06. November 2017, 20:51 Uhr

Nervenkrieg im Jugendamt

06. November 2017, 20:51 Uhr

Pfaffenhofen (dpa). Eine stundenlange Geiselnahme im Jugendamt von Pfaffenhofen an der Ilm ist gestern weitgehend unblutig zu Ende gegangen. Spezialeinsatzkräfte der Polizei überwältigten den mutmaßlichen Täter am Nachmittag mit einer Elektroschockpistole. Der 28-Jährige sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Dem Opfer, eine 31 Jahre alte Sachbearbeiterin in der Jugendbehörde des Landratsamtes, fügte der Täter leichte Schnittverletzungen am Hals und an der rechten Hand zu. Das Motiv der Geiselnahme ist ein Sorgerechtsstreit des laut Staatsanwaltschaft psychisch labilen Mannes um sein kleines Kind.

Der 28-Jährige – ein in Kasachstan geborener Deutscher – hatte sich gegen 8.30 Uhr mit der Mitarbeiterin der Behörde in dem Nebengebäude des Landratsamtes verbarrikadiert. Er ließ den Rollladen im Dachgeschoss des dreistöckigen Hauses herunter, sodass die Polizei keinen Sichtkontakt zu Täter und Opfer aufnehmen konnte. Der Angreifer bedrohte die Frau mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Geiselnahme in der oberbayerischen Kreisstadt evakuierte die Polizei das Gebäude. Danach waren nur noch Täter und Opfer in dem Büro. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab. Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurden angefordert. Rettungskräfte eilten an den Tatort. Es begann ein stundenlanger Nervenkrieg mit der Polizei. Die Verhandlungsgruppe nahm am Vormittag telefonisch Kontakt mit dem Geiselnehmer auf. »Der Täter spricht mit uns«, sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer im Laufe des Einsatzes. Die speziell für Geiselnahmen geschulten Beamten versuchten, deeskalierend auf den Mann einzuwirken. Dabei habe immer die körperliche Unversehrtheit der Geisel im Mittelpunkt gestanden, erläuterte Kammerer.

Zunächst verlangte der Geiselnehmer Wasser, eine Notfalltoilette und eine scharfe Schusswaffe. Als die verletzte Frau einen Arzt für sich forderte, griff das SEK zu und überwältigte ihn. Die Beamten setzten dabei nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Elektroschockpistole, einen sogenannten Taser, ein. »Die Spezialeinsatzkräfte nutzten eine günstige Gelegenheit«, beschrieb Polizeisprecher Kammerer das Einsatzszenario.

Das Opfer sei zwar seelisch nach dem über fünfstündigen Psychodrama angegriffen, körperlich aber nicht weiter verletzt. Die 31-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht. Auch der Täter sei bis auf Schürfwunden bei dem Zugriff unverletzt geblieben, teilte die Polizei mit. Opfer und Täter hatten wohl beruflichen Kontakt in dem Jugendamt: Der Mann focht einen Sorgerechtsstreit um seinen kleinen Sohn aus.

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