Insgesamt sieben von ihnen fanden über die Jahre ein Zuhause bei ihm und seiner Familie. »Sie sind schlauer und unabhängiger als andere Haushunde«, meint er. Aktivistin Choudhary stimmt dem zu: »Desi Dogs sind sehr zäh, aktiv, einfach abzurichten, weniger anfällig für Krankheiten und haben in der Regel ein langes Leben.«

Während Moureau sich die meisten seiner Hunde online ausgesucht hat, fand die Finnin Kallio ihre Hündin Bambi persönlich. Im Jahr 2015 arbeitete sie als Freiwillige bei »Peepal Farm«, als ihr das erst sieben Monate alte Tier auffiel. »Ich wollte sie zuerst ignorieren, aber wir hatten diese Verbindung«, erzählt sie. Einfach mitnehmen konnte sie die junge Hündin trotzdem nicht. Die EU-Vorschriften für die Einfuhr von Haustieren sind streng. Bambi musste geimpft und auf Tollwut getestet werden. Erst Monate später waren alle nötigen Papiere da. Dann brauchte es noch einen Freiwilligen, der Bambi im Flugzeug mit nach Finnland brachte.

Wie teuer eine Adoption wird, hängt von der Größe des Hundes ab, wohin er reisen soll und welche Impfungen dafür nötig sind. In der Regel liegen die Kosten zwischen 1000 und 2000 Euro. Das meiste davon zahlen die Hilfsorganisationen mithilfe von Spenden. Die Adoptierenden zahlen meist einen Beitrag von 300 bis 400 Euro. Den Transport übernehmen in der Regel Freiwillige, die den Hund bei einem Flug, den sie ohnehin unternehmen, als Zusatzgepäck mitnehmen.

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